Einem Nickerchen kann auch mancher Hund nicht widerstehen.

Eine Siesta ist schön

Zlata ist eine ehemalige Strassenhündin aus dem Süden. Sie wird von einer netten Frau adoptiert und gewöhnt sich schnell an ihr neues Leben. Doch da gibt es ein kleines Problem ...

Die Frau suchte einen sportlichen Hund. Sorgfältig wurde er ausgewählt: ein Tierheimhund. Im Internet schaute sie sich viele Fotos an und wurde fündig: Die Hündin stammte aus einem südlichen Land, war jung, kastriert, gegen alle möglichen Erkrankungen getestet und lieb. Der grosse Tag kam und die braune elegante Zlata zog in ihr neues Heim ein. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase zeigte sie sich tatsächlich von einer sehr lieben Seite. Etwas hatte sie allerdings aus ihrer Vergangenheit als herrenloser Hund mitgebracht. Sie litt häufig an Durchfall.

Immer wieder probierte ihre Halterin verschiedene Futter aus, verfütterte Rohfleisch, liess den Hund mehrmals untersuchen, doch der Durchfall kam und ging. «Vermutlich ein Erbe ihres Strassendaseins», meinte ich. «Als Welpe voll verwurmt, ungeeignetes Futter und viele Krankheiten ohne medizinische Hilfe durchgemacht, das hinterlässt auch in einem robusten Hundedarm Spuren.» Langsam lernte die Besitzerin damit umzugehen. Gute Zeiten wurden geschätzt, die schlechten mit einem Fütterungs- und Behandlungsplan durchgestanden.

Zlata war sehr anhänglich und liebte alles: Menschen, Kinder, Hunde, selbst Katzen wedelte sie an. Eines Tages aber kam die Besitzerin mit Zlata vorbei. «Ist es wieder ihr Darm?», wollte ich wissen. «Nein, es ist etwas anderes. Ich bin sehr sportlich, nur Zlata ist es nicht! Zuerst dachte ich, es sei ihr Verdauungsproblem, doch das haben wir jetzt ja im Griff. Ich glaube, Zlata ist total unsportlich.» Ein erneuter Untersuch zeigte nichts Neues. Zlata war gesund. Wieso wollte sie nicht joggen, Velo fahren und wandern? Die elegante Zlata schwieg dazu. Schwanzwedelnd liess sie sich untersuchen. Dann legte sie sich hin und döste.

«Sie liegt viel in der Sonne und schläft. Tags und nachts schläft sie auf dem Sofa. Bei Wanderungen trödelt sie hinter mir her und ich muss sie regelrecht ziehen, wenn ich mal joggen will! » Zlata aber war gesund. Sie war einfach nur glücklich und hatte offenbar gar kein Bedürfnis nach grosser Bewegung. «Es kann sein, dass sie sich als Strassenhündin angewöhnt hat, keine Energie zu verschwenden und oft Siesta zu halten», mutmasste ich. Dann fiel mir ein, wie gut Zlata sich mit Katzen verstand: «Vielleicht hat sie sich auch einfach den Nachbarskatzen angepasst.»

(Coopzeitung Nr. 31/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 30.07.2012, 00:00 Uhr

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