Wie ein Ei schälen und dann das Fruchtfleisch vom Kern lutschen: So geniesst man diese Frucht.

Litschi: Frucht mit vielen Talenten

Wer meint, Litschis zu kennen, könnte sich täuschen. Die exotische Frucht hält so manche Überraschung bereit.

Jahrelang waren mir Litschis nicht geheuer. Keine Ahnung, weshalb. Jedenfalls machte ich einen grossen Bogen um die exotischen Früchte. Doch kürzlich war ich bei Freunden eingeladen. Und was gab es dort zum Dessert? Eben! Ich sass also in der Falle. Keine Chance, an den runden Dingern vorbeizukommen.

Zögerlich griff ich nach einer Litschi und begann sie zu schälen. Nicht sehr liebevoll, wie ich gestehen muss. «Aua!», hörte ich plötzlich. Ich stutzte. «Sei doch nicht so grob zu mir!» Erschrocken hielt ich inne und blickte in die Runde. Das Gespräch ging einfach weiter, niemand hatte verwundert die Augenbrauen hochgezogen. Erneut machte ich mich ans Schälen. «Habe ich nicht gesagt, du sollst sanfter sein?!? Schliesslich bin ich nicht Tausende Kilometer von Südostasien hierher gereist, um so behandelt zu werden!» Ich liess die Litschi in den Teller fallen und starrte sie mit offenem Mund an. «Ja, genau dich meine ich!», hörte ich die Stimme wieder ganz deutlich.
Offenbar war mir der Wein zu Kopf gestiegen. Ich richtete mich auf und konzentrierte mich. Ausgerechnet an diesem Abend spürte ich eine Kopfschmerz-Attacke in mir hochkriechen. Und nun noch eine sprechende Frucht. Das war zu viel! «Du hast schon richtig gehört», kam es da aus dem Teller. Ich riss die Augen auf, meiner Kehle entfuhr ein heiserer Laut. «Alles o.k.?», fragte die Gastgeberin mit sorgenvollem Blick. «Ja, ja, ich spüre nur ein Kratzen im Hals, ich bekomme wohl eine Grippe», schwindelte ich. Darauf die Gastgeberin: «Dann mache ich dir sofort einen Tee!»
Vielleicht würde der Tee mir ja wieder zu einem klaren Kopf verhelfen. Dankbar schlürfte ich das heisse Gebräu. «Iss mich jetzt endlich! Ich bin gesund, in mir stecken wahnsinnig viele Vitamine und Nährstoffe, die dein Immunsystem stärken und auch deinen Bauch in Ordnung bringen.» Nun reichte es mir, seit wann schreibt mir eine Litschi vor, was ich zu tun habe? Ich packte sie und biss hinein. «So, das hast du nun davon, du vorlautes kleines Ding!» «Autsch!», entfuhr es mir im nächsten Augenblick, denn meine Zähne wären beinahe im Litschi-Kern stecken geblieben. «Hättest du mich ausreden lassen, dann hätte ich dir erklärt, dass du mich wie ein Ei schälen und das Fruchtfleisch vom Kern lutschen musst», tönte es schulmeisterlich. Ich wollte gerade innerlich protestieren, als sich dieser wunderbare süss-säuerliche Geschmack auf meiner Zunge entfaltete. Vor Wonne vergass ich meinen Ärger.

Bald darauf ging ich nach Hause. Das Bauchgrimmen war da bereits verschwunden. Und am nächsten Tag fühlte ich mich wieder pudelwohl. Ich weiss nicht, obs am Wein oder am Virus lag, dass ich die Litschi hatte sprechen hören. Sicher ist nur, dass ich die Litschi nun mit ganz anderen Augen sehe. Gestern habe ich mir sogar ein paar Litschis gekauft. Doch bis jetzt hat keine mit mir gesprochen.

Karamellisierte Litschis mit Vanilleglace

Einfacher gehts kaum: Litschis karamellisieren und auf 2 bis 3 Kugeln Vanilleglace anrichten. Und fertig ist ein kleines, feines Dessert.

Sie reifen nicht nach

Es empfiehlt sich, Litchis reif zu kaufen, denn sie reifen nicht nach. Wenn die Litchi reif ist, präsentiert sich die Schale rotbraun und leicht brechbar. Litchis isst man am besten frisch. Im Kühlschrank halten sie rund eine Woche. In der Früchteschale und bei Zimmertemperatur sollten sie rasch konsumiert werden.

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Susanne Stettler

Freie Autorin

Foto:
Ferdinando Godenzi, Fotolia
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Montag 24.12.2012, 10:00 Uhr

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