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Eine glückliche Familie – oder ist das mehr Schein als Sein?

Die Familie war schon immer im Ungleichgewicht. Die Balance hat immer Mutter Gitte gehalten. Doch sie will nicht mehr.

Ihre beiden Söhne Jakob (links) und Marko reagieren ganz unterschiedlich auf Gittes Handeln.

Während Marko Verständnis für Gitte zeigt, ist Vater Günter alles andere als erfreut. Kein Wunder ...

Doch Gitte lässt sich nicht umstimmen. Als sie die ablehnende Reaktion ihres Mannes und Jakobs erfährt, entschliesst sie sich, zu verschwinden.

AUf einem Parkplatz im Wald finden Marko und Jakob das Auto von ihrer Mutter. Doch von ihr gibts keine Spur.

Filmkritik: Was bleibt

Alltag einer bürgerlichen, durchaus begüterten Kleinfamilie in Deutschland: Die beiden erwachsenen Söhne Marko und Jakob treffen sich bei den Eltern, die im Herbst ihres Lebens stehen. Allen scheint es gut zu gehen. Wirklich?

 

Marko ist verheiratet, hat einen Sohn und arbeitet als erfolgreicher Schriftsteller. Jakob betreibt eine kleine Zahnarztpraxis und darf sich über eine gutaussehende Freundin freuen. Vater Günter hat seinen über Jahre aufgebauten Verlag gewinnbringend verkauft und möchte sich nun seinem Hobby der Archäologie widmen. Und Mutter Gitte schmeisst den Haushalt, ist liebende Mutter und Ehefrau.

Ein perfektes Familienleben also. Doch wie in so vielen «guten» Kreisen ist alles nur Fassade, nur Schein, Lug und Trug. Als Gitte ihrer Familie bei einem Abendessen eröffnet, dass sie ihre Tabletten absetzen würde, blättert von der goldenen Fassade Stück für Stück ab. Zutage kommt eine kaputte Familienstruktur mit vier verzweifelten Menschen, deren Kommunikation untereinander schon seit Jahren nicht mehr funktioniert und die kaum mehr etwas gemeinsam haben.

Zuerst erschliesst es sich für den Kinozuschauer nicht, warum bei besagtem Abendessen am Tisch allen die Gesichtszüge entgleisen. Und das soll auch hier nicht vorweggenommen werden. Doch nach und nach kommt heraus, dass die Beziehung von Marko am Scheitern ist, die Zahnarztpraxis von Jakob sich finanziell schon längst nicht lohnt, und Günter seit Jahren eine andere Frau liebt.

Wer von «Was bleibt» einen Film erwartet, bei dem es rummst und knallt, der ist fehl am Platz. Beinahe wie ein Kammerspiel kreist die Handlung nur um die wichtigsten Protagonisten. Der Familie wird nicht plötzlich oder auf einen Schlag die Maske entrissen, vielmehr bricht ihr vermeintliches Leben ganz langsam zusammen. Dieses feine Spiel beherrscht das Ensemble perfekt – mit kleinen Gesten, minimalen Mimiken und leisen Tönen drücken die hervorragenden Schauspieler, allen voran Corinna Harfouch als Mutter, die wachsende Gefühlsleere und Verzweiflung aus.

Doch im Chaos, in dem der Film am Ende zu versinken droht, gibt es auch den einen oder anderen Lichtstrahl – denn aus dem heillosen Chaos erwächst wieder eine positive Kraft, die wiedergefundene Ehrlichkeit bietet die Chance auf einen Neuanfang.

Fazit: Ja, dieser Film ist ein Autorenfilm, keine leichte Kost. Doch es lohnt sich, sich auf den Stoff einzulassen. Denn das Psychogramm einer gutbürgerlichen Familie ist ergreifend und erschreckend zugleich. Zu verdanken ist dies den logisch zusammenlaufenden Handlungsfäden des Drehbuchs, aber auch der Kunst der Schauspieler. Mal etwas anderes als das Hollywood-Allerlei oder die seichten deutschen Komödien – dennoch bietet «Was bleibt» wirklich gute Unterhaltung.

Im Kino:
Ab 27.09.2012

Darsteller:
Marko: Lars Eidinger
Gitte: Corinna Harfouch
Jakob: Sebastian Zimmler
Günter: Ernst Stötzner

Regie:
Hans-Christian Schmid

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Foto:
ZVG
Veröffentlicht:
Freitag 21.09.2012, 15:52 Uhr

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