The best of the West: T-Bone-Steak

Amerika hat uns ja nicht nur zweifelhafte Dinge wie Fastfood, Hillbilly-Musik oder die Tea-Party beschert. Neben vielem anderen kommt auch das T-Bone-Steak aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Gion-Gieri und ich wuchsen in einer Zeit auf, als in Amerika alles schöner, besser und vor allem grösser war. Wir saugten Amerikanismen auf wie ein Schwamm Wasser: Bazooka, Blutschings, Koobois und Coca-Cola. Bazooka hiess Kaugummi, Coca-Cola war gerade dabei, Vivi-Kola vom Schweizer Markt zu spülen. Koobois waren die Cowboys aus Bonanza und die trugen eben diese blauen Beinkleider, die Blutschings. Und irgendwann brachte jemand das Wort T-Bone-Steak aus dem fernen Zürich zurück ins Dorf.

T-Bone-Steak? Nicht einmal Gion-Gieris Vater wusste, was das genau sein sollte. Und der war bekanntlich ja Metzger. Doch etwas anderes als Ghackets, Salsiz, Andutgel, Cervelat oder ein Sonntagsbraten wurde in seiner Dorfmetzg wohl kaum je verkauft. Er murmelte folglich «neumödisches Zeug», damit war das T-Bone für ihn erledigt. Aber nicht für uns. Denn alles, was von «jenseits des grossen Teichs» kam, war für Gion-Gieri und mich und für so viele Jugendliche jener Zeit einfach «geil», wie man heute sagen würde. Als es dann noch in irgendeinem Heftli – wohl in einem Bravo, entwendet aus dem Zimmer der grossen Schwester – hiess, die Monkees, die Boygroup der damaligen Zeit, würden vor jedem Konzert ein T-Bone essen, war es abgemacht: Das wollten wir auch mal probieren.

Also hinunter ins Tal und dort in die bekannteste Touristenbeiz. Ein betresster Obergeneral schaute indigniert auf die beiden Halbwüchsigen, führte uns dann aber an einen Tisch, brachte eine Karte. Dort stand unter anderem: T-Bone-Steak, 500 Gramm, Preis 25 Franken! Ein halbes Kilo Fleisch und 25 Stutz! Damit kam bei uns im Dorf eine Familie eine Woche lang über die Runden. Locker. Nach einem heimlichen Kassensturz bestellten wir ein T-Bone-Steak für uns beide. Des Generals Stimme wurde noch ein bisschen kühler. Aber dann kam das beste Stück Fleisch, das wir beide bis anhin je gegessen hatten: Das riesige Ding am Knochen hatte eine braune Bratkruste, war inwendig rosa und voller Saft. Damals lernte ich, dass der Zivilisationslack ziemlich dünn ist. Auf jeden Fall bei Gion-Gieri. Er gab Geräusche von sich, die zwischen Hundeknurren und Schmatzen angesiedelt waren.

Die Zeit trieb uns auseinander, Gion-Gieri nach Zürich und mich überallhin. Wir wissen inzwischen natürlich, das Bazooka nicht Kaugummi heisst, sondern eine Panzerabwehrhandwaffe ist. Und auch die kritiklose Amerikabewunderung ist – gelinde gesagt – ziemlich verblasst. Auch Fleisch ist nicht mehr wirklich unser Ding. Nur dem T-Bone-Steak sind wir treu geblieben. Etwa jedes Jahr einmal treffen wir uns zu einem Fleischschmaus, dann bestellen wir ein T-Modell, wie wir das T-Bone-Steak nennen. Aber jeder eins für sich. Sonst knurrt Gion-Gieri wieder.

Saftig, frisch – und riesig: ein T-Bone-Steak stillt den Hunger garantiert. Steak einfach in einer Grillpfanne beidseitig gut anbraten, nach Belieben würzen (Salz/Pfeffer), Silberzwiebeln, Knoblauchzehen und etwas Rosmarin beigeben und mit Baked Potatoes (oder kleinen Frühkartoffeln) servieren. Perfekt: zartrosa gebraten, ist das T-Bone-Steak ein Leckerbissen.

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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 21.05.2012, 15:43 Uhr

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