Wautzi am Arbeitsplatz: Rechte und Pflichten für Hundehalter

Colliehündin Stella darf Herrchen Jürg täglich zur Arbeit begleiten. Jürg arbeitet in einem Architekturbüro. Stella trifft dort auch Pudel Max von Jürgs Kollegin. Die beiden Hunde verstehen sich gut und gehen mittags gemeinsam Gassi.

Herrchen Jürg ist froh, dass er Stella zur neuen Arbeitsstelle mitnehmen kann, sonst hätten er und seine Frau Mary wohl einen Hundesitter finden oder den Hund gar weggeben müssen. Denn Frauchen arbeitet in einer grossen Bank, dort sind Vierbeiner nicht geduldet. Wie ist das überhaupt mit Hunden am Arbeitsplatz? Was müssen Hundebesitzer beachten, die ihren Vierbeiner mitnehmen dürfen? Und hat man als Herrchen auch Rechte? Der neue Praxis-Ratgeber „Tier im Recht transparent" gibt Auskunft über das neue Tierschutzrecht und andere Rechtsfragen rund um Heimtiere. 

Rechtsanspruch nur im Ausnahmefall

Gleich vorweg: Einen Rechtsanspruch, seinen Hund an den Arbeitsplatz mitzunehmen hat man in der Regel nicht. Auch wenn ein Vierbeiner juristisch keine Sache mehr ist, zählt das Halten von Tieren aus Sicht des Bundesgerichts nicht zum „Kernbereich der Persönlichkeitsentfaltung". Ausnahmen werden jedoch bei behinderten oder blinden Arbeitnehmern gemacht, die für die Bewältigung ihres Alltags auf einen Hund angewiesen sind. „Ihnen ist das Mitbringen ihres Tieres an den Arbeitsplatz daher stets zu gestatten", empfehlen die Experten der „Stiftung für das Tier im Recht" in ihrem Praxis-Ratgeber.   

Sachliche Argumente statt Willkür

Weil das Arbeitsrecht keine entsprechenden Vorschriften enthalte, könne der Arbeitgeber alleine entscheiden, ob und welche Tiere mitgenommen werden dürfen. Doch willkürlich dürfe der Chef dabei nicht verfahren: „Diskriminierend und somit nicht erlaubt wäre ein Verhalten des Arbeitgebers, wenn er einem Arbeitgeber das Mitbringen seines Hundes ohne triftigen Grund verwehrt, während andere Kollegen dies tun dürfen." Unzulässig sei auch ein plötzliches, unbegründetes Verbot, wenn der Hund bislang mitgenommen werden durfte. Ist das „Nein" keine Schikane, sondern sachlich begründet, muss Wautzi wieder Zuhause bleiben. Etwa, wenn er sich auf einmal aggressiv gebärdet oder ein neuer Kollege extreme Angst vor Hunden hat. 

Recht auf Hundebegleitung vertraglich festschreiben lassen

Der Praxis-Tipp der Rechtsexperten: „Wenn Sie als Tierhalter dauerhaft darauf angewiesen sind, Ihr Tier an den Arbeitsplatz mitnehmen zu können, sollten Sie sich dieses Recht im Arbeitsvertrag festschreiben lassen. Nur dann kann es vom Vorgesetzten nicht einseitig, etwa aufgrund geänderter betrieblicher Verhältnisse, entzogen werden." Sind generell keine Tiere am Arbeitsplatz erlaubt und man bringt trotz Verbots sein Tier mit, so kann der Arbeitgeber nach mehrmaliger Verwarnung eine fristlose Kündigung aussprechen. Verursacht ein Vierbeiner am Arbeitsort einen Schaden, so gelten auch dort die Grundsätze der Tierhalterhaftung und Herrchen hat für den Schaden aufzukommen.  

Ist das Tier krank, kann Herrchen freigestellt werden

Aus den im 2008 reformierten Tierschutzrecht festgeschriebenen Pflichten ergeben sich auch Rechte für Tierhalter wie Jürg und Mary: So muss man sein erkranktes Tier „unverzüglich seinem Zustand entsprechend unterbringen, pflegen und falls nötig tierärztlich behandeln lassen (§ 2.1.5.). Wenn sich für Wautzi oder Büsi jedoch keine adäquate Betreuung Zuhause findet, muss der Tierhalter unter Umständen eine gewisse Zeit von der Arbeit freigestellt werden. Hier sei die Rechtslage „durchaus mit der Pflege eines kranken Kindes vergleichbar, für die das Arbeitsgesetz eine Freistellung des Arbeitnehmers für bis zu drei Tagen gewährt", weisen die Autoren des Tier-Rechtsratgebers hin. 

Unser Buchtipp:
Gieri Bolliger, Antoine F. Goetschel, Michelle Richner, Alexandra Spring: „Tier im Recht transparent",
2008 herausgegeben von der Stiftung für das Tier im Recht, verlegt bei Schulthess Juristische Medien,
ISBN 978-3-7255-5620-5, Preis: 49,00 CHF.
Zu beziehen über die Stiftung für das Tier im Recht Tel. 043 443 0643 oder über www.tierimrecht.org

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Susanne Reininger

Tierexpertin

Veröffentlicht:
Donnerstag 23.06.2011, 12:56 Uhr

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