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Ob auf der Melrose Avenue ...

... oder in Beverly Hills – Carlos Leal fühlt sich in Los Angeles bereits daheim.

Carlos Leal: «Wichtig ist, alles versucht zu haben»

Schauspieler und Rapper Carlos Leal (43) über sein Leben in Hollywood, seine Werbespots und den Kinofilm «Escape From Tibet».

Coopzeitung: Spanien ist wieder Fussball-Europameister geworden. Haben Sie mitgefiebert?
Carlos Leal: Ich habe mir nur das Finale angesehen, da ich sehr beschäftigt war und die Spiele um 9 Uhr morgens in einer Bar hätte verfolgen müssen. Der dritte Titel in Folge hat mich für die Men-schen in Spanien gefreut, die sehr unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage leiden. Als grosser Tennisfan hat mir jedoch der Triumph von Roger Federer in Wimbledon mehr bedeutet.

Schlägt das Herz eines Secondo nicht eher für die Farben seiner Eltern?
Die Tatsache, dass bei mir Vater und Mutter aus Spanien stammen, macht mich zwar zu einem halben Spanier, aber dass ich in der Schweiz aufgewachsen bin, zu einem halben Schweizer. Als Jugendlicher hatte ich noch stolz allen erzählt, dass an mir alles spanisch wäre. Als ich vor dem Umzug nach Los Angeles vier Jahre in Madrid lebte und arbeitete, wurden die Spanier jedoch nicht müde, mir jeden Tag zu sagen, dass ich kein richtiger Spanier wäre. Eine ziemliche Enttäuschung ...

Wie erklären Sie sich das?
Die Spanier sind es noch nicht gewohnt, in einer multikulturellen Gesellschaft zu leben, während die Durchmischung der Bevölkerung in der Schweiz schon in den 60er-Jahren mit der Immigration aus Italien, Spanien und Portugal begonnen hat. Wir sind in der Schweiz des-halb viel weltoffener, obwohl das, was man in der Schweizer Politik sieht, manchmal schrecklich anders wirkt.

Nun kommt «Escape From Tibet» ins Kino, wo Sie eine wichtige Nebenrolle spielen. Was wussten Sie vorher über die Tibetfrage?
Sehr wenig und ich schäme mich nicht. So ist das Leben. Ich bin sehr beschäftigt. Aber nun, wo ich bei den Dreharbeiten mehr erfahren habe, bin ich glücklich, mit diesem Film ein wenig Aufmerksamkeit auf die Problematik lenken zu können. Er handelt von einer Gruppe Menschen, die vor der Repression der Chinesen in Tibet über die verschneiten Berge nach Indien zu fliehen versucht.

«

Über Tibet habe ich vor diesem Film nur sehr wenig gewusst.»

Wie würden Sie Ihre Figur beschreiben?
Ich verkörpere einen Touristen, der sein Land für das beste hält und im Ausland an allem herumnörgelt. Das tut er auch aus Frust, weil er für seine Frau nur ein Spielzeug ist. Als sie ihn verlässt, kommt sein guter Kern zum Vorschein. Er ist bereit, der von Hannah Herzsprung gespielten Protagonistin zu helfen – nicht nur, weil er sie mag, sondern auch, weil er so Teil einer guten Sache werden kann.

Sie kennt man nicht nur durch Filme und Sens Unik, sondern auch aus der Werbung für Feldschlösschen und UPC Cablecom. Was bedeutet Ihnen diese starke Präsenz?
Ich bekomme viele Anfragen und denke lange darüber nach, bevor ich Botschafter eines Produktes werde. Einerseits muss es zu mir passen, anderseits will ich die Werbespots als Plattform nutzen. Die UPC-Cablecom-Spots sind für mich ideal, um auf mein komö-diantisches Talent aufmerksam zu machen, da ich sonst leider fast nur für ernste Rollen angefragt werde.

Hilft die Werbung auch, das Leben in Hollywood zu finanzieren?
Natürlich ist dies ein wichtiger Faktor, da ich hier nicht jeden Tag drehen kann. Ich habe zwar in den ersten zwei Jahren schon einige Sachen machen können, oft muss man sich aber auf Castings vorbereiten und bekommt die Rolle nachher nicht, weil man nicht dem Typ entspricht, den sie suchen.

Haben Sie den Schritt nie bereut?
Wenn man sein Handwerk liebt und eine Karriere bauen will, muss man bereit sein, Opfer zu bringen und Risiken einzugehen. Es wäre einfacher gewesen, in Madrid zu bleiben, wo ich ein TV-Star war.

«Der ganze Glamour bedeutet mir nichts» – Carlos Leal ist auch im Filmmekka bescheiden geblieben.

