Endlich hat Eveline Suter eine Arbeitserlaubnis für die USA erhalten – doch vorerst bleibt sie in der Schweiz.

Eveline Suter: «Ich hätte fast aufgegeben»

Persönlich. Musical-Star Eveline Suter über das Gaunermusical «Bibi Balù», ihre Leidenschaft für Musik und die Gründe, warum sie jetzt doch in der Schweiz bleibt.

Coopzeitung: Worum geht es in «Bibi Balù»?
Eveline Suter: Zwei Gauner geben die charmante Bibi als in finanzielle Not geratene Studentin von der Pazifikinsel Balù aus und sammeln auf der Strasse Geld für sie. Am Ende werden sie selbst ausgetrickst – von ihrem Unschuldsengel, der sich als recht schlitzohrig entpuppt.

Was wissen Sie über die Originalversion aus den 1960er-Jahren?
Ich habe mir zur Vorbereitung einige Male die Aufnahme einer Aufführung im Zürcher Bernhard Theater mit Ruedi Walter und Jörg Schneider angesehen. Ines Torelli spielte darin Bibi ganz fantastisch. Ich habe deswegen grossen Respekt davor, in ihre Fussstapfen zu treten.

Was unterscheidet «Bibi Balù» von «Alperose»?
Bei «Bibi Balù» wurden auf traditionelle Art eingängige Lieder passend zu einer Handlung geschrieben, während bei «Alperose» die Hits von Polo Hofer schon da waren und eine Geschichte erfunden wurde, die sie verbindet.

Wirkt die Gaunerstory mit ihren bald 50 Jahren nicht etwas verstaubt?
Nein, einerseits haben ihre musikalischen und komödiantischen Qualitäten die Zeit überdauert, andererseits wurden die Arrangements und die Witze sanft der heutigen Zeit angepasst. Ich finde es nicht nur in der Musik schön, alte Sachen nicht einfach wegzuwerfen. Ich habe gerade den Schrank meiner Grosseltern in unserem Wohnzimmer aufgestellt!

Sie sind ein Musical-Star. Warum haben Sie sich für dieses Fach entschieden?
Weil ich mich nicht zwischen Gesang, Musik, Tanz und Schauspielerei entscheiden konnte! (lacht) Das klassische Trompetespielen, das ich als Jugendliche am Konservatorium in Luzern studierte, empfand ich als zu spartanisch und einseitig. Ich liebe die Vielseitigkeit, aber auch den Glitzer und Glamour des Showbusiness.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie mit 18 das Gymnasium abgebrochen haben?
Gut. Sie wussten, dass ich total angefressen war. Ich habe oft am Morgen früh um 6 Uhr im Kleiderschrank Trompete geübt, damit ich die Nachbarn nicht störte, oder ich schwänzte die Schule, um nach Wien zu meinem Schauspiellehrer zu fahren. Als ich mich dort an den Performing Arts Studios bewarb, hat mich meine Mutter sogar mit dem Nachtzug zu den dreitägigen Aufnahmeprüfungen begleitet.

Wie haben Sie Ihre Ausbildung erlebt?
Es war eine sehr intensive Zeit. Der Unterricht dauerte von 7.30 bis 18 Uhr und abends haben wir meistens noch geübt oder hatten Einzelstunden. Später, an der Lee-Strasberg-Schule in New York, habe ich neben dem Vollpensum sogar noch schwarz gekellnert und kaum mehr als drei Stunden geschlafen.

Hat sich diese extreme Leidenschaft nur positiv ausgewirkt?
Nein, es gab Zeiten, in denen ich mich bei Castings oder Auftritten so unter Druck gesetzt habe, dass ich vor lauter Lampenfieber und weichen Knien beinahe zusammengebrochen bin. Als ich zudem mangels Green Card eine Hauptrolle im Musical «Hair» in New York aus-schlagen musste, dachte ich: «Das halte ich nicht mehr länger aus. Ich muss meinen Beruf aufgeben.»

Hat Ihnen die Musik geholfen, den Tod Ihrer Eltern zu bewältigen?
Als nach meiner Mutter im letzten Jahr auch noch mein Vater an Krebs starb, habe ich enorm darunter gelitten. Nach den Vorstellungen mit dem Musical «Die Päpstin», in dem ebenfalls viel gestorben wird, fuhr ich von Fulda nach Potsdam, um am nächsten Tag in der Sat.1-Serie «Anna und die Liebe» vor der Kamera zu stehen, oder in die Schweiz, um am Krankenbett meines Vaters zu sein. Manchmal wusste ich auf der Bühne nicht mehr, ob ich wegen ihm oder in der Rolle weinte.

Nun haben Sie endlich die Green Card, mit der Sie am Broadway Karriere machen könnten.
Ich bin nicht mehr sicher, ob ich sie nutzen werde. Ich habe meinen Bruder, meine Schwester und meinen Freund hier, bekomme tolle Rollen und fühle mich in meiner 34. Wohnung, in die ich mit Marcel gerade eingezogen bin, so wohl wie nie zuvor. Lohnt es sich da, die Zelte abzubrechen, nur, um vielleicht noch eine Stufe höher zu klettern? Oder soll ich gar in der Schweiz eine Yoga-Ausbildung machen und doch noch eine Familie gründen? (lacht)

Könnten Sie Ihren Freund und Ihren Hund nach New York «mitnehmen»?
Marcel würde mich begleiten und sicher eine Anstellung in einem der vielen guten Restaurants in Manhattan finden, falls ich ein längerfristiges Engagement bekomme. Der Jack Russel Terrier, den ich aus dem Tierheim geholt habe, kann gar nicht mehr ohne einen von uns sein. Seine Zuneigung möchte ich nicht mehr missen. Er bringt mich oft zum Lachen, sogar, wenn ich mal nicht so gut drauf bin.

