Kinderliedermacher Andrew Bond inmitten der Requisiten seines neuen «MärliMusicalTheaters».

Andrew Bond: «Ich hatte viele Ideen – und nicht nur gute»

In fast jedem Kindergarten der Schweiz werden seine Lieder gesungen. Jetzt hat sich Andrew Bond dem Genre des Kindermusicals angenommen.

Coopzeitung: Nach 20 veröffentlichten CDs sind demnächst zwei Musicals mit Ihren Liedern auf Tournee in der Schweiz. Gehen Ihnen die Ideen nie aus?

Andrew Bond: Drei Musicals. Neben «Heidi» und «Michel aus Lönneberga» wird bis im kommenden Frühling das Märli-Musical-Theater mit «Dornröschen» unterwegs sein. Das Märli-Musical-Theater ist das einstige Gastspieltheater Zürich. Es gehört seit Kurzem zu unserem Unternehmen.

Ihr eigenes Theater? Dann konkurrenzieren Sie sich selber. Bei «Heidi» und «Michel aus Lönneberga» haben Sie die Musik im Auftrag der Produzenten geschrieben.
Das ist richtig. Wir haben uns das auch gut überlegt. Aber ich bin überzeugt, dass Platz ist für alle. Ich kenne das aus der Kinderliedermacher-Szene. Linard Bardill und ich sind auch Konkurrenten, und als Christian Schenker oder Marius aufgekommen sind, mussten wir uns schon ein paar Gedanken machen, denn die Jungs sind gut. Aber das ist gut für die Szene.

Zurück zu den Ideen.
Ach ja. Nein, die gehen mir nicht aus. Im Gegenteil. Manchmal muss ich mich selber bremsen.

Wie viele Lieder haben Sie schon geschrieben?
Es sind knapp 500 auf CD erschienen, aber die nächsten drei CDs sind auch schon geschrieben. Somit dürften es zwischen 500 und 600 sein.

Kommen die Ideen immer noch so leicht wie früher, als Ihre eigenen Kinder jung waren?
Meine Kinder waren nur der Anstoss, Kinderlieder aus dem Alltag zu schreiben. Aber mit der Inspiration hatten sie letztlich nichts zu tun. Ich war immer einer, der viele Ideen hatte – nicht nur gute natürlich, wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke.

Sie verwenden keinen Gedanken ans Aufhören?
Doch. Ich habe mir natürlich meine Gedanken gemacht. Es gibt vermutlich schon einen Wechsel. Das viele Herumfahren macht mich müde. Diese Woche bin ich in Wohlen, Davos und Kreuzlingen, das zehrt. Und ich denke, die Welt wartet nicht auf 20 weitere Bond-CDs mit Kinderliedern.

Gibt es Lieblingsthemen, die Sie besonders gern aufgreifen oder solche, von denen Sie die Finger lassen?

Man kann zu jedem Thema ein Lied schreiben. Die entscheidende Frage ist, was ist im Moment relevant fürs Kind? Es geht immer ums «Ich und», nicht ums «Es». Das kann ganz oberflächlich sein wie «Der Frühling kommt, wir freuen uns». Da höre ich schon die Musik. Oder dann gibt es Themen, die ernster sind. Fürs Musical «Heidi» musste ich ein Lied über die blinde Grossmutter beziehungsweise übers Blindsein machen. Das wurde ein wunder-schönes, tiefsinniges Lied über die Frage, wie wir wahrnehmen.

Mögen Sie auch alte Kinderlieder?
Oh ja, sehr. Ich habe vor einigen Jahren eine CD mit neuen Weihnachtsliedern gemacht. Da haben manche gesagt: Super, jetzt müssen wir diesen alten Mist nicht mehr singen, andere aber meinten, schade, wegen meinen Liedern würden jetzt die alten nicht mehr gesungen. Aber ich bin der Letzte, der sagt, man solle die alten klassischen Kinderlieder nicht mehr singen. Deshalb habe ich eine CD mit alten Schweizer Weihnachtsliedern gemacht, aber die Lieder ein bisschen abgestaubt. Tradition ist für mich nicht konservieren, sondern etwas brauchen, leicht verändern und weitergeben. Ich finde es auch wichtig, dass in den Schulen nicht nur Lieder von Bond oder Schenker gesungen werden.

Haben Sie sich nie überlegt, Ihre Lieder auf Hochdeutsch zu übersetzen und sich damit den deutschen und österreichischen Markt zu erschliessen?
Doch. Wir sind dran. Ein deutscher Verlag bringt im kommenden Frühling drei CDs und ein Liederbuch von mir heraus.

