Pingpong statt Feierabend

Er liefert Schmetterbälle, sie den Rest.

Sybil Schreiber: Zusammen mit meinen Schwägerinnen und Schwiegereltern war ich in Zürich in der Nachmittagsvorstellung eines Musicals. Als wir ins Auto steigen, klingelt mein Handy: «Wars gut?», fragt Schneider, und: «Wann bist du daheim?». – «Es wird später.» – «Du wolltest aber um sechs zu Hause sein», antwortet er. – «Vor sieben schaffe ich es nicht, tut mir leid.» – «Gut, dann rufe ich die Kinder an», murrt Schneider. – «Wie? Bist du etwa nicht zu Hause?»
Kurze Pause, dann sagt Schneider: «Nein, ich bin mit Didi ganz spontan zu Sandro. Wir spielen Pingpong und schauen Bundesliga. Die Kinder gucken zu Hause einen Film. Das geht schon.»
Das geht schon? Sein Bruder wohnt drei Dörfer von uns entfernt.
Schneider wusste seit Monaten, dass er heute zu Hause zuständig ist! Wütend starte ich den Motor und fahre los. Im Schritttempo. Stau auf allen Strassen. Das wird dauern, meine Schwägerin versucht Schneider anzurufen. Er geht nicht ans Handy.
Ich mache mir Sorgen: Haben die Kinder etwas zu Abend gegessen? War der Hund spazieren?
In meinem Kopf braut sich eine düstere Schlechte-Laune-Wolke zusammen. Schneider spielt also gerne Pingpong! Ich auch, aber heute mit Blitz und Donner!

Steven Schneider: Ich bin in der Form meines Lebens! Während mein Bruder in der Küche Schnitzel fürs Abendessen flach klopft, spiele ich mit Didi auf dem gedeckten Vorplatz Tischtennis. Die Bälle sausen hin und her wie früher und ich punkte viel. Das wird ein weiterer Sieg. – «Aha!», höre ich eine bekannte Stimme hinter mir. Ich dreh mich um: Schreiber.
Sie hat die Partnerin meines Bruders nach Hause gebracht. – «Da bist du endlich!», sage ich. «Die Kinder warten sehnsüchtig auf dich.» – «Du kommst mit, oder?»
Ihr Ton klingt messerscharf. – «Nein, ich esse hier und Didi bringt mich dann heim. Kann später werden.» – «Warum gehst du nicht ans Handy?» – «Habs irgendwo im Haus, keine Ahnung, wo», antworte ich.
Bin ja nicht hier, um zu telefonieren, sondern um mich zu amüsieren. Schreiber soll jetzt bloss keinen Ärger machen.
Zwischen zwei Ballwechseln erkläre ich: «Du hast gesagt, du würdest um sechs zu Hause sein. Woher sollte ich wissen, dass du dich so verspätest?»
Sie dreht sich um und marschiert davon. Das könnte für mich ein unangenehmes Nachspiel haben, denke ich bei der nächsten Rückhand.
Seis drum! Didi bringt den Return zu hoch und ich hau drauf! Schmetterball! Mein Punkt!

(Coopzeitung Nr. 50/2012)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 10.12.2012, 11:00 Uhr

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