«Die Glut ist gut»

Sie koordiniert Salate – und hat zuletzt den Salat

Sybil Schreiber: Wir laden Schneiders Familienclan zum Spätsommer-Grillfest bei uns ein, also 23 Leute. Um den Aufwand in Grenzen zu halten, frage ich per Mail, wer was Feines fürs Buffet mitbringt. Mein Vorschlag kommt an.
Toll, alle sind hilfsbereit! So können wir uns aufs Dekorieren und Umräumen konzentrieren. Wie bauen schon am Morgen zusätzliche Tische auf, Schneider mäht die Wiese, ich bügle Tischdecken, putze das Haus und bin heilfroh, dass ich nicht auch noch das ganze Essen zubereiten muss.
Während er im Garten die Feuerschale mit Holz bestückt, fragt Schneider: «Haben wir eigentlich genug zu essen?»
«Ich denke schon.»
Das beruhigt ihn nicht, denn spontan beschliesst er, kulinarisch aktiv zu werden und ruft: «Ich mach’ zur Sicherheit noch ‹Jansons Versuchung›.» Das ist ein schwedischer Kartoffelgratin mit Sardellen und Zwiebeln.
Schneider raffelt statt einem Kilo gleich zwei Kilo Kartoffeln. Ich möchte ebenfalls etwas bieten und backe kurzerhand einen kalifornischen Cheesecake mit etwa zehntausend Kalorien. Zufrieden schau ich auf unser Werk: Jetzt sind wir gewappnet, falls jemand von den anderen vergessen haben sollte, etwas mitzubringen.

Steven Schneider: Es ist nach Mitternacht. Auf unserem langen Küchentisch türmen sich Platten und Schüsseln: Tomaten-Mozzarella-, Kartoffel-, Rüebli-, Reis-, Mais- und Gurken-Salate, zahllose Dips, Reste von meinem «Jansons». Wobei «Reste» untertrieben ist: Die zweite Gratinform ist randvoll, in der ersten liegt noch reichlich schwedische Versuchung.
Vorne im Dessertbereich erkenne ich Chocolate-Cookies von unserer ältesten Nichte, Schüsseln mit Erdbeercreme und Fruchtsalat, ein drei Viertel gefülltes Blech mit Lebkuchen, Schreibers Cheesecake, von dem nur ein Stück gegessen wurde – und zwar von ihr selber.
Ich betrachte unser üppiges Mitternachtsbuffet – und die Gäste sagen müde «Gute Nacht». Wir haben seit fünf Stunden nichts anderes getan als gegessen.
Ich blicke zu Schreiber: «Was hast du dir dabei gedacht?»
Sie kaut still. «Jeder hat einen Salat UND ein Dessert für ALLE mitgebracht!» Sie schluckt. Dann sagt sie: «Alle schlugen so feine Sachen vor und es sollte doch ein richtiges Festessen werden.»
Ja. Das wurde es auch – fast, jedenfalls. Als ich am Feuer stand und rief, «die Glut ist jetzt gut», fiel Schreiber ein, dass sie etwas vergessen hatte: die Grilladen.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 05.09.2011, 16:40 Uhr

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