Sturm der Liebe

Sie vermasselt ihren Text – er auch.

Sybil Schreiber: Ich bin bereit. Die Kamera auch. Und los gehts: Ich stehe hinter der Rezeption des Hotels Fürstenhof und der Chef sagt zu mir: «Ich erwarte von einem angehenden Portier Höflichkeit und tadelloses Benehmen. Bei uns ist der Gast König. Also Kopf hoch, Brust raus, Bauch rein!» Das mache ich augenblicklich, schliesslich ist das mein erster – und einziger – Drehtag im «Sturm der Liebe».
Eine Dame erscheint. Sie fragt nach einem Zimmer für sich und ihren Bernhardiner Bruno, der zwei Mal täglich eine Gurkenmaske braucht und nur französisches Futter frisst.
Ich gebe alles, verdrehe die Augen, seufze und tatsächlich: Die Leute lachen. Bis auf einen. Auf der Zuschauertribüne sitzt Schneider mit all den anderen.
Er blickt konzentriert auf einen Zettel statt zu mir und hat Mühe, wenn ich mal aus mir herausgehe. In dieser Beziehung ist er echt verklemmt.
Ich lese weiter vom Teleprompter ab und sage zickig: «Ich habe keine Hundeallergie.» Hoppla, das war falsch, ich wiederhole: «Doch, klar, ich habe eine Hundeallergie!» und muss kichern.
Ich halte mich nun mal nicht gern an vorgegebene Texte. Die Leute amüsieren sich königlich. Bis auf einen.

Steven Schneider: Die lassen sich schon was einfallen bei den Bavaria Filmstudios, um die Besucher bei Laune zu halten. Jetzt sitzen wir grade in den Kulissen von «Sturm der Liebe», einer Telenovela der ARD.
Auf dem Zettel dazu lese ich: An fünf Tagen werden fünf Episoden gedreht, im Studio und parallel dazu in einem richtigen Schloss. Durchschnittlich schauen zweieinhalb Millionen Menschen zu. Ausgestrahlt wird die Sendung in 20 Ländern. Eigentlich hätten es nur 100 Episoden werden sollen. Jetzt sind es schon über 1300.
Leider steht nicht noch mehr auf dem Zettel und ich kann mich nicht länger mit Lesen von der leidigen schreiberschen Schauspielkunst ablenken. Jetzt vermasselt sie auch noch den Text, denn was sie sagt, macht keinen Sinn.
Ich zähle die Minuten, dann ist diese Besucher-Attraktion endlich vorbei und wir werden ins nächste Studio ziehen. Ich hoffe nur, dass sich Schreiber nicht wieder vordrängelt, wenn Freiwillige gesucht werden.
Strahlend kommt sie nach dem Schlussapplaus auf mich zu. «Na, wie war ich?», fragt sie, und ich weiss natürlich ganz genau, was sie von mir hören will, aber ich mag mich nicht an den Text halten und sage: «Peinlich!»

(Coopzeitung Nr. 23/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 31.05.2012, 16:52 Uhr

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