Familienzirkus

Sie duellieren sich – und beide verlieren.

Steven Schneider: Wir klatschen nach der Zirkusvorstellung, bis die Hände brennen. Tolle Artisten! Auf dem Weg zurück vom Zelt zu unserem Zirkusferienwagen kauft Schreiber am Souvenirstand drei Jonglierbälle.
Vor unserem Wagen ruft sie: «Guckt mal!», jongliert drei Mal, drei Mal nimmt sie die Bälle wieder vom Boden auf. Das wars.
«Hätte ich dir gleich sagen können», bemerke ich nüchtern. Sie fährt fort: «Meine Mutter hat immer gesagt: Kannst du ein Kunststück, kommst du durchs Leben!»
«Stimmt. Aber du kannst keines», stelle ich klar.
Schreiber schmollt, ich hole aus: «Mein Vater, meine Brüder und ich aber waren als Turner eine Attraktion: Pyramiden, Araber, Flicflac, Hechtrollen – wir hatten es drauf!»
Zu meinen Töchtern sage ich: «Und ihr habt schon als Babys Kunststücke vollbracht: Ich habe euch auf einer Hand in die Höhe gestemmt.»
Schreiber mischt sich ein: «Papa und Nonno haben euch durch die Luft geworfen. Das war schlimm!»
«Die Kinder haben es gemocht. Jedenfalls habe ich im Gegensatz zu dir eine artistische Vergangenheit.»
Sie murrt und streckt mir die drei Bälle entgegen: «Statt mit Kindern kannst du ja nun mal anfangen, mit Bällen zu jonglieren.»
Anfangen? Die wird Augen machen.

Sybil Schreiber: Unsere Manege ist der Vorplatz unseres Zirkusferienwagens. Schneider wirft die Bälle in die Luft und siehe da: Er jongliert. Nicht schlecht. Eine kleine Regieanweisung muss ich jedoch geben: «Liebster, wenn du die Zunge im Mund behältst, sieht es besser aus.»
Schneider nimmt mir meinen Angriff nicht übel: «Du bist nur neidisch. Jahrelang habe ich nicht geübt und nun klappts aus dem Stand heraus. Das nennt man Talent.»
Die Kinder klatschen und ich bin beeindruckt. Dann legt er die Bälle zur Seite, verbeugt sich, streckt sich, ruft allez hop! und macht aus dem Nichts heraus einen Handstand. Mehr noch: Er läuft auf Händen eine Runde und pfeift dabei.
Wahnsinn!
Ich kapituliere: «Meine Lieben, ich gebs zu, ich war artistisch gesehen schon immer eine Null: Mein erster Zauberkasten blieb mir stets ein Rätsel. Und beim Purzelbaum sah ich aus wie ein Ei, das schräg vom Tisch rollte.»
Meine Beichte begeistert meine beiden Töchter. Sie flehen mich an, einen Purzelbaum zu schlagen: «Mama, mach mal!»
Und Schneider ächzt: «Ein Artist in der Familie reicht sowieso.»
Ach?!
Er sagt: «Unser Zirkus bräuchte besser eine Masseurin. Ich glaube, ich hab mir beim Handstand was gezerrt.»

(Coopzeitung Nr. 30/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 20.07.2012, 00:00 Uhr

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