Gelangweilte Büsis wollen spielen, und sei es auf dem Klavier.

Eine Katze nach der anderen

Eine Frau hat Probleme mit ihrer Katze und will sie sogar einschläfern lassen. Dann will sie das Tier doch wieder haben. Es folgen eine neue Katze und neue Probleme und noch eine Katze und wieder Probleme.

Ihre Stimme klang ja ganz vernünftig: «Meine Katze muss umplatziert werden. Sie spielt derart laut, dass die Nachbarn reklamieren!» Ich stutzte. Waren wir neuerdings eine Entsorgungsstation für Katzen? Am anderen Ende des Telefons: «Das Tierheim nimmt keine Katzen mehr auf. Kann ich sie auch einschläfern lassen?» Ich hielt die Muschel zu und atmete tief durch. Meine Meinung über solche Katzenbesitzer hatte ich mir bereits vor langer Zeit gebildet. Aber damit war dem Tier nicht geholfen. Ich hoffte auf die Vernunft der Katzenhalterin, gab meine übliche Antwort mit «Eigeninitiative» und hängte auf. Das Telefon klingelte immer wieder. Weil ich mir Sorgen um die Zukunft der Katze machte, nahm ich sie schliesslich auf. Die Ex-Besitzerin bezahlte die üblichen Verzichtskosten und unterschrieb eine Verzichtserklärung.

Es war eine hübsche, aber etwas scheue kleine Katze. Bereits nach wenigen Tagen taute sie uns gegenüber auf und zeigte ihr fröhliches Wesen. Alleine in Wohnungen gehalten, können gerade spielfreudige Katzen sich schnell langweilen. Sie sollten wenn möglich zu zweit sein, damit sie rund um die Uhr einen Katzenpartner haben. Drei Tage später rief die Frau wieder an: «Kann ich meine Katze wiederhaben?» Nach einem längeren Gespräch konnte ich ihr verständlich machen, was eine «Verzichtserklärung» ist und die kleine Katze an einen Mehrkatzenhaushalt weitervermitteln. Sie hatte sich dort gut eingelebt, als erneut ein Telefon kam: «Ich hab jetzt eine neue Katze. Nun macht mir mein Vermieter Schwierigkeiten deswegen. Könnten Sie nicht? …» Ich schnaubte. «Bringen Sie sie dorthin zurück, wo Sie sie her haben!»

Nun erzählte sie mir die Geschichte der zweiten Katze. Sie stammte aus einem Tierheim und war ursprünglich an eine andere Person vermittelt worden. Die betroffene Tierheimchefin holte dann diese Katze – wohl vor Wut schäumend – zurück. Lange hörten wir nichts mehr, als plötzlich mein Notfallhandy klingelte. Ich erkannte die Stimme sofort. «Ich habe eine Katze und es geht nicht. Könnten Sie …» Diesmal fiel meine Antwort knapp und klar aus: «Nein!». Ich hoffte inständig, dass diese Besitzerin endlich etwas dazulernen würde.

(Coopzeitung Nr. 41/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty
Veröffentlicht:
Montag 08.10.2012, 10:00 Uhr

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