Wenn Wautzi und Büsi trauern

Seit zwei Wochen mag Kater Lucky nicht mehr richtig fressen. Frauchen ahnt, warum und erzählt: „Lucky trauert wohl, denn an einem regnerischen Abend im März wurde sein Spielgefährte Mohrle von einem Autobus überfahren".

Stirbt ein Weggefährte oder wird das Tier wegen einer Scheidung von seinen Menschen getrennt, empfinden auch Wautzi oder Büsi Trauer. 

Vom Ignorieren über stille Trauer bis zum Aufblühen

Auf welche Weise ein Vierbeiner trauert hängt unter anderen von Rang, Sozialisierung und Art des Zusammenlebens ab. „Es gibt die einen, die ihren Kollegen noch monatelang suchen und keinen Ersatz tolerieren, andere leben weiter wie bisher und manche spielen die ‚lustige Witwe' und tauen erst so richtig auf", berichtet Tierärztin Dr. Chantal Ritter und ergänzt: „In meiner Praxis gab es bisher keinen Unterschied in Bezug auf Rasse, Alter oder Geschlecht". Zu beobachten sei jedoch, dass sich Auslaufkatzen weniger betroffen zeigen. „Interessanterweise erkennen sie das tote Tier nicht als ‚toter Kollege', sondern laufen am dem Katzenkadaver vorbei, ohne ihn näher zu beachten und gehen ihn stattdessen an seinen Lieblingsorten suchen", beschreibt Dr. Ritter das Phänomen. Bei Meerschweinchen wurde beobachtet, dass diese weniger Probleme hätten, „wenn man den toten Kollegen für eine Weile im Käfig liegen lässt."

Sympathie für Menschen, die Herrchen ähneln

Hunde und Katzen verhalten sich ähnlich in Trauerphasen, je nach Persönlichkeit des jeweiligen Tieres unterscheidet sich jedoch die Art der Trauer. „Die einen fressen nicht, heulen Tag und Nacht und die anderen gehen innert Minuten zur neuen Tagesordnung über", erzählt Dr. Ritter. Tierhalter berichteten ihr, dass „Hund wie Katze den alten Besitzer noch lange zu erkennen glauben". So wedelte zum Beispiel ein Wautzi alle älteren Herren an. Eine Sympathie für ähnliche Menschentypen kann weit über die Trauerphase hinausgehen und sogar ein ganzes Tierleben anhalten. 

Viel Zeit nehmen fürs Tier

Was kann das neue Frauchen oder Herrchen tun, um dem Tier zu helfen, die Trauerphase besser zu bewältigen? Ein Hund beispielsweise brauche in dieser Zeit viel Zuwendung und Auslauf. Beim Gassigang solle man Spaziergängern auch ruhig erklären, warum Wautzi sich merkwürdig verhält und ihnen nachlaufen will. „'Alte "Mödeli" zu übernehmen hilft ebenso wie neue Rituale einzuführen, etwa ein Guezeli nach dem Spaziergang, oder das  Futter auf zwei Hälften zu teilen." Doch den Charakter des Tieres könne man nicht völlig umkrempeln: „Aus einem Schosshund lässt sich keine Sportskanone machen, das wäre auch zuviel Stress fürs Tier".

Trauerphase dauert meist ein Jahr

Eine Trauerphase kann bis zu 12 Monate anhalten. „Schwierige Katzen tauen sogar erst nach ein bis zwei Jahren auf", sagt die Veterinärin aus Luzern. In diesem Fall jedoch liege eher eine „posttraumatische Belastungsstörung vor als ein Verlustschmerz". Ein Tierarzt oder ein Hundetrainer können während der tierischen Trauerphase „nicht oder nur wenig helfen,  weil in dieser Zeit auch der Lerneffekt vermindert ist", betont Dr. Ritter. In schwierigen Phasen, etwa wenn ein Hund nächtelang hindurch weint oder Trennungsangst entwickelt, könne ein Tierpsychologe sinnvoll sein, „aber nur, wenn das ungewöhnliche Verhalten noch nicht zu lange besteht", betont die Tierexpertin. Zu langes Abwarten verringere nämlich die Erfolgsgarantie. Trauert ein Tier um sein Herrchen oder Frauchen und scheint nicht über dessen Verlust hinweg zu kommen, könne es sein, dass sich der Vierbeiner in seinem neuen Umfeld nicht wohl fühlt. Auch wenn es in diesem Fall neuerlichen Stress für Wautzi oder Büsi bedeutet, sollten die „Pflegeeltern" ein neues, passendes Zuhause für Wautzi oder Büsi suchen.

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Susanne Reininger

Tierexpertin

Veröffentlicht:
Donnerstag 23.06.2011, 13:55 Uhr

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