1 von 2



Bernhard Russi: «Sport heisst Freiheit»

Für eine neue TV-Sendung testet Ski-Legende und Pistenbauer Bernhard Russi Action-Sportarten.

Coopzeitung: Wie war der Wechsel vom Kommentatoren-Sessel auf den Mountainbike-Sattel?

Bernhard Russi: Ich sehe mich nicht als Kommentator. Das mache ich nur im Winter ein paar Mal. Lieber bin ich aktiver Sportler. Die Serie mit Tanja Frieden hat richtig Spass gemacht. Wir kannten uns nicht wirklich, aber haben schnell gemerkt: wir teilen die Natur- und Sportverbundenheit, Abenteuerlust und einen gewissen Ehrgeiz.

Klingt nach einem Wettstreit zweier Generationen von Olympiasiegern?
Ääh, das wäre jetzt übertrieben. Auf dem Wasser war sie sackstark – ja bei allem, was mit Geschicklichkeit oder Beweglichkeit zu tun hat. Am meisten beeindruckt hat sie mich aber in meinem Metier, auf der Skitour.

Wieso?
Nun, sie war nicht optimal ausgerüstet, hatte beispielsweise keine Steighilfe dabei. Wie sie sich dann im steilen Gelände hochkämpfte, ihre eigene Spur legte und trotz ihrer Achillessehnenverletzung mit Tempo, aber ohne zu jammern hochstieg – das hat mich tief beeindruckt. Frauen jammern in den Bergen sowieso weniger. Frauen jammern prinzipiell weniger. Geht es ums Leiden, sowieso. Ich glaube kaum, einer von uns würde eine Geburt überleben (lacht).



Stimmen Sie ab:

Welche Sportart würden Sie gerne ausprobieren?

Bitte wählen Sie zuerst eine Antwort aus

Danke fürs Mitmachen!

Sie waren mit dem Zelt unterwegs. Haben Sie gemeinsam ein Zelt geteilt?
Klar, wir haben das besprochen: Wir gehen in die Berge. Da schleppt man sicher nicht zwei Zelte mit. Egal, was die Leute denken – wir spinnen doch nicht.

Vor welcher Action-Sportart hatten Sie am meisten Schiss?
Vor dem Downhill-Mountainbike hatte ich grausam Respekt. Ich wusste, das kannst du nicht nur ein bisschen machen. Es gibt Stellen, da gehst du voll oder gar nicht. Wer bremst, verliert. Genau. Es gab ein paar Stellen, wo ich sagte: ‹Füdle zämme und lo gah›. Ich hatte in meiner Karriere kaum solche Stürze wie an diesem Tag. Ich bin froh, bin ich halbwegs heil davongekommen.

Was für Stürze, der klassische Vorderrad-Verbremser und ab über den Lenker?
Genau, was halt passiert auf Geräten, die man sich nicht gewohnt ist. Wir wollen den Leuten ja eine Sportart näherbringen. Das bedeutetnicht, dass ich darin der Champ sein muss. Aber im Innern ist die Startnummer halt noch da. Das Downhill-Biken war typisch. Ich wusste, damit ist nicht zu spassen. Also ganz klar: keine Sprünge! Dann in der letzten Fahrt folgte ich der Vorfahrerin Vollgas über die Single-Trails durch den Wald von Crans-Montana. Ich war etwa 20 Meter hinter ihr und sehe, dass sich der Trail aufgabelt: links über den Sprung, rechts die Umfahrung. Klare Sache, ich geh rechts. Dann sehe ich, wie sie locker mit angewinkeltem Bike durch die Luft segelt – und 30 Zentimeter vor der Abzweigung dreht mein Lenker automatisch nach links, ich Vollgas über den Sprung. Erst traf das Vorderrad, dann die rechte Schulter und der Grind auf den Boden. Das Knie schmerzt noch immer ...

Sie stellen Action-Sportarten vor, denen vor allem junge Leute verfallen. Ohne unhöflich zu sein, aber einen 62-Jährigen sieht man eher auf dem Golfplatz als beim Downhill-Biken.
Ja, die Vorstellung darf man ruhig haben. Und dann soll man die Sendung anschauen. Es geht ja nicht darum, dass ich etwas beweise. Ausserdem ist der Altersansatz falsch. Heutzutage sind Leute wie ich topfit, sind fähig, jeden Tag stärker und besser zu werden. Vom biologischen und medizinischen Standpunkt her kann man auch über 60 problemlos Krafttraining und Muskelaufbau betreiben. Ich bin ein begeisterter Kletterer, mache immer noch Fortschritte und bin jetzt stärker denn je.

Sport und Naturerlebnis gehören für Sie offensichtlich zusammen. Bekommt man Bernhard Russi auch in ein Fitnesszentrum?
Ich bin kein Fan davon, aber wenn ich geschäftlich unterwegs bin, suche ich mir die Hotels schon nach den Fitness-Möglichkeiten aus.

Ein Tag ohne Bewegung geht gar nicht?
So vergiftet bin ich nicht. Bis 30 bestimmte der Trainingsplan meinen Alltag. Seither bedeutet Sport für mich Freiheit. Aber mein Körper ruft danach. Hat er zu wenig, wird er unzufrieden.

Können Sie eigentlich mal vom Sport abschalten?
Ja klar. Ich war kürzlich in Zürich in der Oper und hab mir ein Ballett angeschaut.

Das ist ja auch sportlich.
Genau, ich habs dann auch unter dem Aspekt angeschaut. Die Körperspannung der Tänzer ist genial. Ich bin aber nicht stur nur an Sport, sondern kulturell sehr vielfältig interessiert. Dadurch bin ich wohl auch nicht der grosse Kritiker. Ich finde meist etwas Gutes.

Ein schöner Zug.
Ja, damit kommt man ‹uh huereguet› durchs Leben!

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Steckbrief: Bernhard Russi

Beruf: Pistenbauer, Ski-Experte
Geburtsdatum: 20. August 1948 in Andermatt
Zivilstand: verheiratet mit Mari Bergström, 2 Kinder
Wohnort: Andermatt
Laufbahn: Dominierte Anfang der 1970er-Jahre die Abfahrtswertung im Alpin-Ski (Olympia-Gold 1972, Weltmeister 1970, 1972, Weltcup (70/71, 71/72). Nach Spitzensport Rücktritt 1978. Dem Skisport eng verbunden als Experte und Pistenbauer. Er wurde schon als «Picasso des Skisports» bezeichnet.
Aktuell: Ab Montag, 4. Juli, 2011, 22.20 Uhr, SF 2 «sporterlebt»: Sommerserie mit Tanja Frieden und Bernhard Russi.
Link: Homepage Bernhard Russi

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Mittwoch 20.07.2011, 11:00 Uhr


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?