Eine vife Katze ohne Gelenk

Eine Katze hat Glück im Unglück: Sie überlebt einen Autounfall. Doch ihr Oberschenkelhals ist gebrochen. Klingt nach einer komplizierten Behandlung. Doch bei Katzen ist sie bedeutend einfacher als beim Menschen.

Das Narkoseüberwachungsgerät piepste. Die Katze lag im Tiefschlaf auf dem Operationstisch. Sie war vor drei Tagen zu mir gekommen, nachdem sie von ihrem Besitzer gefunden worden war, hinkend und maunzend. Offensichtlich hatte sie einen Autounfall gehabt. Ihre Krallen waren abgesplittert und an der Nase sah ich kleine Wunden. Die Untersuchung ergab, dass sie starke Schmerzen an der linken Hüfte hatte. Kaum liess ich sie los, rollte sie sich vorsichtig zusammen, ihre Hüfte schonend. Dann verfiel sie in eine bewegungslose Starre, wohl um den Schmerz etwas zu mildern.

Doch sie musste noch einmal ein schmerzhaftes Strecken auf dem Röntgentisch über sich ergehen lassen, dann durfte sie sich nach einer Spritze gegen Schmerzen wieder einrollen. Ihr Oberschenkelhals war gebrochen. Beim Menschen bedeutet ein solcher Bruch in vielen Fällen, dass der Patient ein neues Hüftgelenk braucht. Katzen jedoch benötigen dank ihres geringen Gewichtes und der Tatsache, dass sie noch drei andere Beine haben, keine Prothese. So unglaublich es klingt: Bei einer Katze reicht es, das betroffene Knochenteil zu entfernen. Das fehlende Gelenk wird nur durch die Muskulatur ersetzt. So halten Oberschenkel und Hüfte zusammen und die Beweglichkeit und Kraft ist wie bei einem gesunden Bein. Die Katze, die ich operierte, musste sich viel von ihrem schönen schwarzen Fell abscheren lassen. Dann machte ich einen kleinen Schnitt und entfernte das abgebrochene Stück Knochen. Schon beim Termin zum Fädenziehen war die Katze bedeutend munterer. Sie belastete auch ihr operiertes Bein. Bei der Nachuntersuchung erzählte der Besitzer voller Freude, dass sie wieder den Kratzbaum hochspringe. «Sie wird auch wieder auf Bäume klettern! Selbst das Hinken wird verschwinden», meinte ich. «Zum Glück ist sie nicht eitel. Denn bis das Fell nachwächst, geht es bedeutend länger!», fügte ich lächelnd hinzu und tätschelte sanft die graue, stoppelige Haut der Katze.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Dienstag 30.08.2011, 17:44 Uhr

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