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Turniersport bedeutet reisen: Janika Sprunger mit «Uptown Boy», einem ihrer besten Pferde, vor dem grossen Pferdetransporter.




Janika Sprunger: «Ich lebe meinen Traum»

Persönlich. Janika Sprunger ist eine junge Springreiterin auf dem Weg zur Weltspitze. Dass die Baselbieterin 2012 Schweizer Meisterin wurde, war nicht geplant, aber auch kein Zufall: Der Meister des Vorjahres ist ihr Vater.

Coopzeitung: Sie kommen aus einer Reiterfamilie. War Ihr Weg zur Turnierreiterin damit vorgegeben?
Janika Sprunger: Der Vater war schon ein Vorbild. Meine Mutter hat uns als kleine Kinder an Turniere mitgenommen. Das war faszinierend, und ich wusste: Das will ich auch machen!

Wann haben Sie mit der Ausbildung angefangen?
Mit vier Jahren. Es gibt noch Fotos von mir mit Nuggi am Voltigiergurt. Mit dem Schulpony bin ich dann schon ein wenig gesprungen und bald kam das erste Turnier – ganz kleine Hürden, 70 Zentimeter. Aber ich bin fehlerfrei geritten. Mit knapp neun Jahren bekam ich ein eigenes Pony, habe aber auch schon auf richtigen Pferden geritten. Mit 12 machte ich die Lizenz und bekam mein erstes Pferd, einen kleinen Holsteiner Schimmel. Drei Jahre später war ich in der Juniorenmannschaft, mit der wir die Team-EM in San Remo gewonnen haben. Damals begann auch die Zusammenarbeit mit meinem Sponsor, der bis heute seine Spitzenpferde zur Verfügung stellt. Er hatte von Anfang an grosses Vertrauen in mich.

Nebenher machten Sie die Wirtschaftsmatur. Können Sie sich Ihre Zukunft auch ohne Pferde vorstellen?
Ich möchte sicher irgendwann einmal eine Familie und Kinder. Aber es ist durchaus möglich, im Turniersport bis etwa 40 erfolgreich zu sein, wenn man gesund bleibt und gute Pferde haben kann.

Für andere Hobbys bleibt Ihnen wohl kaum Zeit?
Eigentlich nicht. Ich habe es oft im Scherz gesagt, aber es stimmt: Ich kann halt nichts anderes als Reiten. Was mir aber sehr wichtig ist, sind meine engsten Freundinnen. Einige kenne ich von klein auf und es ist gut, dass sie nichts mit dem Reiten zu tun haben. Für die macht es keinen Unterschied, ob ich bei einem Turnier Letzte geworden bin oder gewonnen habe. Das hilft, normal und am Boden zu bleiben.

Sie reiten internationale Turniere, waren dieses Jahr in Dublin, Aachen und Rio de Janeiro. Ein Traumberuf?
Es ist wunderbar, dass ich meinen Traum leben kann. Aber um mit den Pferden an solche Turniere zu reisen, braucht es ein extrem aufwendiges Management. Mein Vater nimmt mir davon viel ab. Ich habe zudem eine gute Pferdepflegerin und zwei Mädchen, die mich bei der Arbeit hier in Lausen unterstützen, wenn ich auf Turnieren bin.

Bleibt Ihnen überhaupt noch Zeit, sich selbst um die Pferde zu kümmern?
Für mich ist es sehr wichtig, den Bezug zu den Pferden zu behalten, auch wenn es inzwischen immer mehr geworden sind. Wenn ich meine Pferde anschaue, sehe ich sofort, ob es ihnen gut geht und ob sie zufrieden sind.

Schaut man sich auf einem Reiterhof um, sieht man fast nur Mädchen, an Turnieren aber fast nur Männer. Wie kommt das?
Der Mädchentraum vom eigenen Pferd verfliegt oft in der Pubertät. Und im Turniersport, wo Frauen und Männer in derselben Kategorie springen, ist die Konkurrenz sehr hart. Wenn ich meinen Vater nicht hätte, wüsste ich nicht, ob ich das machen könnte.

Reut es Sie manchmal, dass die Erfolge nur mit harter Disziplin zu erzielen sind?
Nein, heute sowieso nicht mehr. Viele dachten, mit 16, 17 würde ich mich für andere Sachen interessieren, für Ausgang und Buben. Aber ich gehe höchst selten in den Ausgang. Ich rauche und trinke nicht. Das Zusammensein mit den Freunden ist mir wichtig. Wenn wir zusammen essen gehen oder ins Kino, kann ich gut abschalten.

