Schritt gemeinsam durchs Leben. Ein Hund ist für viele behinderte Menschen eine unverzichtbare Hilfe.

Die Helferin braucht Hilfe

Sie ist seine Uhr, sein Wegweiser und seine Freundin: Hündin Sina hilft dem behinderten Peter, sein Leben zu meistern, denn er vergisst viel. Doch dann ist auch Sina auf Hilfe angewiesen.

Für viele ist ein Hund ein Accessoire, einige halten ihn als Familienmitglied und einige benötigen ihn als Partnerersatz. Es gibt aber auch noch solche wie Peter, für die der Hund mehr als das ist. Sein Hund Sina ist sein Lebensinhalt und Taktgeber, denn Peter ist behindert.

Er kam immer zu mir in die Praxis, da sein Bruder es ihm aufgetragen hatte. «Er ist … ich habs vergessen. Hat nicht mein Bruder es Ihnen gesagt?» In der Tat hatten wir bei der telefonischen Anmeldung gleich zu hören bekommen, was Sina fehlte. Sie war es auch, die Peter hergeführt hatte, nachdem Peters Bruder ihn bis vor unsere Strasse gebracht hatte. Da Peter nie nach Hause fand, führte ihn Sina jedes Mal heim. Auch war Sina seine Taktgeberin. Immer zur gleichen Zeit holte sie ihn aus dem Bett. Morgenessen bei der Schwester, dann Mittagessen zu Hause und am Nachmittag ein grosser Spaziergang mit Kaffee in einem Restaurant. Dann zog Sina ihren Besitzer wieder heimwärts. So konnte Peter einigermassen eigenständig leben und fühlte sich unabhängig.

In letzter Zeit aber hatte Sina selber Mühe. Sie verschlief immer wieder und kürzte die Spaziergänge enorm ab. Sie wurde dick und dicker und zeigte ein schütteres Haar. Alle warfen Peter vor, er würde sie zu viel füttern. Auch kriegte sie auf den Spaziergängen von diversen Mitspazierern häufig Guzelis. Peter war überfordert. Ich nahm Sina Blut ab. Wieso nahm sie plötzlich so zu? Mein Labor bestätigte mir meinen Verdacht: Sina litt an einer Schilddrüsenunterfunktion. Ich rief Peters Bruder an und besprach mit ihm die weitere Therapie. Sina musste nun täglich zweimal Tabletten nehmen. Doch wie konnte man Peter das beibringen? Wie würde Sina ihn erinnern können, dass sie morgens und abends immer ihr Tablettli bekommen sollte?

Bei der Nachkontrolle meinte ein schmunzelnder Bruder, Sina habe ihren Peter gut erzogen. Die ersten Male habe er vorbeigehen müssen, um ihr Tablettli in ein bisschen Trockenfisch zu wickeln. Bald aber hatte Sina begriffen. Sie weckte ihren Peter und bettelte um ihren Trockenfisch. Auch abends wartete sie, nachdem Peter sich die Zähne geputzt hatte, vor der Fischdose. Da Peters Bruder die Fischstücke abzählte, hatte er bei seinen Besuchen immer den Überblick, ob und wie viele Tabletten Sina erhielt.
Eine stürmische Sina, schlank und wieder sportlich, wartete auf den Blutuntersuch. Ich fragte Peter, wie es so gehe, und er meinte, er müsse jetzt plötzlich schneller und weiter laufen. «Sina will das so und ich muss mitkommen, sonst weiss ich nicht mehr heim!»

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 14.05.2012, 13:55 Uhr

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