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Vier Brüder in voller Fahrt: Esra, Matt, Joe und Simri Buchli (von links) haben an der 77 Bombay Street in Australien den Grundstein für ihren musikalischen Erfolg gelegt.




Matt Buchli: «Jeder soll sich kreativ entfalten»

Persönlich: Matt Buchli, der älteste der vier Brüder der Shooting Stars 77 Bombay Street, übers Musik machen, die neue CD «Oko Town» und das Touren im Nightliner.

Coopzeitung: Zuerst habt ihr eure Band 77 Bombay Street getauft, nun die neue CD «Oko Town». Was bedeuten euch diese Orte?
Matt Buchli: An 77 Bombay Street haben wir viele schöne Erinnerungen. Wir haben an dieser Strasse in Adelaide gewohnt, als sich unsere Eltern mit uns eine zweijährige Auszeit genommen haben. Der Titelsong handelt von der fiktiven Stadt Oko Town. Da es auf dem neuen Album viele Fantasiegeschichten gibt, fanden wir es eine lustige Idee, die Stadt zum Schauplatz zu machen.

Die aktuelle Single «Low On Air» scheint aber von Australien beeinflusst zu sein ...
Simri hat diesen Song aber geschrieben, als er in Thailand war und diese Unterwasserwelt beim Tauchen zum ersten Mal richtig aufgesogen hat. Für ihn bildete sie einen extremen Kontrast zur Schweiz, wo viele Leute vor allem von ihrer Arbeit und vom Geldverdienen eingenommen sind. Sie bekommen fast keine Luft mehr, weil sie so unter Druck stehen. Die Botschaft ist, dass man sich Sorge tragen soll. Es gibt Wichtigeres als Geld: innere Werte, die Familie, Ferien und Entspannung.

Wo unterscheidet sich eure Musik heute von der, die ihr in eurer Jugend mit den Eltern machtet?
Wir waren eine reine Strassenmusikformation. Wir hatten noch kein Schlagzeug und keine elektrische Gitarre. Meine Mutter hat viel Handorgel gespielt. Wichtig war vor allem, dass wir laut und schön singen konnten.

Wusstet ihr schon vor der Rückkehr aus Australien, dass ihr als Bruder-Quartett weitermachen wolltet?
Nein, wir wollten zuerst gar nicht mehr gemeinsam Musik machen. Als Familie hatten wir es weiter gut miteinander, aber wir waren uns nicht mehr so nahe wie früher, als wir in Basel und Adelaide zusammengewohnt hatten. Nach ein paar Jahren haben wir das vermisst. So begannen wir wieder gemeinsam Musik zu machen und erste Konzerte zu geben. 2008 sahen wir uns etwa alle zwei Wochen, dann wurde es immer intensiver.

Weshalb seid ihr ins alte Chalet eurer Grosseltern in Scharans gezogen?
Da Joe im sozialen Bereich tätig war, was mit extrem unregelmässigen Arbeitszeiten verbunden ist, Esra die Jazzschule in Basel besuchte, Simri in Thusis in die Lehre ging und ich an der ETH in Zürich Agrarwissenschaft studierte, brauchten wir eine billige Bleibe, damit wir es uns leisten konnten, voll auf die Karte Musik zu setzen.

Ihr habt euch zu viert ein Schlafzimmer geteilt. War das nicht etwas gar laut?
Natürlich nervt man sich, wenn jemand schnarcht oder das Licht anmacht, aber rückblickend gefiel uns dies sicher besser, als allein durchs Leben zu gehen.

Nun zieht ihr es aber vor, separat zu wohnen.
Ja. Esra und Simri teilen jetzt eine Wohnung in Chur, ich habe ein Zimmer hinter dem Bahnhof und Joe wohnt mit seiner Frau in Scharans.

Aber es ist euch nicht schwergefallen, für die Deutschland-Tournee im Nightliner wieder näher zusammenzurücken?
Nein, das war ein riesiges Highlight! Zusammen unterwegs zu sein, liegt uns. Wenn die Fans und der Veranstalter nach einem Konzert zufrieden sind, können wir diese Freude auf der Weiterreise teilen, über den Tag reden oder etwas trinken.

