... da sah sie den Käse und wusste sofort, was zu tun war.

Käsekuchen: Der falsche Nidlechueche

Wie eine junge Frau dank ihrer kreativen Backkünste einen Ehemann fand.

Waltraud dreht den Zuckertopf auf den Kopf und schüttelt. Nichts. Kein einziges weisses Körnchen rieselt aus dem Gefäss. Ungläubig verharrt sie für einen Moment und eilt in die Stube zu Grossmutter. «Wir haben keinen Zucker mehr! Und ich muss doch meinen berühmten Nidlechueche machen für den von Grafenstein.» Seit heute Morgen bekannt geworden ist, dass der gutaussehende Adlige Johann von Grafenstein auf Brautschau in der Region unterwegs ist, herrscht Aufregung bei den unverheirateten Frauen im Dorf. Jede versucht, ihre Stube so hübsch wie möglich herzurichten und ihren allerbesten Kuchen zu backen, um den Herrn zu beeindrucken. Selbst die 23-jährige Waltraud, die für die Galanterien anderer Männer bisher unempfänglich war, hat den ganzen Vormittag lang geputzt und gefegt.

Doch ohne Zucker kein Kuchen. Waltraud läuft zum Nachbarshaus, das etwa einen Kilometer entfernt liegt. Niemand ist zu Hause, die Tür verschlossen. Verzweifelt macht sie sich wieder auf den Rückweg. Die anderen Leute wohnen noch weiter weg und bis ins Dorf wäre sie eine halbe Stunde unterwegs. Als sie aber die Einfahrt zu ihrem Haus erreicht, stockt ihr der Atem. Eine Kutsche mit vier edlen, dunkelbraunen Pferden steht neben dem Gemüsegarten. Ein Mann – vermutlich der Kutscher – sitzt hinten im Wagen und schnarcht lautstark.

Waltraud huscht zur Hauswand und späht durchs Fenster in die Stube. Das Herz klopft ihr fast bis zum Hals. Tatsächlich, der Johann von Grafenstein sitzt auf der Ofenbank! Doch was heisst hier sitzt – die Beine weit von sich gestreckt, liegt der Adlige halb auf der Bank und hält sich den Bauch. «Ich kann nicht mehr», hört sie ihn stöhnen. «Bloss keinen von diesen süssen, klebrigen Kuchen mehr.» Waltraud sieht, wie ihre Grossmutter aufsteht und zum jungen Mann hinschlurft. «Bitte, mein Herr, der Nidlechueche von meiner Enkelin ist wirklich ein Gedicht, und sie ist das allerliebste Mädchen weit und breit. Nur noch einen kleinen Moment.» Der Mann seufzt. «Na gut, kurz, gaaaaaanz kurz», gähnt er und schliesst seine Augen.

«Er schläft!», flüstert Waltraud aufgeregt und eilt zum hinteren Eingang, der direkt in die Küche führt. Hektisch schaut sie sich im Raum um. Auf dem Tisch steht schon das runde Blech mit dem Kuchenteig, das sie vorbereitet hatte. Da bleibt ihr Blick an zwei dicken Brocken Greyerzer und Appenzellerkäse hängen. Plötzlich weiss sie, was zu tun ist. Mit einer Raffel reibt sie den Käse fein, mischt ordentlich Rahm darunter und gibt zwei Eier hinzu. Rasch kippt sie die Masse auf den Teig und schiebt das Blech in den Ofen.

Eine halbe Stunde später öffnet sie die Stubentür und stellt den dampfenden Kuchen auf den Tisch. Die Grossmutter schaut sie erstaunt an. «Er ist schön geworden, aber wieso riecht dein Nidlechueche nach Käse?» – «Psst …», macht Waltraud nur und wirft ihr einen verschwörerischen Blick zu. Dann klatscht sie zweimal in die Hände. Johann von Grafenstein öffnet die Augen. «Guten Tag, mein Herr», sagt Waltraud und macht einen Knicks. «Schön, dass Sie den Weg in unser abgelegenes Heim gefunden haben. Sie sind …» Irritiert verstummt sie.

Von Grafenstein schnuppert hörbar, lächelt sie an und läuft zielstrebig zum Tisch. Bevor ihn Waltraud daran hindern kann, schneidet er sich ein dickes Stück vom Nidle- oder vielmehr Käsekuchen ab und beisst hinein. «Was auch immer das ist», nuschelt er dann mit vollem Mund, «ich will mehr davon.» Dann mustert er Waltraud von oben nach unten und grinst. «Und Sie, Sie können mir sicher dabei helfen …»

Verführerisch, dieser Käsekuchen, gebacken mit der Käsekuchenmischung von Coop Qualité & Prix. Dazu noch einen kleinen Salat servieren.

Frei nach den Gebrüdern Grimm

Es war einmal ein Hirte, der heiraten wollte. Er konnte sich aber nicht zwischen drei schönen Schwestern entscheiden. Da riet ihm seine Mutter, die drei zum Käseessen einzuladen. Die erste schnitt den Käse vorsichtig ganz nah an der Rinde ab. Die zweite hingegen schnitt die Rinde so grosszügig ab, dass guter Käse mit der Rinde im Abfall landete. Die dritte hingegen schnitt nicht zu viel und nicht zu wenig ab.

Und so wusste der Hirte, wen er zur Frau nehmen wollte. Die erste war zu geizig, die zweite verschwenderisch. Die dritte aber hatte das richtige Mass. Die beiden heirateten und lebten glücklich und zufrieden bis zu ihrem Tod.

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 15.10.2012, 00:00 Uhr

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