Sie haben eine zierliche Statur. Müssen Sie beim Essen aufpassen?
Leicht zu sein hat Vor- und Nachteile. Für manche Pferde fehlen mir Kraft und Körpergrösse, um sie zu beherrschen. Das Pferd kann mit einem leichten Reiter natürlich besser springen. Ich habe Glück, dass ich auf meine Linie nicht besonders achten muss. Um mein Gewicht von 52 bis 53 Kilo zu halten, genügt es, wenn ich mich gesund ernähre.

Die Olympia-Qualifikation für London haben Sie knapp verpasst, aber das war gar nicht so schlimm?
Ich habe das Gefühl, dass es gut so war. Es wäre mein erstes Championat gewesen, und mein Pferd ist erst neun, also in dem Alter, in dem es überhaupt erstmals an ein Championat darf. Wir hatten beide nicht viel Erfahrung. Der Olympia-Start hätte unter Umständen mehr kaputt machen können als er gebracht hätte.

Sie planen für Rio de Janeiro 2016. Was bedeutet daneben die Schweizer Meisterschaft?
In Schaffhausen hatte ich null Erwartungen. Umso schöner war es, den Titel zu gewinnen. Ich war dort mit einem Pferd, das ich noch nicht lange hatte, aber wir fanden schnell zusammen. Es war ein sehr schönes Erlebnis, weil ich ganz unbekümmert geritten bin.

Janika Sprunger

Beruf: Springreiterin
Geburtsdatum: 29. Mai 1987
Werdegang: Als Tochter des erfolgreichen Springreiters Hansueli Sprunger sass sie schon als Kind im Sattel. Nach Erfolgen im Nachwuchsbereich reitet sie seit 2009 auch auf internationaler Ebene an der Spitze mit. Ihr Freund Manuel Añon aus Spanien ist ebenfalls Springreiter.
Jüngste Erfolge: 2011 erreichte sie mit dem Schweizer Team am CSIO Schweiz in St. Gallen Rang 2. Im Juli 2012 wurde sie in Schaffhausen Schweizer Meisterin der Elite. Beim Grand Prix in Rio de Janeiro Anfang Oktober war sie mit Platz 10 die beste Schweizerin hinter Sieger Steve Guerdat.
Nächste Turniere: Nach dem CSI Genf im Dezember reitet sie im Januar 2013 das CSI Basel, bei dem ihr Vater als Sportchef fungiert.

Janika Sprunger am Preis von Europa CHIO Aachen 2012 auf dem Pferd Palloubet D'Halong

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?

Kein Buch, "nur" die Pferdewoche

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?

"der kleine Prinz"

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?

Meine Eltern und meine Grosseltern

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Taken 2

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?

The Notebook

Ihr Lieblings-Filmheld?

Mel Gibson in "Brave Heart"

Was für Musik hören Sie gerade?

Querbeet....

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?

Greatest Hits von Tina Turner oder Michael Jackson (einfach unvergänglich....)

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?

Rihanna

Was kochen Sie selbst?

Alles ein bisschen, solange es nicht zu kompliziert ist....

Ihre Lieblingsspeise?

Pouletgeschnetzeltes an Kokoscurry, Basmatireis und in Zucker und Butter gebratene Bananen !!!

Ihr Lieblingsgetränk?

Himbeersirup, Pfirsichsaft oder ab und zu ein Cola mit Eis und Zitrone :-)

Mit wem essen Sie am liebsten?

Zu Hause mit meiner Familie und Freunden

Mac oder PC?

PC

Auto oder Zug?

Auto

Wein oder Bier?

Wein

Pasta oder Fondue?

Pasta

Joggen oder Walken?

Joggen

Berge oder Meer?

Meer

Wann haben Sie zuletzt geweint?

Bei einem Film

Wie bringt man Sie zum Lachen?

Mit einer natürlichen und offenen Art

Welches Tier wären Sie am liebsten?

Ein Adler

Wovon träumen Sie?

Olympia-Gold

Was ist für Sie das grösste Glück?

Meine gesunde Familie und Freunde und dass ich ich meinen Traum leben darf

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Sonntag 28.10.2012, 00:00 Uhr

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