«Der ganze Glamour bedeutet mir nichts» – Carlos Leal ist auch im Filmmekka bescheiden geblieben.
«Der ganze Glamour bedeutet mir nichts» – Carlos Leal ist auch im Filmmekka bescheiden geblieben.

Sie haben in «Casino Royale» einen Croupier gespielt. Was ist, wenn Sie in Hollywood nicht zu den wenigen zählen, die den Jackpot gewinnen?
Das würde mich zu keinem geringeren Menschen machen. Wichtig ist, alles versucht zu haben. Und was wäre das überhaupt, der Jackpot? Ich bin nun 43, dann kann ich kein Brad Pitt mehr werden, sonst hätte ich schon als 19-Jähriger mit der Schauspielerei beginnen müssen. Der ganze Glamour bedeutet mir auch nichts. Ich wäre glücklich, mit so fantastischen Regisseuren wie Terrence Malick oder Paul Thomas Anderson arbeiten zu können.

Sie sind ein attraktiver Mann. Ist Ihre Frau nicht eifersüchtig, wenn Sie mit schönen Frauen drehen?
Nein, überhaupt nicht. Da Jo Schauspielerin ist, versteht sie, was auf einem Set passiert, und weiss, dass ich mich total auf meinen Job konzentriere. Zudem bin ich nicht nur Ehemann, sondern auch Vater und trage mit ihr Verantwortung für unseren Sohn.

Haben Sie ihn Elvis getauft, weil dieser wie Sie Sänger und Schauspieler war?
Nein, ich bin auch nicht unbedingt Elvis-Fan. Der Grund ist viel kitschiger: Der erste Film, den Jo und ich gemeinsam gedreht haben, hiess «Elvis And Angel Heart».

Carlos Leal

Beruf: Schauspieler und Rapper
Geburtsdatum: 9. Juli 1969 in Lausanne
Zivilstand: verheiratet mit der irisch-belgischen Schauspielerin Jo Kelly, Sohn Elvis (4)
Laufbahn: 1989 bis 2005 und 2009 war Leal Rapper der Schweizer Hip-Hop-Pioniere Sens Unik. Nach seiner Hauptrolle in Samirs «Snow White», für die er den Schweizer Filmpreis erhielt, arbeitet er vorwiegend als Schauspieler. Erfolgreich war er speziell in spanischen Fernsehserien, spielte aber auch kleine Rollen bei Almodovar und im James Bond «Casino Royale». Zuletzt überzeugte er in «Sennentuntschi».
Aktuell: «Escape From Tibet» (ab 19. Juli im Kino), Rapper auf Slädus Single «Bienvenue en Suisse».

Mehr zu Carlos Leal auf seiner Internetseite

Which book is lying on your bed table? (Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?)
“IMAGINE” Jonah Lehrer

Who is your favourite hero in a novel? (Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?)
Novecento in “Novecento” written by Alessandro Barricco

Which role models did you have in reality?(Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit? )
KRS On

Which movie would you like to see again? (Welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?)
“Magnolia” Paul Thomas Anderson

Who is your favourite movie hero? (Ihr Lieblings-Filmheld?)

Thomas in “Blow Up” from director Michelangelo Antonioni

What music are you listening to at the moment? (Was für Musik hören Sie gerade?)
Anne Brun

Which CD would you take on a lonely island? (Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?)
“La Ballade de Melody Nelson” Serge Gainsbourg

With which musician would you like to have a drink once? (Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?)
Thom Yorke

What are you cooking yourself? (Was kochen Sie selbst?)
Poulet à la Thailandaise

Your favourite dish? (Ihre Lieblingsspeise?)
Spaghetti aglio, olio e pepperoncini

Your favourite beverage? (Ihr Lieblingsgetränk?)
Water

Who do you like to eat the most with? (Mit wem essen Sie am liebsten?)
My belgian wife

Where do you like to eat the most? (Und wo essen Sie am liebsten?)
Pizza Mozza, Melrose Boulevard, L.A.

Mac or PC? (Mac oder PC?)
Mac..What is PC?

Car or train? (Auto oder Zug?)
Car

Wine or beer? Wein oder Bier?
Wine

Pasta or fondue? (Pasta oder Fondue?)
Pasta

Jogging or walking? (Joggen oder Walken?)
walking

Mountains or the sea? (Berge oder Meer?)
Mountains

When have you cried for the last time? (Wann haben Sie zuletzt geweint?)
yesterday...cried when laughing

How to make you laugh? (Wie bringt man Sie zum Lachen?)
Get me a belgian wife

Which animal would you like to be the most? (Welches Tier wären Sie am liebsten?)
eagle

What are you dreaming of? (Wovon träumen Sie?)
be smarter, haha!

Which is your biggest luck? (Was ist für Sie das grösste Glück?)
still dreaming

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Juan Rico/Fameflynet
Veröffentlicht:
Montag 16.07.2012, 18:05 Uhr

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