Loriot zum Zweiten

Er freut sich nicht wirklich auf ihre Geschenke.

Steven Schneider: Schreiber erzählt all unseren Bekannten immer wieder begeistert, wie das mit den Weihnachtsgeschenken bei uns läuft: Sie sucht sich in den Geschäften im Ort schöne Dinge aus und lässt sie einpacken. Ich hole sie dann ab, bezahle und lege sie unter den Weihnachtsbaum. So weit, so gut. Das entlastet mich durchaus.
Was sie aber nie erzählt: Welche Geschenke ich an Weihnachten von ihr bekomme. Letztes Jahr waren es sechs schön geformte, rosa und hellblaue Porzellantassen, mit aufgemalten Vögelchen und Blumen. Kitsch in Pastell, den kein Mann geschenkt nehmen würde. Dazu packte ich eine DVD-Box aus mit Filmen von Loriot.
Kaum war das Geschenkpapier weg, griff sie danach, schaute drauf und sagte: «Oh, das ist jetzt aber blöd.»
Das fand ich auch, denn Loriot ist für mich okay, Schreiber ist jedoch Fan von ihm.
Ich sagte versöhnlich: «Naja, so schlimm ist das nicht.» – «Das meine ich doch nicht», antwortete sie, «ich habe die falsche Box erwischt. Hier gehts um Loriot und Musik. Ich wollte doch seine lustigen Sketches, nicht seine Operninszenierungen.»
Tja, so läuft das bei uns unter dem Tannenbaum.
Ich bin schon ganz kribbelig, was ich dieses Jahr von ihr «geschenkt» kriege.

Sybil Schreiber: «Gell, dieses Jahr schenken wir uns nicht so viel», sage ich zu Schneider auf einem gemeinsamen Hunde-Spaziergang durch die kahle Winterlandschaft.
Er blickt mich überrascht an. «Ah, ja?» – «Wir spenden lieber mehr für andere und schenken uns nur Kleinigkeiten.» – «Was verstehst du unter Kleinigkeiten?», fragt Schneider, «etwa Ohrringe oder so? Kleine Dinge, die viel kosten?»
Was ist denn mit ihm los? Warum so schnippisch?
Ich beruhige ihn: «Nein, wirklich nur irgendwas Kleines, aber von Herzen. Und damit du keinen Stress hast, machen wir es wie immer, oder?»
Er nickt erleichtert. Mein Selbstsuchservice ist für alle Beteiligten besser, denn es fällt ihm wahnsinnig schwer, passende Geschenke für mich zu finden. Er hat da irgendeine Blockade. Ich bin da ganz anders, mir purzeln Geschenkideen nur so zu.
Warum? Weil ich mich an den Leitsatz halte: Schenke nur, was du selbst gerne hättest. Ich frage, was er sich denn wünsche?
Er seufzt: «Ich habe doch schon alles.» Falsch! Etwas fehlt ihm und ich habe dieses Etwas auch schon längst besorgt: Eine Loriot-DVD-Box mit der vollständigen TV- Edition!
Über 12 Stunden samt Jodeldiplom und sprechendem Hund. Wie ich mich freue!

(Coopzeitung Nr. 49/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Samstag 01.12.2012, 00:00 Uhr

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