Schneider kauft ein

Er kämpft um seinen Papa-Status.

Steven Schneider: In den vergangenen Wochen hatte ich viel um die Ohren. Meine Kinder kamen dabei etwas zu kurz.
Und jetzt, wo ich wieder mehr daheim bin, fällt mir auf, dass meine Töchter einen sehr direkten Draht zu ihrer Mutter haben.
Und eine lose Leine zu mir.
«Wo ischs Mami?», fragen sie, wenn ich sie in der Früh sehe. Kein «Gutenmorgen», kein «Hallopapa».
Das passiert nicht nur einmal. Das passiert dauernd. Ich habe ja schon davon gehört, dass Kinder Phasen durchmachen, in denen der eine Elternteil wichtiger ist.
Aber bei beiden gleichzeitig?
Ich beschliesse, um meine Töchter zu kämpfen. «Morgen gehen wir ins Kino», sage ich deshalb beim Abendessen.
«Papa, du bist der Beste», rufen sie im Chor, stehen auf und umarmen mich heftig. Schreiber blickt freundlich und nickt mir lächelnd zu.
Na, also!
Am anderen Tag fahren wir rechtzeitig los. Den Film habe ich gezielt ausgesucht und die Kinder sind ganz aufgeregt, denn Kino gibts bei uns nur selten.
Deshalb rechne ich alles noch einmal nach, als wir in den Polstersesseln sitzen und ich für drei Eintritte, ein paar Popcorns und Getränke volle 76 Franken ärmer bin.
Ganz schön teuer, denke ich, meine Kinder zurückzukaufen.

Sybil Schreiber: Meine drei Liebsten sind ins Kino gefahren.
Ich habe die Zeit genutzt und einen schönen langen Spaziergang mit unserem Hund Lilla gemacht. Erholsam wars im herbstlichen Wald. Lilla ist herumgetollt und das Laub wirbelte hoch, wenn sie sich rasant in die Kurve legte.
Doch jetzt freue ich mich auf meine Mädchen. Sie stürmen herein, rufen begeistert «Mama! Wir sind wieder da!», und erzählen mir fix vom Film, in dem ein Mädchen mit sprudeligen roten Haaren sehr gut Pfeilschiessen konnte, aber ständig mit ihrer Mutter Streit hatte. «Die Mutter wollte nämlich eine gut erzogene Prinzessin und kein wildes Mädchen», erklären mir meine Töchter.
Aha!
«Und dann ist die Mutter irgendwie in einen Bären verzaubert worden», höre ich sie sagen.
Was für einen Film hat sich Schneider denn da ausgesucht? Da kommt er auch schon zur Tür herein und lächelt zufrieden. Die Rückeroberung scheint gelungen. Er zwinkert mir zu. Wie schön: Papa spielt im Leben seiner Kinder wieder eine Hauptrolle.
«Wir hatten es super!», sagt er zufrieden, worauf ihn die Kleinere sanft umarmt. Dann blickt sie ernst zu mir und sagt: «Nur etwas war schade, Mama: dass du nicht dabei warst.»

(Coopzeitung Nr. 42/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 15.10.2012, 09:41 Uhr

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