Wie sieht Ihr Terminkalender in den nächsten Monaten aus?
Bis zum 25. August singe ich auf der Walensee-Bühne in Walenstadt in «Tell – das Musical». Dann beginnen die Proben für «Bibi Balù», das wir bis 10. November spielen. Ab 20. November werde ich mit Peter Marvey und Rolf
Schmid in «Swiss Christmas» mitwirken. Ausserdem bin ich Sprecherin für die Blindenbibliothek, was mir besonders Freude macht.

Eveline Suter

Beruf: Sängerin und Schauspielerin
Geburtsdatum: 24. Juni 1979, in Zug
Zivilstand: liiert mit Koch Marcel (27)
Wohnort: Zug
Laufbahn: Ausbildung am Performing Arts Studios Wien (1998–2001) und Lee Strasberg Theatre & Film Institute New York (2007/08). Musical- und TV-Rollen: «Mamma Mia!», «Evita», «Die Päpstin», «Anna und die Liebe», «Alperose».
Aktuell: «Tell – Das Musical» (bis 25. August in Walenstadt), Hauptrolle in «Bibi Balù» mit Walter Andreas Müller, Christian Jott Jenny und Nicolai Mylanek ab 27. September im Zürcher Bernhard Theater.

www.bibi-balu.ch

Ausschnitt aus dem Musical-Original von 1967 mit Ines Torelli auf dem SF Videoportal

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Zum einen das Stück „Bibi Balu“, und zum anderen „House of Night 4- Ungezähmt“, welches ich gerade für die Bibliothek für Blinde-und Sehbehinderte einlese.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Momo

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Schauspielerisch beeindrucken mich zum Beispiel Philip Seymour Hoffman oder auch Jodie Foster.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
„Biutiful“ mit Javier Bardem. Ein toller, aber sehr trauriger Film

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
„Whatever happened to Baby Jane“. Die Schauspieler sind einfach fantastisch! Ein Film mit Bette Davis, Joan Crawford und Victor Bruno aus den 60-ern.

Ihr Lieblings-Filmheld?
Der Lehrer Matthieu aus dem Film „die Kinder des Monsieur Matthieu“ ist für mich ein Held.

Was für Musik hören Sie gerade?
Es gibt ein Lied, welches ich gerade wieder entdeckt habe, seitdem ich es vor kurzem bei einem Auftritt gesungen habe: „The Rose“ von Bette Middler. Der Text ist wunderschön.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Vermutlich eher etwas leichteres. Ich entscheide mich für Peach Weber.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Mit Liza Minelli! Ich habe sie am Broadway live gesehen und war begeistert. Ich habe geweint und gelacht gleichzeitig.

Was kochen Sie selbst?
Ich bin sozusagen ein Restenfresser und versuche immer, gerade das zu verwenden, was im Kühlschrank dringend weg muss. Das schmeckt nicht mal so schlecht.

Ihre Lieblingsspeise?
Trüffelspaghetti à la Marcel (Das ist mein Freund, er ist Koch und ich darf mir öfters mal wünschen, was ich essen mag)

Ihr Lieblingsgetränk?
Ohne Alkohol: Apfelschorle Mit Alkohol: Campari Orange

Mit wem essen Sie am liebsten?
Am liebsten würde ich nicht immer sagen, aber unser Hund ist stets auch bei Tische dabei und passt sehr gut auf, ob etwas herunter fällt.

Und wo essen Sie am liebsten?
Ich habe ein kleines Kaffee in New York, an welches ich viele gute Erinnerungen mit Freunden habe: Es heißt „Alice’s Tea Cup“. Und dort gibt es so feine Süßigkeiten, dass einem das Herz vor Freude hüpft.

Mac oder PC?
Mac

Auto oder Zug?
Auto

Wein oder Bier?
Hmmmmm…

Pasta oder Fondue?
Fondue, denn das isst man selten alleine, und ich liebe es, mit Familie und Freunden zu essen

Joggen oder Walken?
Joggen

Berge oder Meer?
Ich werde ruhig, sobald ich am Wasser bin. Egal ob Meer, Fluss oder See. Daher Meer.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Bei oben genanntem Film „Biutiful“.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit trockenem Humor

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Löwin, mir wurde zwar vor kurzem gesagt, ich würde an ein Seepferdchen erinnern....

Wovon träumen Sie?
Von einem alten Bauernhaus mit Garten, allerdings ist auch ein kleines Schloss mit Swimming Pool in meinen Träumen nicht auszuschliessen.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Das wird eine Aufzählung: Schauspielerin und Sängerin zu sein und davon leben zu können, mein Freund Marcel und mein Hund Jack zu haben, meine Freunde und Familie im Umkreis von höchstens ein paar Kilometern um mich zu wissen ( ist leider nicht immer realisierbar), und Trüffelspaghetti zu essen.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminsky
Veröffentlicht:
Montag 13.08.2012, 16:15 Uhr

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