Weshalb singen Sie auf der neuen CD viel weniger als auf dem Debütalbum?
Da jeder von uns singen kann, war es mir ein Bedürfnis, die Leadvocals mehr unter uns aufzuteilen. George Harrison von den Beatles hat zwar viele Songs geschrieben, ist jedoch weniger zur Geltung gekommen, da John Lennon und Paul McCartney so dominant waren. Wenn es 77 Bombay Street noch eine Weile geben soll, muss sich jeder kreativ entfalten und weiterentwickeln können.

Wer hatte eigentlich die Idee mit eurem Markenzeichen, den Uniformen?
Sie entstand, als wir für unsere Single «47 Millionaires» einheitlich und wohlhabend aussehen wollten. Die vier Uniformen, die wir von einem Kostümverleih hatten, sahen so cool und speziell aus, dass wir das weitergezogen haben. Es war keine bewusste Referenz an «Sgt. Pepper» (Beatles), Coldplay oder Michael Jackson.

Und woher habt ihr die neuen Outfits für «Oko Town»?
Die alten Uniformen erinnerten an Zirkus, davon wollten wir wegkommen. Unsere Mutter hat uns eine Schneiderei in Rothenthurm empfohlen, die die neuen Uniformen mit grosser Begeisterung für uns machte.

Euer erster Hit war «I Love Lady Gaga». Was liebt ihr an ihr?
Wir stehen nicht wahnsinnig auf ihren Sound, aber wir respektieren sie als Künstlerin, die bei ihren Konzerten alles gibt. In Simris Urfassung lautete die Zeile «I love McDonald’s». Wir anderen fanden, dass das gar nicht geht! Unser Produzent hatte dann die Idee, von etwas Modernem zu singen, das jeder kennt und cool findet.

Die Brüder Buchli

Mitglieder: die Brüder Matt (30, ­Gesang, Gitarre), Joe (28, Gitarre, ­Gesang), Esra (26, Schlagzeug, Gesang) und Simri Buchli (22, Bass, Gesang).
Wohnorte: Chur und Scharans
Laufbahn: Die vier Brüder wuchsen in Basel in ihrer neunköpfigen Familie auf, die 2001 für eine zweijährige Auszeit nach Adelaide zog, wo sie als Swiss Family Singers auftrat. 2008 gründete das Quartett 77 Bombay Street. Mit ihrem 2011 veröffentlichten Debütalbum «Up In The Sky» stiegen sie kometenhaft auf, stehen schon über ein Jahr in der Hitparade, landeten drei Hits, absolvierten eine ausverkaufte Frühlingstournee und gewannen zwei Swiss Music Awards.
Aktuell: Die Folkrock-Songs auf der zweiten CD «Oko Town» (Universal Music) sind noch eingängiger und gekonnter interpretiert und arrangiert, bei der Herbst- und Wintertournee sind wegen grosser Nachfrage bereits Zusatzkonzerte angekündigt.
Link: www.77bombaystreet.com

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Der Alchimist

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

Old Shatterhand

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Snow Patrol, Mumford and Sons, Coldplay

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Der Exorzist

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

In Bourges

Ihr Lieblings-Filmheld?

Jason Bourne

Was für Musik hören Sie gerade?

Snow Patrol

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Johnny Cash

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Chris Martin

Was kochen Sie selbst?

Alles

Ihre Lieblingsspeise?

Birchermüesli

Ihr Lieblingsgetränk?

Grapefruitsaft

Mit wem essen Sie am liebsten?

Familie

Mac oder PC?

Bald Mac

Auto oder Zug?

Zug

Wein oder Bier?

Bier

Pasta oder Fondue?

Fondue

Joggen oder Walken?

Joggen

Berge oder Meer?

Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Am Freitag beim Interview (Tränen vom Lachen)

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Am besten durch eine spontane Situation, geplant wirkt immer so verkrampft oder sonst eine Dosis Mr. Bean

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Tyrannosaurus Rex

Wovon träumen Sie?

Manchmal habe ich Albträume über missglückte Konzerte

Was ist für Sie das grösste Glück?

Mein Sohn

Musikvideos von 77 Bombay Street

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 08.10.2012, 14:13 Uhr

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