Zu zweit allein

Die Kinder fehlen. Nicht aber die Ideen

Sybil Schreiber: Wir sind allein. Sitzen im Garten. Lauschen in den Abend hinein. Schneider hat Curry gekocht, weil wir ja einige Tage ohne Kinder essen und darum mal wieder so richtig erwachsen speisen können. Also, wahnsinnig scharf.
Das Curry brennt in der Kehle und treibt mir Tränen in die Augen.
Oder ist es etwas anderes?
Ich denke an unsere Töchter, hoffe, dass sie sich wohl fühlen, dass sie mit den Islandpferden Spass haben und sich untereinander nicht streiten.
Ob sie mich vermissen? Ob alles klappt?
Schneider deutet auf das Joghurt vor mir: «Das lindert, wenns dir zu scharf ist», sagt er.
Ich schlucke. Wir schweigen.
Gott, wie still es ist! Wäre wenigstens das Hündchen wach, aber Lilla schläft. Und Schneider denkt bestimmt, dass es langweilig mit mir ist. Wobei er sich ja auch mal Gesprächsstoff einfallen lassen könnte. Er hat bisher noch nicht mal gefragt, ob ich was von den Kindern gehört hätte. Er isst und denkt nicht die Bohne an unseren Nachwuchs.
Das tu dafür ich. Pausenlos. Was bin ich bloss für eine Glucke?!
Da sagt er: «Schön, diese Ruhe, nur du und ich, wie früher.»
Ich schniefe.
Er: «Ganz schön scharf, gell. Wart, ich hole dir noch etwas Joghurt aus der Küche.»


Steven Schneider: «Langweilst du dich mit mir?», fragt Schreiber.
«Kommt drauf an, was wir nach dem Curry machen. Es ist aphrodisierend.»
«Was?»
«Das Curry.»
«Ach.»
«Die Mischung heisst ‹erotischer Curry›.»
«Scharf ist es», sagt sie, aber es sieht nicht danach aus, als würde heute noch etwas mehr laufen als ihre Nase.
Ich ärgere mich. Wir haben das Haus für uns allein, könnten einander verwöhnen, den Rest der Nacht Filme schauen, dann in den Sonnenaufgang spazieren – zum Abschluss in der Badewanne eine Flasche Champagner trinken und dann das Ganze noch mal von vorne.
Stattdessen schnieft Schreiber.
«Ich vermisse die Kinder doch auch», sage ich.
Ihr Gesicht hellt sich auf: «Sollen wir rasch hinfahren?»
Was ein erotisches Curry nicht fertig bringt, schafft der Hinweis auf unsere Kinder: Schreiber wird aktiv.
Ich überlege mir einen Handel. Zuerst machen wir, was sie will: Kinder schauen auf dem Reiterhof, der in der Nähe liegt. Danach bin ich dran. Ich male mir ein «Frisch-verliebt-Fest» aus. Sachte frage ich: «Falls wir hinfahren, was könnten wir nachher tun, was wir schon lange mal wieder sollten?»
Sie lächelt. Ich frohlocke. Dann sagt sie: «Wir räumen den Estrich, das geht nur ohne Kinder.»


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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 20.07.2011, 09:29 Uhr

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