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Redaktor

Martin Winkel

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?
«Diktate über Sterben und Tod» von Peter Noll. Das Buch ist zwar nicht mehr ganz neu, aber auch ohne den aktuellen Anlass – der 100. Geburtstag von Max Frisch, der 1982 die Totenrede auf Peter Noll gehalten hatte – stets lesenswert, wenn einem das Leben Mühe bereitet.


Welchen Film hast Du zuletzt gesehen?
«Rührei», Part 1 and 2, ein sehr lehrreiches und zugleich überaus unterhaltsames Low-Budget-Video von und mit Moritz Winkel. Auch wenn die Aussicht, dass unser neunjähriger Sohn dereinst einmal als Fernsehkoch enden sollte, nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist.

Welches Musikstück hörst Du derzeit am häufigsten?
Nicht nur derzeit, sondern bereits seit vielen Jahren – seitdem ich erstmals mit ungläubigem Staunen Glenn Goulds Interpretation gehört hatte – sind die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach ein probates Allheilmittel gegen jedwede Verstimmung.

Welche Webseiten besuchst Du täglich?
Ausser den Quellen, die für die Arbeit unverzichtbar sind, keine. Gelegentlich schaue ich bei Wikipedia nach, wenn etwas meine Neugier erregt. So wie Vater zum Brockhaus-Lexikon griff, wenn er mit Mutter diskutierte. Klugscheisserei ist erblich, würde unser grosser Sohn sagen.

Welcher Platz ist für Dich der schönste in der Schweiz?
Die kleine Terrasse vor dem Haus mit Blick auf den Flueberg und den Friedhof gegenüber. Im lauen Abendwind schwingt das leise Blöken und Bimmeln der Schafe, vermischt mit einem Hauch Pfeifenrauch von Nachbar Werni. Wenn ich dort mit meiner Frau sitze, bin ich glücklich.

Treibst Du Sport?
Nein.

Von wem oder was bist Du ein Fan?
Für Fanatismus bin ich eigentlich viel zu phlegmatisch und skeptisch. Aber eine leise Verehrung hege ich dennoch unter anderem für J. J. Cale und für Robert Gernhardt. Und natürlich für die geniale Giraffentorte meiner Frau. Unter anderem, wie gesagt.

Wie müsste Deine Henkersmahlzeit aussehen?
Völlig untadelig ist mein Lebenswandel zwar nicht, aber eine Hinrichtung hatte ich bislang nicht in Betracht gezogen. Doch man weiss ja nie. Aus Rücksicht auf die Sargträger eher etwas Leichtes. Also bitte ein wenig Panettone und einen doppelten Espresso.

Wenn Du nicht Journalist geworden wärst, was dann?
Pfarrer, Musiker, Ingenieur, Helikopterpilot, Naturforscher? Ich hatte als junger Mensch keine Ahnung, was ich aus meinem Leben machen sollte. Ich wusste nur, was ich nicht machen wollte. Aber auch in diesem Punkt bin ich mit den Jahren toleranter geworden.

Was ist für Dich das grösste Glück?
Dass ich mit meiner Familie an einem Ort leben darf, an dem wir mehr als genug zu essen und zu trinken haben, mit einem warmen Dach über dem Kopf und ohne Angst, dass irgendwelche Rebellen uns nach dem Leben trachten. Den meisten Menschen auf dieser Welt ist dieses Glück versagt. Und das ist das grösste Unglück.



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