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Filmkritik: Starbuck

Ein Mann, mehr als genug Samenspenden und 533 leibliche Kinder - da schreibt sich das Drehbuch für eine unterhaltsame Komödie schon fast wie von selbst.

 

Viel hat David Wozniak in seinem Leben bis jetzt noch nicht auf die Reihe bekommen. Neben der Arbeit als Fahrer für die familieneigene Metzgerei und seiner krisengeplagten Beziehung mit Valérie schlägt sich David hauptsächlich mit wenig zimperlichen Geldeintreibern, seinen Schulden und einer nicht florierenden Hanfzucht herum. Nicht gerade ideale Voraussetzungen um Vater zu werden. Als ihm dann seine Freundin mit dem Beziehungsschluss auch noch gleich ihre Schwangerschaft mitteilt, scheint die Decke über Davids Kopf einzubrechen.

Wie wenn dies noch nicht genug wäre, taucht eines Abends ein Anwalt in Davids beschaulicher Behausung auf und erinnert ihn an eine längst verdrängte Episode seiner Vergangenheit. Mit über 600 Spermaspenden "erarbeitete" sich David zwei Jahre lang unter dem Pseudonym Starbuck seinen Unterhalt und muss nun verzweifelt feststellen, dass die Samenbank aufgrund eines Fehlers seine Gene für 533 Sprösslinge weitervermittelte. Einen Teil seiner Nachfahren, genauer 142 junge Frauen und Männer, streben in einer Sammelklage die Aufhebung seiner Anonymität an und versuchen, ihren leiblichen Vater kennen zu lernen.

Sein bester Freund, selber überforderter Vater von vier Kindern, rät ihm dringend davon ab, aufkommenden Vaterinstinkten nachzugeben. Davids Singleleben, sein fehlendes Verantwortungsbewusstsein und der allgegenwärtige Kampf gegen sein ständiges Scheitern scheinen ihn tatsächlich bereits genug zu fordern.

Jener Briefumschlag, in welchem die 142 Lebensläufe seiner Kinder verpackt sind, mag David deshalb verständlicherweise lange nicht öffnen. Die wiederbelebte Beziehung zu Valérie, deren Schwangerschaft und sein von ihr neu verliehener Titel "Vater auf Bewährung" lassen David den Entschluss zur Besserung fassen. So beginnt Starbuck, dessen Spitzname er sich in Anlehnung an Kanadas potentesten Zuchtbullen gegeben hatte, seine Kinder der Reihe nach aufzuspüren. Schnell findet er sich in der neuen Vaterrolle zurecht und behauptet sich als Schutzengel, rettet eine Tochter vor dem Drogentod, verschafft einem Sohn die Theaterrolle seines Lebens, steht seinem musikalischen Nachfolger bei der Strassenmusik in der Untergrundbahn zur Seite und kümmert sich liebevoll um den geistig behinderten Raffaél.

Seine Abneigung gegenüber der multiplen Schicksalsfügung weicht immer mehr den Vaterschaftsfreuden. Wenn da nur nicht seine Schulden, eine anstehende Gerichtsverhandlung und seine Probleme mit der mittlerweile hochschwangeren Freundin Valérie wären.

Starbuck weiss mit einer guten Besetzung und Unterhaltung zu überzeugen. Mit Patrick Huard konnte das Produzententeam die Hauptrolle äusserst passend besetzen. Die Selbstzweifel, das Scheitern und die im Gegensatz stehend durchdringliche Sympathie wurden David Wozniak augenblicklich und authentisch einverleibt. Genau so stimmig und angenehm zurückhaltend setzt sich der Soundtrack in Szene und kombiniert hervorragend den Indie Rock der French Kicks mit der Soulgrösse Jean Knight. Leider wird dem Handlungsstrang zu wenig Tiefgang verliehen, wobei einige Fragen über Storywendungen schlichtweg unbeantwortet bleiben. Die kurzweilige Erzählung lässt dieses Manko jedoch schnell vergessen und reiht den Film mit dem Prädikat sehenswert im soliden Mittelfeld des Komödien-Rankings ein.

 

Im Kino:
Ab 16. August in der Deutschschweiz

Regie:
Ken Scott

Darsteller:
David Wozniak: Patrick Huard
Valérie: Julie Breton

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Stefan Kempf

Online-Redaktor / Mediamatiker

Foto:
ZVG
Veröffentlicht:
Montag 13.08.2012, 00:00 Uhr

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