Liebevoll: Katzen versorgen nicht nur ihre eigenen Babys.

Tierische Supermutter

Im Frühling gibt es viele Katzenbabys. Auch in der Tierarztpraxis versorgt eine herrenlose Katze ihre vier Kätzchen. Und dann kommt schon der nächste Wurf.

Wie immer im Frühling haben wir ein Katzenbabyproblem. Dieses Jahr hatte ein Landwirt seine gesamte Katzenkolonie kastriert und gesund gepflegt, um dem Katzen-elend zu entkommen.Dann, nach zwei Monaten, hatte plötzliche eine Katze, die neu zugewandert war, ihre Jungen im Tenn abgelegt. Er wollte nicht wieder ins Katzen-elend mit vielen unkastrierten und verschnupften Katzen schlittern. Also zügelte dieses Mami mitsamt ihren vier Babys zu uns. Ursprünglich waren es fünf Babys gewesen, doch die Verwurmung und die Kälte im Frühjahr hatten das ihrige dazugetan.

In unserem Gehege fühlte sich die Katzenmutter wohl: Futter, Wärme, Streicheleinheiten und kein Durchfall mehr. Ihre Babys nahmen ebenfalls gut zu und auch sie hatten kaum mehr Durchfall. Als die Kleinen begannen, die Augen zu öffnen, erhielten wir ein trauriges Telefon. Eine Katzenmama war unter den Mäher geraten. Ihre Babys, im selben Alter wie unsere, wurden von Hand geschöppelt. Trotzdem nahmen diese ab und weinten viel.

Ich sprach mit unserer Katzenmama. Sie müsse sich jetzt ihre Vollpension-Luxussuite verdienen. Dazu gehöre auch, weitere Babys aufzuziehen. Die Mama blinzelte mir zu und leckte sich ihre Pfote.
Am Nachmittag kamen die Kleinen. Mager und weinend wurden sie von uns untersucht. Ich wollte sie, bis das Wurmmittel wirkte, separat halten, hatte aber die Rechnung nicht mit unserer Mama gemacht. Kaum hörte sie die weinenden Kleinen, miauzte sie und tigerte vor der Boxe auf und ab. Sie liess uns keine Ruhe und wollte unbedingt die fremden Babys. Diese waren zwar einige Tage älter als unsere, aber leichter. Kaum vereint, säugte sie ihre auf sieben angewachsene Grossmannschaft und putzte eifrig den Menschengeruch von den Kleinen ab.

Am Abend schaute ich als Letztes noch nach den Katzen. Alle Babys lagen satt und geputzt ordentlich im Nest. Die Mama stolz davor. «Wie schaffst Du das nur?», fragte ich. «Von vier auf sieben Babys auf einen Schlag?» Die Mama blinzelte mir zu und legte sich flach auf den kühlen Plattenboden. Offensichtlich musste sie ihre Milchleiste kühlen! Sie machte ihre Arbeit gut. Die neuen Babys nahmen zu, ihre eigenen brauchten drei Tage, um wieder zu ihren alten Tageszunahmen zu gelangen. Innert weniger Tage hatte unsere Katzenmama also ihre Milchmenge den Kleinen angepasst.Ich staune immer wieder, wie sozial Katzen sind. Ich selber hätte wohl ziemlich Mühe, wenn sich meine Kinderzahl plötzlich verdoppeln würde.

(Coopzeitung Nr. 25/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Keystone
Veröffentlicht:
Montag 18.06.2012, 16:00 Uhr

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