Hier! heisst auch: Komm!

Sie lernt Hündisch und er versteht alles falsch.

Sybil Schreiber: Seit etwas mehr als einem Jahr lebt Hündchen Lilla bei uns. Ich bin die Rudelmutter, eine Position in unserer Familie, die mir so richtig Spass macht. Denn in diesem Rudel «Hund-und-Ich» hören die Mitglieder, also Lilla, auf meine Worte – im Gegensatz zu meinem Rudel mit Zweibeinern, wo ich sagen kann, was ich will, und jeder tut, was nur er will.
Lilla aber wetzt fröhlich zu mir, wenn ich deutlich «Hier!» rufe. Ich sage «Platz!», sie legt sich hin. Dann gibts noch Kehr, Fuss, Sitz, Steh, Warte, Aus, Nein ...
Einsilbige Wörter haben eine starke Wirkung, das wissen Sprachwissenschafter schon lange. Lilla und ich verstehen uns also prächtig.
Und seit Kurzem sind wir beide auch gesetzlich zugelassen: ich als diplomierte Hundehalterin, Lilla als Hund. Mit Brevier und Bravour.
Schneider hält sich aus der Sache heraus und ist sozusagen Trittbrettfahrer. Ich erzähle ihm jeweils, was ich in der Hundeschule lerne. Damit er weiss, was er zu tun hat, wenn er mit Lilla unterwegs ist. Doch statt «Hier!», ruft er «Komm!». «Steh!» statt «Halt!», «Warte!» statt «Bleib!». Zum Glück ist Lilla klug, denn sie muss zwei Sprachen lernen: Schreiberisch und Schneiderisch. Armer Hund!

Steven Schneider: Schreiber spielt Streberin und erklärt mir zum x-ten Mal, dass ich «Hier!» sagen müsse, damit Lilla herkommt. Die Gute weiss nicht, dass Lilla und ich uns in einer eigenen Sprache unterhalten. Ich hau mir kräftig auf den Oberschenkel, es klatscht, Lilla guckt, sprintet zu mir und ich kraule sie zur Belohnung hinter den Ohren. Das ist Kommunikation zwischen Hund und Mann.
Denn wer sagt schon «Kehre!», wenn er meint: «Schau mich an und renn gefälligst auf mich zu». Da rufe ich doch lieber laut und deutlich: «Komm!» Was klappt – oder auch nicht.
Ich zum Beispiel tobe viel und wild mit dem Hund herum, während Schreiber viel zu viele Hundeguetzli verteilt und ständig Übungen macht. Das sei wichtig fürs Gehirn, sagt sie, denn wir hätten einen intelligenten Hund.
Weiss ich natürlich schon lange, darum bringe ich Lilla zum Beispiel bei, wie man einen Ball schubst und zwischen meinen Beinen durchspielt.
Das ist meine Sprache! Und dass mir Schreiber ihr Vokabular aufdrängen will, finde ich müssig. Ganz abgesehen davon, dass ich schon als Mann meine Mühe habe, eine Frau richtig zu verstehen. Wie soll ich dann auch noch Schreibers unlogisches Hundedeutsch kapieren?

(Coopzeitung Nr. 27/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 28.06.2012, 11:47 Uhr

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