Ei, so ein Vorhang ist aber ein interessantes Spielzeug …

Freche, wilde Kätzchen

Wer sein Leben mit Katzen teilt, hat viel zu tun! Das muss auch eine Kundin von Chantal Ritter feststellen. Die Kleinen demolieren die Einrichtung und bringen die Halterin in eine missliche Lage. Kann man ihnen böse sein? Nein!

Die zwei jungen Katzen fühlten sich allzu schnell wohl in der neuen Wohnung. Sie zeigten von Anfang an keine Scheu und wollten überall hin. Alle Bücher und Theorien über Katzenhaltung, die das frischgebackene Frauchen gelesen hatte, befolgten die zwei rot-weissen Racker nicht. Sie erkundeten die gesamte Wohnung, rannten die Stufen hinauf und hinunter und kürzten ab, indem sie auf eine antike Kommode sprangen. Dabei warfen sie eine schöne Vase um. Dass die Kommode dabei eine hässliche Schramme abkriegte, kümmerte die Tiere natürlich nicht. Auch im Schlafzimmer war bald klar, dass Frauchen als Streichlerin und Wärmekissen nur geduldet war. Die beiden Katzen lagen ausgestreckt, eine rechts, eine links, und schnurrten um die Wette.

Frauchen liebte ihre zwei Kleinen vom ersten Moment an, trotz allem. Die antike Kommode? Tja, eine Wohnung wird automatisch katzengerecht. Und ausserdem hatte die Vase nur wegen des Familienfriedens dort gestanden. So wirklich schön fand Frauchen sie nie. Auch die Vorhänge zeigten bald ein neuartiges Muster. Das Sonnenlicht strahlte durch unzählige kleine Risse: Versuche der Katzen, der Fliegen Herr zu werden. Eine nicht katzengerechte Stelle hatte die Wohnung jedoch. Der Balkon war noch nicht gesichert. Frauchen hatte gelesen, dass Katzen sich zuerst scheu in der Wohnung bewegten und sich erst nach mehreren Tagen auf den Balkon getrauten.

Wie konnte sie ahnen, dass die Katzen bereits nach einem Tag versuchen würden, nach draussen zu gelangen. «Pech gehabt, Momo, du musst warten, bis ich dieses Wochenende das Netz montiert habe. Solange bleibst du mit deinem Bruder drinnen». Sie sagte es und zog hinter sich die Balkontüre zu. Draussen genoss die Besitzerin die schöne Aussicht und amüsierte sich an Momos Anstrengungen, ebenfalls auf den Balkon zu kommen. Die Katze wollte mit gezielten Sprüngen an den Türgriff gelangen. Das Lachen blieb der Besitzerin im Halse stecken: Momo hatte es geschafft, die Balkontüre zu verschliessen und sie war ausgesperrt. Eine Weile versuchte Momos Frauchen, in ihre eigene Wohnung einzubrechen, doch die modernen Häuser sind gut gesichert!

Jetzt schaute Momo zu und amüsierte sich, wie Frauchen sich vergeblich mit der Balkontüre abmühte. Schliesslich gab sie auf und rief nach der Nachbarin. Nach langem Warten wurde sie endlich mit einer Leiter befreit. Zum Glück wohnte sie im ersten Stock. Die beiden Jung-Katzen lagen danach erschöpft mit ihrem Frauchen auf dem Sofa und schnurrten mit Unschuldsmiene. Sie war ihnen nicht böse. Aber wenn sie im 20. Stock gewohnt hätte, wäre es vielleicht anders gewesen …

(Coopzeitung Nr. 42/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty
Veröffentlicht:
Montag 15.10.2012, 00:00 Uhr

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