Eine Delikatesse sondergleichen. Austernliebhaber gehen dafür meilenweit …

Austern: Nur eine ist nie genug

Austern sind so köstlich wie sinnlich. Das muss man allerdings erst mal entdecken.

Das Leben hält vor allem in jungen Jahren etliche Herausforderungen bereit, denen man sich stellen muss, um sich in seinem gesellschaftlichen Umfeld den nötigen Respekt zu verschaffen. Als pubertierender Teenager waren das bei mir etwa der Sprung mit dem Mofa über den Dorfbach und das Bodigen einer Schüssel Sangria an der Klassenfete. Oder das Schlürfen einer rohen Auster in den ersten Ferien ohne Eltern, dafür mit einer Horde Kollegen in der Bretagne.

Um es kurz zu machen: Den Sprung über den Dorfbach bezahlte ich nicht nur mit dem Totalschaden meines heiss geliebten Sachs-2-Gang-Handschalters, sondern auch mit unzähligen grünen und blauen Flecken. Nicht viel besser erging es mir auch bei der Schüssel Sangria: Zuerst wurde ich gehörig blau und dann grün. Danke, nie wieder! Im Gegensatz zu den Austern, die unserer kleinen Vorstadt-Töfflibubengang im Hafen von Cancale begegneten.

Wir bewunderten die Berge davon, welche die örtlichen Fischer, feinsäuberlich nach Grössen sortiert, auf der Hafenmole stapelten. Und staunten nicht schlecht, als zu unserem grossen Entsetzen einer der Fischer unversehens eine der Austern mit seinem alten Taschenmesser öffnete und sie genussvoll roh aus der Schale schlürfte, derweil ihm ein dünner Faden an Meerwasser aus einem der Mundwinkel rann.

Dummerweise war in diesen Tagen mein Stand in der Gruppe nicht der beste und so war schnell klar, wer die Wette um fünf Tankfüllungen Töfflibenzin annehmen und auch eine Auster schlürfen würde. Klar, dass der Fischer unserem in holprigem Schulfranzösisch vorgetragenen Wunsch, auch einmal eine Auster kosten zu dürfen, nur zu gerne und zudem unentgeltlich nachkam. Und mir sogleich mit seinen knorrigen Fingern und breitem Grinsen eine geöffnete Auster unter die Nase hielt. Mir war, als bestiege ich das Schafott. Doch ein Zurück war nicht vorgesehen.

Also habe ich unter schlüpfrigsten Bemerkungen, wie sie nur den Kehlen pubertierender junger Männer entspringen können, die Auster angesetzt und mit Todesverachtung geschlürft. Damit habe ich mir nicht nur den Respekt der Gruppe verschafft, sondern ich wurde zu meinem eigenen grossen Erstaunen weder grün noch blau. Im Gegenteil, dieses Ding hatte sogar etwas, das nach mehr schmeckte. Und als uns der alte Fischer noch erklärte, dass der berühmteste Liebhaber der Menschheitsgeschichte, Giacomo Casanova, angeblich jeden Tag mindestens 50 Austern verspiesen haben soll, galt ich in der Gruppe sogar ein wenig als die stille Eminenz in Sachen … na, Sie wissen schon.

Das ist mir geblieben. Also, ich meine das mit den Austern. Auch wenn Austern für mich nach wie vor etwas Besonderes sind: Ein Silvester ohne ein halbes Dutzend Austern ist für mich kein gutes Ende des alten Jahres, und kein guter Start ins neue Jahr.

Austern: Aussen hart, innen weich

Austern bestehen zu rund 85 Prozent aus Wasser und gelten als äusserst kalorienarm, dafür aber proteinreich. Trotzdem bieten sie sehr viele kostbare Nährstoffe wie etwa Kalzium, Zink, Eisen und Magnesium, aber auch die wertvollen Vitamine A, B1, B2, Folsäure und Mineralsalze.

Für den Konsum von Austern gelten die gleichen Empfehlungen wie bei anderen Muscheln auch: Geöffnete Austern, die sich auf leichten Druck auf die Schale hin nicht schliessen, sind ungeniessbar, ebenso solche, die nach dem Öffnen trocken sind und/oder einen schlechten Geruch verströmen. Frische Austern haben einen angenehmen Duft, der an das Meer erinnert.

Übrigens: Wer sich seiner Sache nicht wirklich sicher ist, sollte das Öffnen der Austern einem Profi überlassen. Immerhin sind in Frankreich Verletzungen durch unsachgemässes Öffnen in der Silvesternacht die Unfallursache Nummer eins.

1 TL Marinade (Olivenöl, Salz, Pfeffer und gepresster Knoblauch) über das Austernfleisch geben. Mit grob geriebenem Parmesan bestreuen, im Backofen bei 200 °C ca. 20 Min. überbacken, bis der Käse geschmolzen und leicht bräunlich ist. Mit Zitronenscheibe und Peterli garnieren.

Bio-Miesmuscheln

Die schwarzen Naturaplan-Bio-Miesmuscheln stammen aus nachhaltiger Zucht aus Irland. Die beliebteste unter den Speisemuscheln eignet sich für viele verschiedene Gerichte. Wir plädieren für Moules et Frites, was in Belgien fast schon als Nationalgericht gilt. Erhältlich sind die Bio-Miesmuscheln in grösseren Coop-Läden in Selbstbedienung für Fr. 14.90/kg.

Austern Marenne Nr. 3

Egal, ob mit ein wenig Zitronensaft, einer Vinaigrette, überbacken oder einfach nature: Eine Auster ist immer etwas Besonderes. Die eher kleinere Marenne Nr. 3 aus der der Region Charante-Maritime gilt unter Kennern als eine der beliebtesten Austern aus europäischer Zucht. Erhältlich ist sie zum Stückpreis von Fr. 1.50 in grösseren Coop-Läden mit Fisch im Offenverkauf.

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Stefan Fehlmann

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Freitag 21.12.2012, 17:45 Uhr

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