Nicht nur schön anzuschauen, sondern auch gut: Paprika.

Paprika: Das Herz von Ungarn

Die Paprika gehört zu Ungarn wie der Käse zur Schweiz. Dabei hat diese Pflanze erst im 18. Jahrhundert die ungarischen Küchen erobert. Was haben die Ungarn bloss ohne Paprika gemacht?

Die Ungarn, so heisst es, haben Paprika im Blut. Das stimmt: Ich bin Ungarin und kann schon recht temperamentvoll sein! Doch richtige Ungarn brauchen Paprika auch im Magen. Sonst werden sie krank. Auch das kann ich bestätigen! Ich bin nämlich als Baby mit meinen Eltern von Ungarn in die Schweiz eingewandert. Da könnte man meinen, in meinem Alter sei die Sache mit der Anpassung an ein fremdes Land ein Kinderspiels gewesen. Nicht ganz. Denn meine Mutter hat mich natürlich vom ersten Moment an, als ich feste Nahrung zu mir nehmen konnte, mit ungarischen Köstlichkeiten verwöhnt. Das heisst: Kartoffeln mit Paprika, Gemüse mit Paprika, Fleisch mit Paprika, Pasta mit Paprika, Suppen mit Paprika, gefüllte Paprika, Paprikawurst, Paprikasalami, Paprikaquark …

Bis ich als Vierjährige in eine Krippe kam, um richtig Schweizerdeutsch zu lernen. Ich kann mich noch genau erinnern: «Was ist denn das?», habe ich nach dem ersten Mittagessen in der Krippe fassungslos gedacht. «Das schmeckt ja nach überhaupt nichts!» Und wie kleine Kinder so sind, habe ich danach konsequent jedes weitere Gericht verschmäht. Ich muss dazu sagen: Aus heutiger Sicht gab es an den Krippen-Menüs rein gar nichts auszusetzen. Jeden Tag klapperte eine fröhliche, italienische Köchin in der Küche mit den Pfannen und alle assen mit grossem Appetit. Nur ich stocherte lustlos und zunehmend verzweifelt im Essen herum. Ich sehnte mich nach der roten Paprikasauce meiner Mutter.

Das hatte Folgen. Eines Tages hat sich die resolute Leiterin der Krippe zu mir hingesetzt und befohlen: «Du isst jetzt deinen Teller leer! Sonst bleibst du hier sitzen, wochenlang, wenn es sein muss!» Dann schaufelte sie mir gnadenlos den ganzen Teller Milchreis mit Apfelmus in den Mund. Kurz darauf rebellierte mein Magen. Ihm fehlte einfach die Paprika! Ich wurde krank und kränker. Das Ganze endete mit einem ziemlich lauten Besuch meines Vaters (ungarisches Temperament!) in der Krippe: «Sie haben Tochter krank gemacht!» Was sich die Köchin (italienisches Temperament!) nicht gefallen liess: «Ich koche beste von Welt!» Sie stritten, bis die Wände wackelten. Danach war das Thema Krippe erledigt und es gab wieder jeden Mittag Paprika bei Mama!

Heute esse ich zwar nicht mehr so viel davon, aber immer noch genug. Nur als Süssspeise habe ich die Paprika noch nie probiert. Doch wer weiss? Vielleicht kreiere ich eines Tages noch eine Paprikaglace. Ganz gemäss dem Satz, den ich nach dem Krippendebakel zu meiner Mutter gesagt habe: «Von aussen bin ich eine Schweizerin, aber mein Herz und mein Magen sind ungarisch.»

Zubereitung

Paprika der Länge nach aufschneiden, ausnehmen und wie folgt füllen: 250 g Ricotta, 1 Dose Thon, 1 Handvoll Kapern. Alles mischen und in die Paprika einfüllen (für ca. 6 Stück) mit Bratspeck umwickeln und bei 200 °C ca. 20 Minuten überbacken.

Ungarische Paprika

Diese Gemüsepflanze scheint so sehr mit den Ungarn verwoben, als hätten sie nie etwas anderes gegessen, ja, als hätten sie die Paprika vor Urzeiten sogar erfunden. Dabei wurde sie erst im 16. Jahrhundert von den Türken nach Ungarn gebracht. Und die Magyaren haben sich keineswegs sofort auf die Paprika gestürzt. Sie liessen sie lange links liegen, verwendeten sie dann als Heilmittel, bis schliesslich im 18. Jahrhundert die Paprika doch noch ihren Weg in die ungarischen Küchen fand.

Die Paprikasorten in Ungarn sind anders als die Peperoni, die es hier zu kaufen gibt, obwohl sie zur gleichen Pflanzenfamilie gehören. Ihre Form ist eher länglich. Die weisse Paprika ist in Ungarn ebenfalls verbreitet. Für das milde Paprikapulver werden milde, rote Paprikasorten verwendet. Die ungarische Version der Chilischoten ergibt hingegen ein ganz schön scharfes Gewürz.

Die absolut schärfste Variante, die in der berühmten ungarischen Fischsuppe zum Einsatz kommt, wird aus einer kleinen, kirschförmigen Sorte hergestellt. Aber so furchtbar scharf muss die Paprikasauce gar nicht sein, um herrlich zu schmecken. Und Paprika passt einfach zu allem.

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Katalin Vereb

Redaktorin, Kolumnistin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Freitag 06.07.2012, 09:44 Uhr

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