Man mag kaum hinschauen, das Büsi aber schaut unbeeindruckt in die Tiefe. Nicht immer geht das gut aus.

Sturz mit Folgen

Die alte Katzendame Rhea bricht sich beim Sturz vom Balkon den Kiefer. Das Aufpäppeln ist schwierig. Doch Rhea ist zäh und ihr Wille zu überleben stark.

Hatte die Katze etwas erschreckt? War es eine verspätete 1.-August-Rakete oder wollte sie einem Schmetterling nachspringen? Auf jeden Fall wimmerte jetzt eine alte Katze mit blutiger Nase in ihrem Körbchen. Sie war drei Stockwerke tief gefallen. «Normalerweise geniesst sie die Sonne auf dem Balkon. Sie war nie am Klettern!», meinte ein besorgter Besitzer. Vorsichtig untersuchte ich sie. Sie schien keine Knochen gebrochen zu haben, doch ihr Maul war immer ein wenig geöffnet. Vorsichtig bewegte ich ihren Kiefer. Die rechte Seite liess sich unnatürlich bewegen und beim Versuch, das Maul zu schliessen, zeigte Rhea Schmerzen an. 

Vorsichtig legten wir Rhea unter den Röntgenapparat. Die arme Rhea hatte tatsächlich einen Kieferbruch. Die Stelle jedoch war sehr versteckt und eine Operation wäre für Rheas Alter nicht mehr infrage gekommen.Traurig sass die Katze in ihrer Boxe und kniff die Augen zusammen. Wir berieten unser weiteres Vorgehen.

Rhea einschläfern? Sie schnurrte und legte sich noch etwas länger hin. «Nein, wir sollten ihr noch eine Chance geben. Rhea will noch leben!», meinte ihr besorgter Besitzer.
Die arme Rhea musste noch einige Tage bei uns bleiben. Sie erhielt Infusionen und musste lernen, ihre Mahlzeit als Brei zu läppeln. Es wollte ihr aber nicht gelingen. Tagelang sass sie vor dem Napf und miaute uns an. Endlich, nach einer langen Woche, war ihr Napf am Morgen leer. Eine satte Rhea versuchte sich sogar zu putzen. Wir verzichteten auf ihre täglichen Infusionen und legten ihr nebst ihrem Brei auch noch wenige Körnchen Trockenfutter hin. Die gute alte Rhea leerte den ganzen Napf und versuchte sogar vorsichtig, die Futterbrocken zu essen. «Rhea kann jetzt nach Hause! Sie hat es geschafft».

Ein glücklicher Besitzer nahm sie mit nach Hause. Er hatte alle möglichen Katzenfutterbeutelchen eingekauft, um seine alte Dame zu verwöhnen. Auch beim Trockenfutter suchten wir das mit den kleinsten Brocken, um Rhea das Fressen ohne zu beissen zu ermöglichen.


(Coopzeitung Nr. 33/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty images
Veröffentlicht:
Montag 13.08.2012, 11:23 Uhr

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