Nichts da Schmusekater: Mit diesem Büsi ist nicht zu spassen.

Ein fauchendes Bündel

Xanthippe hasst Tierärzte. Doch weil die Katze aus dem Fenster gestürzt ist und sich ein Bein gebrochen hat, muss sie trotzdem in die Praxis. Sie wehrt sich mit allen Pfoten.

Ein böses Knurren und Murren drang aus der Katzentransportkiste. Ausgerechnet die Katze, die Tierärzte und speziell mich am meisten hasste, war aus dem Fenster gefallen. Ich hatte beim Telefonanruf der Besitzer noch gehofft, dass Xanthippe nicht ernsthaft verletzt war. Doch leider stellte sich heraus, dass sie ein Beinchen nachzog. Der Gang zu mir war also unausweichlich.

In der Praxis durfte ich sie nicht einmal anschauen. Xanthippe drehte sich immer in meine Richtung und fauchte und spuckte. Man sah, dass sie wohl ein Hinterbein gebrochen hatte, denn es stand unnatürlich weg. «Um sie zu untersuchen, müsste man sie schlafen legen. Am besten gehen Sie zu einem Spezialisten, denn er kann in einer Narkose die Katze untersuchen und gleich operieren. Sie scheint jedenfalls keinen zu hohen Blutverlust erlitten zu haben. Sie ist wach und ihre Schleimhäute sind noch schön rosa.» Ich wartete das nächste Fauchen ab, um ihren Rachen anschauen zu können. «Auch hat sie keine Gaumenspalte, eine Verletzung, die häufig bei Fensterstürzen vorkommt.»

Die Besitzer packten das fauchende Bündel wieder ein und fuhren in eine Klinik. Wenige Tage später klingelte das Telefon. Xanthippe hatte alles gut überstanden – und der Tierarztkollege hoffentlich auch. Sie trug eine Metallschiene aussen am Beinchen, mit der sie jetzt die nächsten Wochen leben musste. Dafür gabs weder einen Verband noch andere pflegeaufwendige Tätigkeiten. Ich musste regelmässig prüfen, ob mit der Schiene alles in Ordnung war. Die Kontrollen waren jeweils ein kleines Duell. Xanthippe knurrte, ich versuchte so gut es ging, ihren Fixateur zu kontrollieren. Kleine Handyfilmchen und Fotos der Halter – zu Hause war sie sanft wie ein Lamm – rundeten die Kontrolle ab.

Nach mehreren Wochen stand ein Kontrollröntgen an. War alles verheilt, durfte ich Xanthippe von ihrem Metallgestänge befreien. Schnell überlisteten wir sie mit einem Badetuch und schon wurde sie müde. Schlafend lag sie auf dem Röntgentisch, anschliessend schraubte ich den Fixateur ab. Xanthippe wachte in ihrem Körbchen auf und miaute leise. Ich kraulte ihr den Kopf. Sie liess es geschehen und schien es sogar zu geniessen.

Dieser versöhnliche Moment dauerte nicht lange. Ein müdes Auge klappte auf, dann ein zweites – und schon war sie aufgesprungen und fauchte mich an. Ich lachte. «Hast mich wohl im Schlaf mit deinem Besitzer verwechselt! Eigentlich wärst du gar nicht so schlimm. Nur Tierärzte magst du nicht!»

(Coopzeitung Nr. 45/2012)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Getty
Veröffentlicht:
Montag 05.11.2012, 00:00 Uhr

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