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Der erwachsene Heathcliff kehrt zurück an den Ort seiner Kindheit ...

... damals, in seiner Jugend, entdeckte er die Liebe zu Catherine ...

... die als erwachsene junge Frau für ihn noch schöner und begehrenswerter scheint ...

... damals war sie «nur» ein hübsches Mädchen ...

... und er ein exotischer, von allen – ausser ihr – verstossener Junge.

Filmkritik: Wuthering Heights

 

Kostümschinken? Überkandideltes Beziehungsdrama? Frauenfilm? Wer von seiner Freundin oder Frau in die zigste Verfilmung von Emily Brontë Buch «Wuthering Heights» («Sturmhöhe») geschleppt wird, wünscht sich wahrscheinlich verzweifelt, dem 128 Minuten langen, vermeintlich stinklangweiligen Film irgendwie entkommen zu können. Wer sich jedoch auf dieses cineastische Kleinod einlässt, entdeckt Spannendes.

Irgendwie ist dieser Film anders. Es fallen keine wallende, goldbestickte Brokatkleider um blassweisse Schultern. Kein gepflegter Jüngling parliert in ausgewählten Worten und wirbt um die Dame des Hauses. Keine lustige Versteckspiele finden unter heiterem Gelächter hinter perfekt geschnittenen Buchsbaumhecken statt .

In erster Linie geht es um Schlamm und Dreck. Denn die Arbeit als Bauer im Norden Englands ist alles andere als schick. Bei Dauernieselregen ist das Land morastig. Hände, Gesichter und Kleider sind ständig verschmiert. Der Kampf mit der Natur, ihr unter den harten Bedingungen dennoch etwas abgewinnen zu können – das ist das, was die Leute auf dem kleinen Hof der Earnshaws umtreibt. Dennoch: Als Gegenpol zu dieser archaischen Lebensweise beherrscht Leidenschaft, Gefühl, Liebe und Hass die Menschen.

Der sechsjährige Strassenjunge Heathcliff wird vom verarmten Gutsherren Earnshaw aufgenommen. Während er von dessen leiblichem Sohn Hindley schikaniert und misshandelt wird, entdeckt die gleichaltrige Tochter Catherine viele Gemeinsamkeiten mit dem jungen dunkelhäutigen Jungen. Nach und nach verlieben sich die beiden. Da Cathy in dieser Liebe jedoch keine Zukunft sieht, sagt sie dem Antrag des deutlich reicheren Nachbars Edgar Linton zu. Daraufhin packt Heathcliff schockiert und verbittert seine Sachen und verlässt die Gegend. Erst nach einigen Jahren kehrt der mittlerweile gestandene Mann zurück. Doch seine Verbitterung wird noch stärker, als Heathcliff erfahren muss, dass Catherine ihn zwar noch immer liebt, aber ihren Ehemann nicht verlassen will. Heathcliff beginnt seinen zerstörenden, düsteren Rachefeldzug.

Viel gesprochen wird in «Wuthering Heights» nicht, die Geschichte wird viel mehr in Bildern, in Gesten, Blicken und mit Geräuschen erzählt. Und das gelingt in einer faszinierenden und kunstvollen Art und Weise. Auch wenn die Einstellungen der zuweilen ziemlich wackligen Kamera die raue Natur, die verdreckten Gesichter und die harte Arbeit einfangen, sind diese Bilder fast immer poetisch schön und fesselnd.

Im Einklang mit der unwirtlichen Natur wirken die Protagonisten nach aussen oft verschlossen. Dennoch schaffen es die Schauspieler, mit minimalen Gesten, kaum wahrnehmbaren Gesichtsausdrücken, Blicken und Körperhaltungen dem Zuschauer zu zeigen, was in ihnen vorgeht. Besonders hervorzuheben ist der Darsteller des jungen Heathcliffs, Solomon Glave, der den Film mit einer perfekten Leistung krönt.

Fazit: So wie in diesem Film von Regisseurin Andrea Arnold wurde der bereits 1847 erschienene Roman von Emily Brontë noch nie verfilmt: Modern, aber ohne die literarische Vorlage ausser acht zu lassen. Verstörend, aber dennoch faszinierend.

 

Im Kino:
Ab 19.07.2012 in der Deutschschweiz

Regie:
Andrea Arnold

Darsteller:
Erwachsene Cathy: Kaya Scodelario
Erwachsener Heathcliff: James Howson
Junger Heathcliff: Solomon Glave
Junge Cathy: Shannon Beer
Joseph: Steve Evets
Edgar Linton: James Northcote
Earnshaw: Paul Hilton
Nelly: Simone Jackson
Hindley: Lee Shaw
Frances: Amy Wren
Isabella Linton: Nichola Burley

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Foto:
ZVG
Veröffentlicht:
Montag 25.06.2012, 00:00 Uhr

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