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«Heute beginnt der Rest meines Lebens»: Udo Jürgens in seinem Studio in Zürich.



Coopzeitung Chefredaktor Matthias Zehnder und Udo Jürgens an seinem gläsernen Flügel

«Die Musik weckt Sehnsucht»

Persönlich. Udo Jürgens über sein Hit-Musical «Ich war noch niemals in New York», sein Verhältnis zur Schweiz und darüber, wie kostbar ihm einzelne Tage geworden sind.

Coopzeitung: Ihr Musical dreht sich um Träume und Sehnsüchte von drei Generationen.
Udo Jürgens: Das ist das Spezielle dran, ja. Von Sehnsüchten erzählt jede Art von Kultur, das ist der Sinn des Komponierens, des Singens, des Malens: auf diese Sehnsüchte einzugehen. Ungewöhnlich ist, dass das Musical auf drei Generationen eingeht und das heiter, mit einem Schuss Ernst.

«Ich war noch niemals in New York» – wer da mitschunkelt, hat den Text nicht verstanden. Eigentlich ist das Lied doch beklemmend und traurig.
Das ist bei meinen Liedern oft der Fall. Selbst «Aber bitte mit Sahne» ist ein ernstes Thema heiter erzählt. Die Beatles haben damals mit satirischen Songs angefangen, deshalb hab ich das auf Deutsch auch versucht. In «Aber bitte mit Sahne» sterben vier Damen beim Kuchenessen – eigentlich ist das dramatisch. Der ernste Aspekt ist, dass ein Teil der Menschen dazu neigt, sich halbtot zu fressen. In Amerika habe ich das jetzt grad wieder gesehen.

Auch «Ich war noch niemals in New York» erzählt eine traurige Geschichte: Der Mann geht Zigaretten holen und überlegt sich, wie es wäre, den nächsten Flieger zu besteigen.
Das Wichtige ist, dass der Mann sich entschliesst, nicht wegzugehen: Er stellt sich seiner Verantwortung. Das Interessante ist, dass die Frauen, die das Lied hörten, es zum Erfolg gemacht haben, weil sie den Mann, der bei seiner Familie bleibt, verstehen. Die Geschichte des Liedes ist jedoch eine andere als die im Musical. Aber, und das ist das Wesentliche, die Aussage ist dieselbe: der Wunsch, aus dem grauen Alltag auszubrechen. Es war aber ja auch die Melodie, die das Lied zum Erfolg gemacht hat. Übrigens erzählen alle meine populären Lieder interessanterweise nicht einfach eine vordergründige, platte Geschichte. Dass sie trotzdem erfolgreich waren, hat vielleicht auch mit meiner Person zu tun.

Oder mit der Qualität der Komposition.
Das auf jeden Fall.

Sie wohnen seit vielen Jahren in der Schweiz, in Zürich. Wo ist Ihre Heimat?
Meine Heimat ist Österreich. Ich glaube, die ist immer da, wo man geboren und aufgewachsen ist. Ich bin in Kärnten und in Norddeutschland aufgewachsen. Meine Heimat ist deshalb Österreich, aber zu Hause bin ich in der Schweiz. Landschaftlich ist es hier ja sehr ähnlich wie in Kärnten. Am Zürichsee gibt es Stellen, die aussehen wie am Wörthersee.

«Du bist durchschaut – und zwar komplett! Bis auf die Haut und bis ins Bett!» – fällt es Ihnen manchmal schwer, eine öffentliche Person zu sein?
Die häufigste Frage ist die nach dem Bett, die natürlich nicht beantwortet wird. In der heutigen Welt mit der Vernetzung, den Handys und allem Drum und Dran, leben wir in einer Welt, in der alles öffentlich ist. Facebook ist in diesem Zusammenhang ein sehr gefährliches Medium, viele Benutzer werden zum Opfer. Sie denken sich am Anfang nichts dabei und merken erst später, dass es ihnen in höchstem Masse schadet. Da wird man zu wenig aufgeklärt. Ich rate deshalb zu grösster Zurückhaltung.

Wollen Sie mit Ihrer Musik die Welt verändern?
Das will jeder, aber es ist eine vergebliche Liebesmüh. Es gelingt auch den Malern mit unsterblichen Bildern nicht, nicht Beethoven und nicht den Beatles und schon gar nicht mir. Was wir alle gemeinsam können: Einen positiven Mosaikstein dazugeben. Manchmal kann das in der Summe ganz grosse Konsequenzen haben. Der Mauerfall zum Beispiel: Der wäre ohne Popsongs nicht denkbar.

Hat Musik die Mauer niedergerissen?
Das Singen der Menschen auf beiden Seiten der Mauer hatte eine unglaubliche Wirkung. Ich war einer der Ersten, die drüben Konzerte gaben, ich habe das selber sehr eindrücklich erlebt. Die Musik hat die Sehnsucht nach Freiheit geweckt.

