Zügeln ohne Katzenjammer, Teil 2

Hat der letzte Zügelmann die Behausung verlassen, sind alle Möbel an ihrem Platz, Kisten und Utensilien ausgepackt, ist der Umzugsstress für Frauchen und Herrchen endlich vorbei - für Büsi aber beginnt der Stress erst.

Je nach Charakter der Katze fällt die Gewöhnung an das neue Heim leichter oder schwerer. Eine scheue Wohnungskatze etwa braucht erst einmal „viele Versteckmöglichkeiten, denn sie helfen ihr, sich hervorzutrauen. Viele leere Kartonschachteln „tunnelartig" angeordnet helfen zu Beginn weite offene Distanzen zu überwinden", weiss Dr. Chantal Ritter. 

Kartons als Versteck

Die Tierärztin mit eigener Praxis in Luzern gibt noch einen weiteren wichtigen Tipp: „Das Katzenklo sollte zu Beginn möglichst in der Nähe ihres Verstecks sein, damit kein Malheur passiert. Erst später, wenn sie sich hervorgetraut kann die Toilette an ihren definitiven Ort hingestellt werden." Bei Sensibelchen könnten auch „Feliway"-Stecker mit Beruhigungspheromonen helfen, sich schneller in der neuen Umgebung zurechtzufinden. „Freche" Wohnungskatzen hätten meist kein Problem mit einer neuen Wohnung, weiss Dr. Ritter. Anfangs sollte man jedoch gut aufpassen, „damit sie nicht ausbrechen kann oder am noch unbekannten Balkongeländer abstürzt".

Altes Revier wichtiger als Frauchen

Auch eine freche Aussenkatze könne sich schon nach wenigen Tagen an die neue Umgebung gewöhnen, sagt die Veterinärin aus Luzern und schmunzelt: Hier sind anfangs eventuell einige Tierarztbesuche nötig wegen häufiger Revierkeilereien." Mit scheuen Aussenkatzen hingegen sei es sehr schwierig zu zügeln, so die Tierärztin. Denn „sie hängen oft mehr an ihrem Revier als an ihrem Menschen". Auch habe das neue Revier meist schon andere Katzen, gegen die sie sich erst durchsetzen müsse. „Klappt das nicht, so wollen diese Katzen oft wieder in ihr altes Revier laufen", warnt Dr. Ritter und empfiehlt in diesem Fall eine „Verwahrungsphase", die bis zu zwei Monaten dauern könne: „Die Katze erst einmal eine Zeit lang eingesperrt halten, bis sie sich ganz wohl fühlt. Das ist für Mensch und Tier mühsam, denn das bedeutet auch, dass die Aussenkatze während des ‚Stubenarrests' auch auf eine Katzentoilette gehen muss." 

Immer nur mit Chip und Band ins Freie!

Danach kann der Katzenhalter stundenweise Auslauf gewähren, um sicherzustellen, dass der Vierbeiner sein neues Zuhause auch akzeptiert. In dieser Zeit „nur mit Halsbändeli und Chip ins Freie lassen, um ein Wieder finden zu erleichtern falls sie doch abhaut", empfiehlt die Tierärztin. Darf ein ans Streunen gewöhnte Büsi aufgrund zu vieler Gefahrenquellen rund um die neue Behausung nun gar nicht mehr ins Freie, wird es schwierig. „Das schaffen nur ganz ruhige liebe Katzencharaktere mit Besitzern, die ständig zuhause sind." 

Egoismus bringt Katzenjammer!

Nimmt das Büsi trotz aller liebevollen und geduldigen Eingewöhnungsmassnahmen immer wieder Reissaus und kann sich einfach nicht an die neue Umgebung gewöhnen, „sollte man sich überlegen, ob die Katze nicht wohler am alten Wohnort ist", betont Chantal Ritter und betont: „Viele Nachmieter nehmen die Wohnung inklusive Katze." Manchmal können Katzenbesitzer in spé sogar ein richtiges Schnäppchen machen, weiss sie zu berichten: „ Die teuerste Katze von Luzern: kostete zwar einen sechsstelligen Betrag, aber das Haus gab's gratis dazu!"

Im Wortlaut: 

Auszug aus dem Mietvertrag für Wohnräume vom Mieterinnen- und Mieterverband in Zürich

Allgemeine Bedingungen zum „Mietvertrag für Wohnräume", Punkt 15. „Tierhaltung":

Ohne Zustimmung des Vermieters dürfen Kleintiere (wie Hamster, Kanarienvögel, Zierfische) in der Wohnung gehalten werden, soweit sich die Anzahl der Tiere in den üblichen Grenzen hält. Das Halten von grösseren Haustieren (wie Katzen, Hunde, Hasen, Papageien, Reptilien) bedarf der schriftlichen Zustimmung des Vermieters. Wird einem Mieter im selben Haus das Halten von Haustieren erlaubt, so kann es einem andern Mieter nur aus sachlichen Gründen untersagt werden. Stillschweigende Duldung der Tierhaltung durch den Vermieter kommt einer Bewilligung gleich. Die Tierhaltung kann aus wichtigen sachlichen Gründen und nach zweimaliger schriftlicher eingeschriebener Abmahnung unter Einhaltung einer Frist von drei Monaten widerrufen werden.

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Susanne Reininger

Tierexpertin

Veröffentlicht:
Donnerstag 23.06.2011, 12:10 Uhr

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