Dunkel und saftig wie reife Kirschen: Die Black Cherry Tomaten schmecken herrlich.

Schwarze Kirschtomate: Immer noch eine Rarität

Die Black Cherry Tomate von Pro Specie Rara und die Amish People haben etwas gemeinsam: Sie sind im Hier und Jetzt eine ganz besondere Rarität!

An Bord des Fracht- und Passagierschiffes «Paderborn» gibt es nur eine einzige nicht deutsche Familie: die Stoltzfus’ aus dem Elsass. Die Familie ist amischen Glaubens und die Menschen in ihrer Heimat respektieren dies nicht, so machen sie sich auf den Weg ans andere Ende der Welt. Man schreibt etwa das Jahr 1750. Der Abschied ist hart, es wird viel geweint und Vater Stoltzfus vergiesst insgeheim eine dicke Träne wegen seines grossen Gemüsegartens. Für viel Gepäck ist auf der «Paderborn» kein Platz, in weiser Voraussicht minimiert Herr Stoltzfus also seine Rüben, Tomaten, Herdäpfel, Kohl und Kräuter auf einige Samen, die er fest in Leinentücher wickelt. Sie sind sein grösster Schatz und sollten ihm später tatsächlich das Leben retten.

Seine Älteste, Ada, blühende 16 Lenze jung, ist dank des Gartens recht gut genährt und eine echte Feinschmeckerin. Am liebsten hat sie immer die Tomaten aus Papas Garten gehabt. Während Ada von den schönen Früchten träumt, vertreibt sich Magda aus Deutschland in der Koje neben ihr die endlos lange Zeit der dreimonatigen Überfahrt mit Plaudereien. Ada unterbricht ihren Wortschwall:  «Kennsch dü Tomàta? Se send scheen siass, sehr sàftig. Mangmol rot via Blüat, mangmol gons dunkel un met Schtreifa. Bi uns heissa sa oï schwarza Kerscha», fragte sie in ihrem Alemannisch anmutenden Dialekt. Doch das deutsche Mädchen zuckt nur ratlos mit den Schultern …

Heute wissen wir: Magda konnte Ada gar nicht verstehen und das lag nicht am Dialekt, sondern daran, dass Deutschland um 1750 auf dem Weg der Tomaten noch nicht vorgesehen war. Um 1750 herum waren Tomaten zwar den Elsässern bekannt und dank der Amish People wie der Familie Stoltzfus auch den Indianern in Nordamerika (und nicht etwa umgekehrt), nicht jedoch den Deutschen.

Immer wieder tauchte irgendwo auf der Welt eine der vielen 12 000 Sorten auf – und verschwand leider auch immer wieder. Vor allem immer dann, wenn es um anderes ging als um Genuss und wenn sich gierige Geschäftsinteressen vor üppiger Gemüsevielfalt durchsetzten. Dabei können wir froh sein um jede grüne, gelbe, dunkelrote, schwarze, gestreifte, gezackte, grosse, kleine, runde und ovale alte Tomatensorte. Bei uns rettet sie die Sortenorganisation Pro Specie Rara vor dem Untergang.

Bis Ada wieder in eine köstliche Black Cherry beissen wird, werden übrigens noch ein paar Jahre vergehen. Inzwischen wird sie selbst Mutter sein. Doch die Tomaten und damit Vater Stoltzfus’ Erbe werden ihr auf ewig bleiben. Zu gegebener Zeit tut sie gar einen Schwur: «Die Black Cherry wird es so lange in meinem Garten geben, wie es die Familie Stoltzfus und deren Nachfahren gibt.»

Pasta «Cecca»

4 EL Olivenöl, 2–3 Knoblauchzehen in Scheiben und ca. 15 Cherry-Tomaten geviertelt in einer Schüssel ziehen lassen. 1 Mozzarella in Würfeli, 1 kleiner Bund Basilikum gehackt, etwas Pfeffer und Salz zugeben. Gleichzeitig 500 g Fusilli (Teigwaren) gar kochen und heiss zu den Zutaten geben.

Wie vor 250 Jahren

Die Amish People sind protestantische Freikirchler und einige der wenigen Minderheiten in den USA, die nie im grossen «Melting Pot» aufgegangen sind. Viele siedelten aus Deutschland und dem Elsass nach Pennsylvania über. Heute gibt es etwa 130 000 Amish in den USA – Lancaster County ist eine regelrechte Touristenattraktion geworden. Amische, wie man diese religiöse Gemeinschaft auf Deutsch auch nennt, führen ein stark im Agrarbereich verwurzeltes Leben und lehnen den technischen Fortschritt ab. Neuerungen werden nur nach sorgfältiger Überlegung akzeptiert. Ihre Küche ist deutsch-schweizerisch-elsässisch inspiriert. Mehr darüber erfahren Sie in unserem Buchtipp:

Amisch kochen

Bereiten Sie mit einfachsten Zutaten köstliche Gerichte zu – und das ohne grossen Aufwand. 55 Rezepte aus der traditionellen Küche der Amischen entführen Sie in eine Welt, die Erinnerungen an Grossmutters Zeiten wecken und doch vollkommen einzigartig sind. Beverly Lewis, Elke Keppler-Bopp: «Das Amisch-Kochbuch», Fr. 18.90, Francke Verlag.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 27.08.2012, 12:03 Uhr

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