Wie viel Haltung steckt in der Unterhaltung, die Sie machen?
Ich hoffe, ein wenig. Ich bemühe mich zu zeigen, was meine innere Haltung ist. Ich singe sie hinaus in die Welt. Wissend, dass ich die Welt nicht verändern kann. Ich weiss auch, dass ich ein Genussmensch bin. Ich kann es mir leisten und ich weiss, dass viele Menschen das nicht können. Ich weiss, dass ich privilegiert bin und auf der Sonnenseite des Lebens lebe. Die Sonnenseite hat aber auch Schattenseiten. Man ist da auch sehr einsam. Das muss der andere aber nicht wissen.

Sie meinen die Einsamkeit des Prominenten?
Ja, Bekanntheit macht einsam. Ich hole mir Bewegungsfreiheit zurück, indem ich dahin fliehe, wo man mich nicht kennt. Deshalb bin ich viel im Flugzeug unterwegs. Dabei finde ich eigentlich unsere Länder die schönsten, die es gibt. Es gibt vielleicht schönere Stellen, aber keine gesünderen Länder als Deutschland, Österreich und die Schweiz.

«Heute beginnt der Rest deines Lebens»: Wovon träumen Sie noch?
Ich träume eigentlich davon, dass das Schicksal es mir schenkt, mit meiner Gesundheit noch bis ins ganz hohe Alter gute Tage zu haben, dass ich nicht nur das Alter spüre, sondern auch die Möglichkeiten nutzen kann. Man geht, wenn man älter wird,  ganz anders auf die Menschen zu. Ich werde Ende des Jahres 78 Jahre alt – da hast du eine ganz andere Perspektive als mit 40. Genauso, wie es mit 14 wichtig war, ob man 14 ist oder 15, ist es heute wieder wichtig, ob man 77 oder 78 ist. Die kleinen Zeitspannen haben an Bedeutung gewonnen. Früher zählten einzelne Tage nicht. Heute sind mir die Tage wieder kostbar und wichtig.

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Udo Jürgens

Geboren: 30. September 1934 in Klagenfurt als Udo Jürgen Bockelmann.
Werdegang: In Österreich aufgewachsen, er hat vier Kinder und war zweimal verheiratet.  Seit 2007 ist Udo auch Schweizer. Er lebt in Zumikon und hat sein Studio in Zürich.
Erfolge: Udo Jürgens hat über 900 Lieder komponiert und mehr als 50 Plattenalben veröffentlicht. Mit über 100 Millionen verkauften Tonträgern gehört er zu den erfolgreichsten männlichen Solokünstlern.
Aktuell: Udo gastiert mit der Pepe Lienhard Big Band am 28. Oktober 2012 im Hallenstadion Zürich. Die aktuelle CD dazu heisst «Der ganz normale Wahnsinn». Das Musical «Ich war noch niemals in New York» mit seinen Hits gastiert ab 1. November im Theater 11 in Zürich.
Link: www.udojuergens.de




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«Ich war noch niemals in New York»

Ich war noch niemals in New York» ist einer der erfolgreichsten Songs von Udo Jürgens. Inspiriert von diesem Titel, verwebt das gleichnamige Musical die 20 grössten Udo-Jürgens-Hits zu einer schwungvollen Geschichte: drei Generationen auf einer Atlantik-Kreuzfahrt zwischen Träumen, Lebensfreude, Sehnsucht und Liebe.

Im Mittelpunkt steht die junge Fernsehmoderatorin Lisa Wartberg. Sie hat über ihrem beruflichen Erfolg ihre Mutter Maria vernachlässigt. Die langweilt sich im Altersheim und will deshalb ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen. Otto Staudach, den sie im Altersheim kennengelernt hat, wird dabei ihr Komplize. Maria gesteht ihrem Otto beim Kuchenessen: «Ich war noch niemals in New York». Die beiden beschliessen, das zu ändern und reissen aus.

Sie wollen eine Kreuzfahrt antreten und unter der Freiheitsstatue in New York heiraten. Die Heimleiterin ist entsetzt und informiert Lisa sowie Axel Staudach, den Sohn von Otto, über die Flucht. Axel hat ebenfalls kaum Zeit für seinen Vater: Er ist Modefotograf und hat einen zwölfjährigen Sohn Florian. Lisa sowie Axel und sein Sohn reisen den beiden Ausreissern von Hafen zu Hafen nach. Auf hoher See nimmt die turbulente Geschichte einen gänzlich unvorhergesehenen Verlauf.
Der Kurzurlaub für die Seele verspricht einen unvergesslichen Abend mit den schönsten Liedern von Udo Jürgens, wie zum Beispiel «Aber bitte mit Sahne», «Griechischer Wein», «Siebzehn Jahr, blondes Haar», «Heute beginnt der Rest meines Lebens» und natürlich «Ich war noch niemals in New York».

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Alle Infos zum Musical unter: www.coop.ch/newyork

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Willy Spiller, Zvg.
Veröffentlicht:
Montag 10.09.2012, 12:51 Uhr

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