Liebevoll umsorgt Igelmama ihr Igelbaby.

Stachelige Untermieter

Immer wieder geraten Igel unter die Autoräder. Eine Igeldame hat Glück im Unglück: Sie wird überfahren, kann aber von aufmerksamen Tierfreunden gerettet werden. Und dann wird sie Mama.

Die Igeldame hatte einen Autounfall, zum Glück keinen tödlichen. Freundliche Menschen fanden sie und brachten sie in ein Igelspital. Dort erholte sie sich ganz langsam, doch eines ihrer Hinterbeine blieb gelähmt. Nun wurde ein Platz gesucht und auch gefunden, wo sie sich in Ruhe erholen konnte. Der Igel ist geschützt. Diese Tiere dürfen nur eingesammelt werden, wenn sie krank oder verletzt sind. Die Gartenhelfer leben vor allem in Gebieten mit viel Unterholz und Hecken. Moderne kahle Wiesen mögen sie nicht. Da sie ein grosses Territorium beanspruchen, laufen sie vor allem nachts viel herum. So geraten sie leider oft unter Autos.

Die Igeldame kam zu ihrem neuen Heim bei einer Bekannten von mir, ein Garten mit viel Versteckmöglichkeiten und Unterholz. Damit sie sich an ihr neues Territorium gewöhnen konnte, musste sie aber zuerst eingesperrt werden. Auch war ihre Pfote noch nicht ganz gut. Ein weiterer Grund, eine gewisse Zeit hinter dem Haus in einem Gehege eingesperrt zu leben. Eines Nachts, als die Gartenbesitzerin noch eine letzte Tour mit ihrem (igelfreundlichen) Hund machte, hörte sie ein lautes Schnauben. Langsam schlich sie um das Haus herum und sah ein Igelmännchen, das ganz verliebt um das Gehege herum marschierte, verzweifelt einen Eingang suchend.

Das verliebte Igelmännchen besuchte seine Igeldame fortan oft. Auch bei offenem Fenster hörte man die zwei immer wieder. Bald war das Beinchen des Weibchens so weit verheilt, dass man es wagen konnte, das Tier freizulassen. Es zog das Bein etwas nach, ein Problem, das es wohl lebenslang haben würde. Da es der Igeldame in dieser wilden Gartenecke gefiel, schlief sie tagsüber weiterhin in ihrem Häuschen. Hie und da wurde sie vorsichtig herausgehoben und gewogen. Sie entwickelte sich prächtig. Auch verschönerte sie ihr Igelhäuschen mit Gräsern und eine dunkelbraune Fussspur bei Regen verriet, dass sie Nacht für Nacht den Gartensitzplatz und den Hauseingang ablief.

Die Bekannte fragte mich, wie schwer eigentlich so eine Igeldame würde. Bei jeder Wägung sei sie nämlich immer schwerer. Ich entgegnete, dass sie wohl bald wieder leichter würde, falls ihr Date mit dem Igelmännchen erfolgreich gewesen war. «Du wirst sehen, Igelbabys sind klein, rosa, aber bereits mit kleinen Stacheln. Mich nimmt nur wunder, wie Igelmama ihre stacheligen Babys aushält.»

(Coopzeitung Nr. 27/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Freitag 29.06.2012, 11:11 Uhr

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