Der Second-Hand-Hund

Wer einen Hund bei einem seriösen Züchter kauft, hat meist auch die Gelegenheit, die Kinderstube des kleinen Vierbeiners genau unter die Lupe zu nehmen, die Eltern kennen zu lernen, Wichtiges über Charakter und Temperament des Welpen zu erfahren.

So bekommt man nicht „die Katze im Sack" und weiss, worauf man sich einlässt. Doch oftmals werden Hunde auch über ein Tierheim oder eine Tierschutzorganisation vermittelt, manche Hundefreunde bringen verwahrloste Vierbeiner aus dem Urlaub mit. Hunde aus zweiter Hand, deren Herkunft und Vorgeschichte nur selten bekannt ist, sind für das neue Frauchen oder Herrchen eine grosse Herausforderung. Wir geben Tipps, wie Sie eine solche Aufgabe am besten meisten und auf welche Dinge Sie achten sollten. 

Strassenhunde sind meist Problemhunde

„Hunde aus Spanien, Rumänien und gar Russland zu adoptieren ist in Mode gekommen", sagt Dr. Chantal Ritter, Tierärztin in Luzern, Kanton Luzern. Leider erleben Tierärzte wie Dr. Ritter immer wieder, dass solche Hunde vom „Regen in die Traufe" kommen. Denn "normal" auf den Menschen geprägte Tierheimhunde mit einer guten Kinderstube können sich zu dankbaren, treuen Begleiter entwickeln. „Strassenhunde" hingegen haben gelernt, durch Scheu und Misstrauen zu überleben. „Diese Gene, zusammen mit einer fehlenden Sozialisierung, machen solche Hunde oft zu Problemhunden. Zusätzlich kommen nicht selten chronische Krankheiten wie Leishmaniose, Babesiose oder aufgrund von alten Unfallfolgen hinzu", weiss die Veterinärin. Diese Hunde kosten deshalb viel Zeit, Geld und vor allem Wissen. 

Bitte keine falschen Erwartungen!

„Anstatt dankbar zu sein, ist der Hund kaum zu bändigen und zerstört mir die Wohnung, er bellt ständig, wenn er alleine ist, zeigt eine schwierig zu meisternde Dominanz", solche Sätze hört Chantal häufig über Hunde aus Zweiter Hand, die aus dem Tierheim stammen oder aus Urlaubsländern „gerettet" wurden. „Die Menschen haben eine falsche Erwartungshaltung, denn Dankbarkeit und Gesundheit haben nichts miteinander zu tun", stellt sie klar. Problemlose Scheidungs- und Altersheimhunde würden meist unter der Hand platziert, Tierheimhunde hingegen seien oft „vorbelastet". Deshalb sei es wichtig, nach der Geschichte zu fragen: abgegebener Familienhund, oder eingefangener Strassenhund?

Behutsames Kennenlernen wichtig

Für einen Hund aus Zweiter Hand sollte man sich bewusst entscheiden und nicht spontan aus falsch verstandener Tierliebe. Dr. Ritter empfiehlt, einen solchen Hund vor dem Kauf regelmässig Gassi zu führen, um so gegenseitige Sympathien und auftretende Probleme zu erkunden. Auch wichtige Fragen wie etwa Bellen bei Stress, Kinderfreundlichkeit, Bindung zu Menschen, Jagdverhalten sollten vorher abgeklärt werden. „Viele Importhunde werden zwar als Tierheimhunde importiert, aber von dubiosen Hundehändlern platziert", warnt Dr. Ritter. Daher sei es wichtig, die Stiftung, das Tierheim oder den Händler sehr genau auf seine Tierfreundlichkeit hin zu überprüfen.

Gesundheitszustand des Tieres dokumentieren

Wer einen „Urlaubshund" mitbringt, kann ihn nicht einfach am Schweizer Zoll vorbeischmuggeln, sondern muss gültige Impfpapiere vorlegen und dokumentieren können, dass Wautzi gechippt und gesund ist. Um entsprechende tierärztliche Dokumente sollte man sich unbedingt rechtzeitig vor der Übernahme des Hundes kümmern. Viele Tierheime haben „eigene" Tierärzte, die sich ehrenamtlich um eine regelmässige Gesundheitskontrolle der vierbeinigen Bewohner kümmern. „Aus rechtlichen Gründen sollten Sie sofort einen Ceck beim eigenen Tierarzt machen lassen, dort sämtliche Papiere, Tests und Impfungen kontrollieren lassen, um so Überraschungen rechtzeitig zu erfahren", rät die Tierärztin aus Luzern. 

In den ersten Monaten nur „braver Gast"

Sind diese Hürden genommen und der Hund in einer gesundheitlich guten Verfassung, beginnt die eigentliche Arbeit: Nun muss man als neues Herrchen oder Frauchen eine vertrauensvolle Beziehung zu Wautzi aufbauen. Dazu braucht es viel Geduld. Denn „in den ersten zwei Monaten fühlt sich der Hund nur als Gast und benimmt sich entsprechend brav oder scheu, dann taut er in der Regel auf und damit zeigen sich meist auch die Probleme", weiss Dr. Ritter und empfiehlt: „Erstmal Ruhe, Alltag und Streicheleinheiten, dann bei zunehmender Routine unbedingt eine Hundeschule besuchen und bei Problemen nicht scheuen, spezielle Therapeuten oder Hundelehrer aufzusuchen." Denn auch ein Hund aus Zweiter Hand ist lernfähig und kann sich zu einem treuen Weggefährten entwickeln.

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Susanne Reininger

Tierexpertin

Veröffentlicht:
Donnerstag 23.06.2011, 12:58 Uhr

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