Wann kommt die erste Auslandstournee?
Nie. Ich will die Konzerttätigkeit auf keinen Fall auf Deutschland ausweiten. Ich mache Weiterbildungskurse für Lehrpersonen, aber keine Konzerte. Ich muss schon heute die Hälfte der Anfragen absagen.

Was macht Andrew Bond, wenn er nicht komponiert oder Konzerte gibt?
Im Moment mein eigenes Theaterprojekt, und dann führen wir das Kikuri, das Kinder-Kultur-Riich in Wädenswil, das mit Leben gefüllt werden muss. Mit anderen Worten: Im Moment arbeite ich ungesund viel neben den Konzerten. Mit Verlag, Kikuri, Theater und der Konzerttätigkeit sind inzwischen 15 bis 18 Leute von meinen Projekten abhängig. Das gibt Druck und Verantwortung.

Und wenn doch einmal etwas freie Zeit übrig bleibt?
Ich habe einen grossen Garten mit Tieren, das ist mein Rückzugsort. Und ich mache jedes Jahr ganz allein Fern- wanderungen, bis jetzt immer in Schottland oder Nordengland. Da bin ich eine Woche oder zehn Tage mit Rucksack unterwegs – ohne Familie, ohne Musik, ohne Internet. Eine solche Woche ist absolut wohltuend.

Andrew Bond

Alter: 47
Zivilstand: verheiratet, zwei Kinder (19 und 17)
Wohnort: Wädenswil ZH
Ausbildung: Theologe
Aktuell: Andrew Bond hat bis heute 20 CDs mit Kinderliedern veröffentlicht und total rund 500 000 Tonträger verkauft. Die erfolgreichste CD ist «Zimetschtern han i gärn» mit über 100 000 verkauften Exemplaren. Er hat heute vier Standbeine beziehungsweise Unternehmen: den Eigenverlag Grossengaden, das «MärliMusicalTheater», das «Kikuri» (Kinder-Kultur-Riich) in Wädenswil und die Andrew-Bond-Konzerte. Nächste Konzerttermine auf seiner Website.
www.andrewbond.ch

www.maerlimusicaltheater.ch

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Eine Sammlung von slawischen Märchen.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Michel aus Lönneberga

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Innovative Macher, Weltverbesserer. Leute wie Albert Schweitzer, Ernst Sieber, Franz von Assisi.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Once, ein irischer Strassenmusiker-Streifen.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

Ich würde sehr gerne wieder zum ersten Mal «Der mit dem Wolf tanzt» von Kevin Costner sehen können. Der Film hat mich damals umgehauen.

Ihr Lieblings-Filmheld?

Matilda, aus der Kinderbuchverfilmung des Roald Dahl-Klassikers.

Was für Musik hören Sie gerade?

Ich höre selten Musik zur Arbeit. Im Player ist aber eine CD von Kathryn Tickell, einer Folkmusikerin aus Northumberland, Nordengland.

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Das wäre für mich definitiv der Grund endlich mal einen iPod zu kaufen.

Nur eine?

Songbird von Eva Cassidy.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Mit Sting!

Was kochen Sie selbst?

So ziemlich alles.

Ihre Lieblingsspeise?

Eine Schüssel voll gemischten Salat aus unserem Garten.

Ihr Lieblingsgetränk?

Hahnenwasser.

Mit wem essen Sie am liebsten?

Mit meiner Familie, wenn alle Zeit haben und etwas müde sind.

Und wo essen Sie am liebsten?

Zuhause – am liebsten auf meinem Liegestuhl draussen.

Mac oder PC?

Mac im Quadrat!

Auto oder Zug?

Zug!

Wein oder Bier?

Weder noch.

Pasta oder Fondue?

Fondue.

Joggen oder Walken?

Joggen.

Berge oder Meer?

Meer in Schottland.

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Als mir eine erwachsene behinderte Frau eine DVD schickte mit einer wunderschönen Tanzproduktion, die sie zusammen mit einer Freundin zu einem meiner Lieder gemacht hatte.

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Mit geistreichem Humor und Wortspielen.

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Eine Schwalbe.

Wovon träumen Sie?

Davon, dass mein Kopf mal für einen kurzen Moment gaaaaanz leer ist.

Was ist für Sie das grösste Glück?

Mein Leben, meine Familie.


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Thomas Compagno

Redaktor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Freitag 28.09.2012, 11:27 Uhr

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