Fremd gesprochen

Sie und er in der andern Welt namens Friaul.

Sybil Schreiber: Ich liebe es, ferienhalber neue Welten zu erleben - und gleichzeitig meine Welt zu verändern. Konkret: mich. Also meine Frisur. Ich habe mir schon in Amsterdam, auf Sardinien und in Island die Haare schneiden lassen. Das ist ein Abenteuer, denn ich wähle die Salons spontan aus und muss in einer fremden Sprache sagen, was ich will.
«Non troppo corto», erkläre ich der Signora im eleganten Salon in Sesto al Reghena und deute mit den Händen auf meine Ohrläppchen. Ich sage das immer, denn Friseure neigen dazu, zu viel wegzuschneiden (ausser meine Hauptfriseuse Gisela daheim). Während ich in Klatschheften blättere, fallen meine Haare wie das Laub im Herbst. Ratzfatz. Die Frau schneidet so schnell, wie Schneiders italienische Verwandtschaft redet. Ich frage mich, was sie mit all den Scheren will: Soll das eine Frisur werden? Oder hat sie etwas gegen deutsche Touristinnen? He, ich bin eingeheiratete Friaulerin, quasi eine Einheimische!
Als die Signora den Fön zückt, mich mit Spray einnebelt und zuletzt alle im Salon bei meinem Anblick begeistert in die Hände klatschen, wird mir klar: Vorher hatte ich einfach Haare. Jetzt habe ich eine Frisur. So ändern sich die Welten.

Steven Schneider:
Die Kinder und ich spazieren durch unseren italienischen Heimatort Sesto al Reghena, setzen uns in eine Bar und warten, bis Schreiber vom Coiffeur zurück ist. Ich greife nach einer Broschüre über den Ort und beginne zu lesen: «Auf dem links des Reghena Flusses, wachsen Stall, und zum ‹prati› ca. dreis- sig von Messinstrumenten angrenzend, die hohen bildenden grossen Bandgrüns, verbunden von Baum-gezeichneten, die Abzugsgräben angrenzen. Gerade in diesen ‹prati› nimmt er zum Leben einen Weg, der im Steg, anfangs Kreuze dieses Bereich einen von 10 von Hektars umgewandelt wird, ein fantastisches, architectonic kompliziertes Gemüse.»Faszinierend, was aus Sprache wird, wenn sie jemand nicht kann.
Da betritt Schreiber die Bar. Ida Paulina sagt: «Mama, du siehst aus wie Justin Bieber.» Alma findet: «Nein, wie Lady Gaga.» Mir scheint, sie hat was von Fernsehfrau Christine Maier und sage: «Immerhin sehe diesmal sogar ich, dass du beim Coiffeur warst.»
Was sie dort wohl gesagt hatte? Denn wenn sie Italienisch redet, klingt das wie in der Broschüre. So gesehen hat Schreiber Glück, dass sie keinen architectonic Afrolook mit blaues Ströhnen abbekommen hat.


Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Mittwoch 20.07.2011, 09:32 Uhr

Die neuesten Kommentare zu Schreiber vs. Schneider:

Annette Lefevre antwortet vor zwei Tagen
Sextest
Liebe Schreiber und Schneider, ... 
Oli Skyler antwortet vor zwei Tagen
Fan und forsch
Habe Ihre Kolummne heute in de ... 
Veronica antwortet vor 2 Wochen
Die Velotortour
Besser Butterschnitte statt da ... 

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Finde uns auf Facebook:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?