«Kesse Küsse»

Er schmust – doch nicht mit ihr.

Sybil Schreiber: Ich staubsauge die Reste vom Tag weg. Wobei das nicht mehr so viel ist, seit wir einen Hund haben: Lilla schleckt Krümel und andere essbare Restposten ratzeputz vom Boden auf. Praktisch. Plötzlich sprintet sie vom Wohnzimmer im gestreckten Galopp an mir vorbei in den Gang.  
Vermutlich ist Schneider grad durch die Haustüre gekommen. Ist auch Zeit, müsste ihn mal wieder an Pünktlichkeit erinnern!
Ich mache weiter Ordnung, schiebe Stühle zur Seite, nehme den Teppich in Angriff, entdecke unterm Sofa einen Knochen, krieche drunter, ziehe das abgekaute Teil hervor, was nicht sonderlich appetitlich ist. Wenn Hunde doch nur Vegetarier wären! Wobei eine angenagte Gurke hinterm Regal auch nicht wirklich besser ist ...
Während ich das Wohnzimmer auf Vordermann bringe, finde ich, dass mich mein Mann langsam mal begrüssen könnte. So, wie er es sonst immer tut. Ich warte ein Weilchen. Wo bleibt er nur?
Ich ziehe samt Staubsauger weiter in die Küche. Auf dem Weg dorthin sehe ich im Gang ein wildes Getümmel: Schneider kniet am Boden und lässt sich bestürmen und abknutschen. Von seiner Neuen: von Lilla! Oh! Ich bin in Schneiders Rangordnung also hinter unseren Hund gerutscht.

Steven Schneider: Habe ich mal gesagt, ich wollte keinen Hund? Nun. Da wir jetzt einen haben, arrangiere ich mich. Ich bin flexibel. Oder anders gesagt: Nur Idioten ändern nie ihre Meinung.
Und ich bin kein Idiot.
Wenn ich nach Hause kam, ging das bisher immer so: «Hoi Papi», flötete die Ältere und winkte. «Hallo Papi», rief die Jüngere und drückte mich kurz und heftig. «Na, mein Lieber», sagte meine Frau, «wie war dein Tag?» Wir gaben uns einen flüchtigen Kuss und dann erledigte jeder seinen Kram, bevor wir dazu kamen, miteinander zu reden.
Daran hat sich nichts geändert – ausser der Kleinigkeit eines Hundes: Was das bedeutet, ist für mich neu: Noch nie war ein Wesen derart froh, mich zu sehen! Als ob wir ein Jahr und nicht erst seit dem Mittagessen getrennt wären, zerreisst sich Lilla bei meinem Anblick schier vor unbändiger Freude. Sage ich ein, zwei nette Sätze zu ihr und streichle sie, dann klopft ihr Schwanz den Rhythmus der Begeisterung auf den Holzboden. Sie blickt mich mit verliebten Augen an, sie leckt meine Hände, sie sagt mit jeder Faser ihres Körpers: «Du bist für mich der Grösste.»
Schreiber hat das etwa vor neun Jahren zum letzten Mal zu mir gesagt..

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Freitag 09.09.2011, 15:25 Uhr

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