Jagdinstinkte

Sie regelt die Natur, er lässt die Natur regeln.

Sybil Schreiber: Es gibt klare Spielregeln in meiner Welt: Hunde sollen keine Katzen jagen. Darum bilde ich Lilla zum katzenfreundlichen Hund aus. Das klappt bei unseren beiden Katern Momo und Caramello mittlerweile ganz gut. Anfangs fauchten sie Lilla mächtig an und Lilla kläffte. Nun haben sich die drei aber richtig lieb gewonnen und begrüssen sich neuerdings mit sanften Nasenstupsern.
Es könnte so einfach sein unter Erzfeinden: Man muss ihnen nur gleichzeitig Futter und Streicheleinheiten geben, und schon stellen sie fest, dass der andere, also der Böse, ganz in Ordnung ist. Sind die Grundbedürfnisse nach Liebe und Nahrung gestillt, ist Ruhe zwischen den Streithähnen. Ich stelle mir vegetarische Löwen und verschmuste Krokodile vor, oder noch lieber: einen Mann, der weiblich denkt und fühlt. Der von sich aus Blumen schenkt, Schwäche zeigt, von seinen Träumen erzählt, Ängste preisgibt, gerne kocht und danach die Küche macht, über sich selbst lachen kann, Karriere nicht das Wichtigste findet und trotzdem Verantwortung übernimmt, der leise Töne mag und lauthals singt.
Wunschdenken? Träumerei? Utopie?
Nein: mein Schneider!
Das muss doch auch mal gesagt sein.

 

Steven Schneider: Unser Hund Lilla wird von Schreiber zum Katzenfreund erzogen. Das ist schlecht.
Mittlerweile fressen sämtliche Kater aus dem Quartier das sauteure Qualitätsfutter aus den Näpfen unserer Katzen. Und Lilla? Die sitzt andächtig daneben. Schreiber hat also erfolgreich Lillas Urinstinkte ausgeschaltet. Das ist falsch. Instinkte machen nämlich Sinn.
Nur sind diese Instinkte immer weniger gefragt in der modernen Welt. Das ist sinnwidrig.   
Ich meine, früher mussten wir Männer das Essen unter Lebensgefahr erjagen. Damit das klappte, wurden wir von der Natur mit gewissen Fähigkeiten ausgestattet. Mit einem inneren Kompass zum Beispiel.
Heute aber stehe ich im Supermarkt und finde im 35 Meter langen Kühlregal keine Butter. Nicht etwa, weil ich überfordert wäre, sondern weil ich dafür überqualifiziert bin: Essen muss sich bewegen, dann wird mein Instinkt geweckt.
So sollte auch Lilla funktionieren. Deshalb unterwandere ich Schreibers Bemühungen. Auf meinen Hunderunden lasse ich Lilla ungebremst Katzen jagen – schliesslich reicht es, wenn in unserer Familie einer gut dressiert ist.
Nämlich ich.
Da soll wenigstens der Hund artgerecht seinen Urtrieben folgen dürfen.

(Coopzeitung Nr. 34/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 16.08.2012, 14:44 Uhr

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