Na, na, da ist aber einer verwöhnt: Chantal Ritters Hund hatte sich in den Ferien angewöhnt, edles, sprich teures Wasser zu trinken.

Wasser ist nicht gleich Wasser

Wenn eine Tierarztfamilie verreist, wird besonders auf das Wohl der Haustiere geachtet. Das ist bei Chantal Ritter nicht anders. Doch ihr Hund entwickelt plötzlich spezielle Vorlieben ...

Ferien mit dem Hund wollen gut vorbereitet werden. Stimmen alle Papiere und Impfungen? Hat der Hund einen genügenden Schutz gegen dort herrschende Krankheiten? Ist die Reiseapotheke auch vollständig? Unser Hund durfte immer mit uns verreisen. Dank eines Wohnwagens hatten wir keine Probleme mit der Unterkunft und auch wenn er kurz allein sein musste, genoss er das unter dem Wohnwagen in einer kühlen Mulde.

Während einer dieser Reisen kam er allerdings auf einen besonderen Geschmack. Auf der langen Hinfahrt stiegen wir wie jedes Mal immer wieder aus. Unser Hund wollte bei einer Tankstelle aus einem kleinen Rinnsal von Bach trinken. Ich hielt das für keine gute Idee. Auch ein Brunnen war dort, doch eine dicke Aufschrift warnte, dass es kein Trinkwasser sei. Unschlüssig hielten wir den durstigen Hund kurz und trauten uns nicht, ihn trinken zu lassen. «Glaubst du, er kriegt Durchfall von dem Wasser? Hunde sind doch sonst robust?» – «Zu Hause trinkt er ja aus jeder Pfütze!» – «Ja, aber Pfützen zu Hause sind vielleicht anders verschmutzt, mehr Erde und weniger Darmbakterien und so?» Unser Hund sabberte das Wasser an und keuchte in der Leine hängend. Da wir uns keinen Hundedurchfall leisten wollten, kauften wir ein stilles Wasser im Geschäft. Durstig genoss der Hund das teure Nass.

In diesen Ferien entwickelte mein Mann sich zu einem Wasser-Spezialisten. Unser Hund hatte ebenfalls Wasser-Vorlieben. Das teuerste stille Wasser wurde von beiden bevorzugt, günstigeres aber verschmäht. Die Ferien verliefen durchfalllos und schön. Bald ging es wieder nach Hause zurück. Kaum angekommen, durfte unser Hund auf die kühle Terrasse, um uns beim Auspacken nicht im Weg zu sein. Ich wollte ihm vorher aber noch was zu trinken geben. Wie gewohnt füllte ich seinen Napf mit Hahnenwasser, nachdem ich es eine Zeit lang laufen gelassen hatte, bis es schön kühl aus der Leitung kam. Unser Hund schnupperte daran, ohne zu trinken. Gross schaute er mich an, um dann die letzte mitgenommene Wasserflasche zu fixieren.

«Oh nein!», sagte ich energisch. «Hier trinkst du, was du bekommst! Haben wir dich zu sehr verwöhnt?» Daraufhin kam mein Göttergatte in die Küche, den ersten Kaffee in der Hand. Solidarisch stellte er sich neben den Hund und meinte: «Probier mal, mit dem stillen Wasser schmeckt der Kaffee viel besser!»

(Coopzeitung Nr. 29/2012)

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 16.07.2012, 00:00 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Wochen
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?