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Der mit dem Wetter kämpft

Sein Markenzeichen ist seine Stimme: Mario Slongo ist der Wetterfrosch auf Radio DRS. Als Chemiker hat er das Wetter bekämpft, das er als Meteorologe vorhergesagt hat.

Coopzeitung: Sie als Wetterfrosch wissen das bestimmt: Sind Frösche wirklich zuverlässige Wettervorhersager?
Mario Slongo:Ja, das sind sie. Diese Bauernregel stimmt wirklich. Die Bauern haben nämlich gesehen, dass sich die Laubfrösche bei schönem Wetter höher oben in den Sträuchern aufhalten als bei schlechtem Wetter. Allerdings hat das nichts mit der Wetterfühligkeit des Laubfroschs zu tun, sondern mit fressen und gefressen werden. Ist die Luft mit viel Feuchtigkeit gesättigt, können die Insekten nicht so gut fliegen und bleiben in den bodennahen Luftschichten. Deshalb sitzt auch der Frosch am Boden.

Jetzt ist aber gleich der Wetterfrosch mit Ihnen durchgegangen. Ist das berufsbedingt?
Wahrscheinlich. Allerdings ist das Wetter ja nicht mein Beruf, sondern nur ein wissenschaftliches Hobby.

Nur? Sie sind gut. Die halbe Schweiz kennt sie als Wetterfrosch. Wie viele Zuhörer haben Sie eigentlich?
Über eine halbe Million. Was mich besonders stolz macht: Die Zahlen zeigen, dass etwa 130?000 Zuhörerinnen und Zuhörer von Privatradios auf DRS?1 umschalten, um den Wetterfrosch zu hören, und danach wieder zurückgehen.

Werden Sie in der Öffentlichkeit erkannt?
(lacht) Sobald ich den Mund aufmache.

Und dann sind Sie der Wetterfrosch, nicht der Mario Slongo. Ist das für Sie keine Beleidigung?
Nein gar nicht. Ich trage diesen Titel bewusst. Als ich die Rolle vor 23 Jahren von meinem Vorgänger, Hans Winter, übernahm, gab er mir Folgendes auf den Weg: «Sagen Sie den Hörern immer wieder, sie sollen zur Natur Sorge tragen.» Das ist seither mein Anliegen. Für solche Dinge hat der Wetterfrosch viel mehr Autorität als es der Mario Slongo hätte.

«Geht dem Wind die Luft nie aus?» Im Handel für Fr. 30.30

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Hauptberuflich sind Sie Chemiker, nicht Meteorologe?
Ich war Chemiker, jetzt bin ich pensioniert. Ich habe quasi gegen das Wetter gekämpft oder ihm entgegengewirkt, indem ich Materialien verbessert habe, dass sie den Einwirkungen des Wetters standhalten: Autolacke und Kunststoffdichtungsbahnen zum Beispiel.

Und daneben waren Sie Hobby-Wetterfrosch? Klingt anstrengend.
Das war so. Es brauchte viel Verständnis von meiner Frau. Eine Radiosendung von sechs Minuten benötigt sechs bis sieben Stunden Vorbereitung.

Bekommen Sie Reaktionen vom Publikum?
Oh ja, sehr viele, und zu 99,9 Prozent positive. Einmal hat mir ein Pfarrer geschrieben, er hätte gleich eine Sonntagspredigt aus meiner Rubrik gemacht. Meine Absicht war und ist immer, wissenschaftliche Erkenntnisse populärwissenschaftlich aufzubereiten, dass die Hörerinnen und Hörer sie auch verstehen. Das gelingt mir scheinbar recht gut.

Wofür Sie die Universität Fribourg ja auch mit einem Ehrendoktortitel ausgezeichnet hat. Woher kommt Ihr Know-how überhaupt?
Ich habe im Nebenfach Meteorologie, Klimatologie und Hydrologie studiert. Nach dem Studium habe ich die Meteorologie als wissenschaftliches Hobby weiter gepflegt und war in den 70er- und 80er-Jahren für verschiedene Organisationen als Wetterfrosch tätig.

Spüren Sie beim Publikum eine wachsende Sorge?
Und wie. Vor allem in den letzten zehn Jahren, die doch einige exotische Wetterlagen gebracht haben: schneearme Winter und heisse Sommer. Diese extremen Wetterlagen kamen alle in rascher Folge. Das ist beunruhigend. Es gibt nicht keinen Schnee mehr im Winter. Aber immer weniger Schnee unterhalb von 1200 Metern.

Als Klimatologe müssten Sie doch wissen, dass es solche Wetterextreme immer gegeben hat.
Das stimmt, aber in Zeiten, in denen es nicht sieben Milliarden Menschen auf der Erde gab. In den letzten 150 Jahren hat sich die Weltbevölkerung versiebenfacht. Das ist gewaltig. Und die Entwicklung geht weiter.

Das heisst, auch der Wetterfrosch macht sich Sorgen ums Klima?
Oh ja. Ich betrachte es auch als meine Aufgabe, immer wieder mal darüber zu informieren. Ich will nicht Angst machen, sondern zeigen, wohin die Entwicklung geht nach Ansicht der professionellen Klimatologen.

Was müssen wir in Zukunft besser oder anders machen?
Wir müssen mit den Ressourcen sparsamer umgehen. Dazu muss man Folgendes wissen: Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden. Sie kann immer nur von einem Zustand in einen anderen umgewandelt werden. Das müssten wir uns hinter die Ohren schreiben. Wenn wir heizen, wenn die Motoren laufen oder wenn die Industrie arbeitet, dann geht die Energie in Form von Wärme in die Atmosphäre und heizt diese auf. Wenn nun eine kalte Polarluft auf die warme und feuchte Luftmasse prallt, gibt das eine massive Abkühlung mit sintflutartigen Regenfällen, mit massiven Gewittern und Sturm.

Da ist er schon wieder, der Wetterfrosch. Woher kommt Ihr pädagogisches Geschick?
Bei der Umsetzung bediene ich mich manchmal bei der Kinderliteratur. Meine Bibliothek umfasst zum Beispiel einige Bände der Serie «Was ist was».

Irren Sie sich auch manchmal bei Wetterprognosen?
Früher konnte das schon mal passieren. Heute irren wir uns auf 24 und 48 Stunden praktisch nicht mehr. Dafür sind die Modelle und Daten zu genau.«Heute irren wir uns bei der Vorhersage auf 24 und 48 Stunden nicht mehr.»«Einmal hat mir ein Pfarrer geschrieben, er hätte eine Sonntagspredigt aus meiner Rubrik gemacht.»

Mario Slongo

Name: Mario Slongo, 64 Jahre

Wohnort: Tafers FR

Zivilstand: verheiratet, drei erwachsene Kinder, zwei Enkel

Beruf: Mario Slongo ist promovierter Chemiker, arbeitete bei Ciba-Geigy, später bei der Sika AG in der Forschung.

Meteorologie: Die Meteorologie hat Slongo seit dem Studium als Hobby betrieben. 1982 begann er als DRS-Wetterfrosch, zuerst als Stellvertreter, seit 1988 als hauptamtlicher Wetterfrosch.

Aktuell: Mario Slongo: «Geht dem Wind die Luft nie aus?», ab dem 9. September im Buchhandel erhältlich.

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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Joel Schweizer
Veröffentlicht:
Donnerstag 08.09.2011, 00:00 Uhr

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