Der Wasserfall der Frenke bei Liestal ist für Regula Grauwiller eine Naturoase, die sie schon als Kind geliebt hat.

Regula Grauwiller :
«Eine echte Herausforderung»

Persönlich. Schauspielerin Regula Grauwiller spielt im Film «Der Teufel von Mailand» Sonia, eine Frau auf der Suche nach einem neuen Leben.

Coopzeitung: Sind Sie abergläubisch?
Regula Grauwiller: Ja, ein bisschen. Ich steige morgens immer zuerst mit dem rechten Fuss aus dem Bett, damit der Tag gut anfängt. Wenn es zufällig mal der linke ist, weil ich in einem Hotelzimmer auf der anderen Seite geschlafen habe, gehe ich zurück und stehe nochmals auf! (lacht)

Machen Sie auch einen Bogen um schwarze Katzen?
Nein, da bin ich ganz entspannt. Die Zahl 13 finde ich super. Sogar nach dem Unfall bei den Dreharbeiten für «Der Teufel von Mailand», als manche meinten, der Teufel im Titel ziehe das Unglück an, habe ich gesagt: «Seid doch froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist!» Ich bin eben eine Optimistin, sehe immer das Gute.

Was genau war passiert?
Der Helikopter mit dem Kameramann, Regieassistenten und Kameraassistenten kam beim Dreh der Autoverfolgungsjagd auf einer Bergstrasse im Engadin zu nahe an eine Felswand und stürzte ab. Der Heli erlitt Totalschaden und alle, die es sahen, hatten Todesangst. Aber wie durch ein Wunder gab es keine Verletzten. Die Insassen feiern jetzt sicher zweimal pro Jahr Geburtstag ...

Wie bekamen Sie die Hauptrolle in dieser Verfilmung des gleichnamigen Martin- Suter-Bestsellers?
Ich wurde ganz normal zum Casting eingeladen, danach noch für eine andere Rolle in Betracht gezogen, erhielt jedoch letztlich meinen Wunschpart. Eine echte Herausforderung!

Was hat Sie besonders gereizt?
Grundsätzlich sind für mich alle Figuren interessant, die nicht so sind wie ich bin. Sonia hat sehr viele schlimme Sachen erlebt und fürchtet, dass ihr eifersüchtiger Ex-Mann, der nach einem Mordversuch an ihr in eine Nervenheilanstalt in Zürich eingeliefert wurde, wieder freikommt. Deshalb flüchtet sie ins Bündnerland, wo sie in einem abgelegenen Wellnesshotel eine Stelle als Physiotherapeutin annimmt. Dort passieren mysteriöse Dinge, die sich mit der Sage «Der Teufel von Mailand» decken.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, diese Frau zu verkörpern?
Ich habe nach Bildern gesucht, die auf eigenen Erfahrungen oder Beobachtungen beruhen, holte sie hoch und benutzte sie, um mich in ihre Situation hineinversetzen zu können.

Enthält Ihre Interpretation der Sonia Züge, die nicht im Drehbuch standen?
Wie übersensibel sie auf Gerüche, Töne oder Licht reagiert, habe ich beigesteuert. Dies, nachdem ich mir vorgestellt hatte, wie es einer Person geht, der sofort unwohl wird, wenn ihr jemand zu nahe kommt.

Kannten Sie die Romanvorlage?
Nein, da ich lange in Deutschland lebte, wo Suter nicht so präsent ist wie in der Schweiz, hatte ich vor diesen Dreharbeiten erst ein Buch von ihm gelesen. Ich weiss nicht mehr, wie es hiess, aber es begann mit einem tollen Satz, der mir geblieben ist: «Als er nach Hause kam, stand alles in Flammen, nur das Holz im Cheminée nicht.»

Das Zitat stammt aus dem Krimi «Small World». Sie sind dann in die Schweiz zurückgekehrt. Weshalb?
Das Lustige ist, dass es von meinem Mann ausgegangen ist, der aus Hamburg stammt und in München gewohnt hat. Er wollte, dass die Kinder ihre Grossmutter in der Nähe haben. Da ich selbst in Liestal eine tolle Kindheit hatte, konnte ich mich mit diesem Gedanken anfreunden, obwohl ich nach 12 Jahren in Berlin und München nicht gedacht hätte, wieder nach Liestal zurück zu ziehen.

Welche Erinnerungen haben Sie an den Ort, wo wir die Fotos gemacht haben?
Schon als Kind habe ich es geliebt, vom Wasserfall unter dem Steinebrüggli in die Frenke zu springen oder weiter unten den Bach zu stauen. Noch heute komme ich gerne im Sommer an diesen kühlen und malerischen Ort. Er ist noch immer ein Geheimtipp.

Was bedeutet die Natur für Sie?
Sie ist meine Oase. Oft könnte ich am Meer und in den Bergen vor Glück weinen, weil es so schön ist – oder eben auch am Steinebrüggli, wenn das Wasser sprudelt und der Himmel blau ist. Als Teenager habe ich bei der WWF-Aktionsgruppe Basel mitgeholfen. Heute versuche ich, meinen Kindern ein Vorbild zu sein, indem ich Gemüse aus der Region kaufe, den Abfall trenne und neben dem Auto auch öffentliche Verkehrsmittel benutze oder zu Fuss gehe. Momentan rege ich mich aber auch unheimlich über die schwachsinnigen Energiesparlampen auf, die hochgiftig sind und kein schönes Licht geben.

Sonia ist Ihre grösste und anspruchsvollste Rolle seit der Geburt Ihrer drei Kinder. Haben die Erfahrungen als Mutter Sie zu einer besseren Schauspielerin gemacht?
Vom Gefühl her ist es so: Ich weiss heute viel mehr, wo ich steh, was ich kann. Vor meiner Familienzeit fürchtete ich mich vor Gefühlsausbrüchen und getraute mich weniger. Jetzt probiere ich viel mehr aus und schere mich weniger darum, was andere denken.

Regula Grauwiller

Beruf: Schauspielerin
Geburtsdatum: 10. Dezember 1970 in Liestal
Zivilstand: verheiratet mit Schauspieler Jophi Ries (52), drei Kinder (8, 10, 12)
Wohnort: Liestal
Laufbahn: Nach Abschluss der Hochschule für Künste in Berlin 1993 wirkte Regula Grauwiller in über
30 deutschen TV- und Kinofilmen mit, ehe sie eine Babypause einlegte. Zuletzt war sie in den Schweizer Produktionen «Handyman», «Cargo» und «Tatort – Skalpell» zu sehen.
Aktuell: «Der Teufel von Mailand» (mit Ina Weisse und Max Simonischek): 25. September. Premiere am Zurich Film Festival, 30. September TV-Ausstrahlung auf SF1 um 20.05 Uhr.
Link: www.regulagrauwiller.de

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt jr.
Veröffentlicht:
Freitag 21.09.2012, 17:57 Uhr

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