Töchter schauen

Schreiber und Schneider lernen zu wachsen.

Sybil Schreiber: So ein Glück, unsere Kleine hat ihre Jacke verloren! Eben hat die Chefin vom Reiterhof angerufen - und das ist meine Chance: Ich fahre sofort hin, um eine andere Jacke zu bringen. Ist ja eh nur 15 Minuten weit weg. Aber so sehe ich meine Kinder wieder, die seit einer halben Ewigkeit im Reitlager sind. Schneider murrt, es sei Sommer, wozu brauche man überhaupt Jacken, aber dann kommt er doch mit. Wunderbar! Die Familie vereinigt sich, wenn auch nur kurz! Schneider sagt im Auto: «Übertreib es nicht bei der Begrüssung. Unsere Mädchen finden das bestimmt peinlich vor den anderen Kindern.» Ja, bloss keine Gefühle zeigen. Typisch Mann. Sie werden sich freuen, wenn sie mich sehen. Ob sie schon wach sind Schneider kündigt an, draus-sen zu warten, das sei ihm zu peinlich, doch ich stürme nach unserer Ankunft gleich ins Haus und hin zum Lagerzimmer. Ich höre ein Kichern. Sie sind wach. Behutsam öffne ich die Türe. Meine Süssen, da sitzen sie! Mit zerzausten Haaren und roten Wangen. Wie sie in diesen drei Tagen gewachsen sind! Ich rufe: «Hallo, ihr zwei!» Sie sehen mich, winken zögerlich, sagen «Hallo». Dann wenden sich wieder ihren neuen Freundinnen zu.

Steven Schneider:
Jetzt ist Schreiber schon seit fünf Minuten bei den Mädchen im Zimmer, dabei hatten wir ausgemacht, dass sie nur rasch die Jacke reinbringt. Vermutlich drückt sie die Kinder immer noch an sich, und die kriegen kaum Luft. Natürlich könnten unsere Kinder auch ohne Jacke ein Reitlager überstehen. Aber davon wollte Schreiber nichts wissen. Sie hatte nur darauf gewartet, einen halbwegs guten Grund für einen Blitzbesuch zu bekommen. Ich warte. Was für eine Idylle: Islandpferde, Schwalben, der Duft nach Pferdemist und Stroh. Schön, dass meine Kinder so etwas erleben. Wo bleibt Schreiber? Und was, wenn die Mädchen bei Mamas Anblick vor Heimweh das Lager abbrechen wollen? Wären wir doch bloss nicht hergefahren! Endlich öffnet sich die Türe. Meine Frau kommt mit ernster Miene auf mich zu. Perfekt! Das bedeutet, die Kinder wollen noch bleiben! «Die beiden haben mich kaum angeschaut», flüstert sie mit traurigen Augen. Stolz renne ich ins Lagerzimmer, wünsche meinen Töchtern weiterhin schöne Ferien und freu mich, dass die beiden keine Heimwehtanten sind. So ganz anders als ihre Mutter, die auf der Heimfahrt sagt: «Ich brauch sofort eine Marzipanschokolade!»


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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 20.07.2011, 09:30 Uhr

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