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Das Kreuz mit dem Kreuz

Verändert ein Goldkettchen einen Mann? Ja, meint Sybil.

Sybil Schreiber: Schneiders kürzliche Aufräumaktion im Estrich war ergiebig: Ein ganzes Auto voll Sperrmüll, zwei Pflaster an seinen Händen, eine Beule am Kopf, seine gewohnten Kreuzschmerzen nach körperlichen Taten und eine Überraschung – ein Goldkettchen samt Kreuz am Hals.

«Das hat mir meine Mutter zum 16. Geburtstag geschenkt», erklärte er mir stolz. Er hatte es offenbar in irgendeiner seiner Nostalgie-Schachteln gefunden. «Waren da auch noch weisse Socken dabei?», fragte ich spöttisch, was er mit einem schmachtenden Adriano-Celentano-Blick konterte: «Mach dich nicht lustig, die Kette werde ich nämlich ab sofort wieder tragen.»

Seither glitzert es also in seinen Brusthaaren, am Nacken, unterm Kragen. Das Gute daran: Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich Schneider mit Kettchen sehe. Es verändert ihn. Mir scheint, er ist ein bisschen mehr Macho als früher. Als er im Schwimmbad vom Dreimeterbrett springt, habe ich sogar das Gefühl, seine Muskelmasse hätte zugenommen.

Das Schlechte daran: Ich kann mich einfach nicht daran gewöhnen. Denn so eine Kette steckt voller Symbolik. An ihr hängt eindeutig mehr dran als echtes Gold: ein anderer Mann. Doch den wollte ich gar nicht.


Steven Schneider: Ein Kettchen allein verändert doch keinen Menschen! Mein Vorschlag: «Küss mich mit geschlossenen Augen und sag mir, ob ich sie trage oder nicht.» Sie nickt, nennt ihre Bedingungen und küsst: «Du trägst es.» Beim nächsten Kuss trage ich es nicht – sie rät richtig. Auch beim dritten Mal tippt sie richtig.

Mist! Drei Küsse, drei Treffer. Blinzelt sie oder spürt sie es? Unmöglich, das kann man nicht spüren. «Abgemacht, du ziehst es ganz aus», sagt Schreiber strahlend. Das tu ich – und leiste weiter Widerstand: «Ob mit oder ohne, ich bin immer der Gleiche. Aber was mich gewaltig stört, sind deine Vorurteile. Goldkettchen verbindest du mit Fuchsschwanz an der Autoantenne und intellektueller Beschränktheit. Das ist Schwachsinn!»

Ich rede mich in Rage: «Alle meine Onkels und Cousins in Italien tragen ein solches Kettchen auf der Brust! Sind das nun auch alles Machos? Denk dran, in meinen Adern fliesst südländisches Blut! Zudem ist das Kreuz ein Geschenk meiner Mutter. Erklär ihr doch bitte deine Theorie!»

«Beruhige dich», sagt sie, «man merkt auch so, dass du südländisches Temperament hast. Hauptsache, du hängst keinen Fuchsschwanz an die Autoantenne.»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 31.08.2011, 13:00 Uhr

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