Blick zurück nach vorn

Die Wünsche für 2013 stecken voller Erinnerungen.

Steven Schneider: Wünsche sind so eine Sache. Als kleiner Bub hatte ich eine eigene Vorstellung davon, wie sie in Erfüllung gehen: Ich schloss die Augen, stellte mir ein Spielzeug vor und hoffte, dass es, wenn ich die Augen wieder öffne, auf meinem Bett liegen würde.
Nach etlichen Versuchen gab ich auf. Weder die Mondrakete noch das ferngesteuerte Auto konnte ich herbeiwünschen. Die Enttäuschung war gross, aber ich hatte eine Lektion fürs Leben gelernt: Damit Wünsche in Erfüllung gehen, reicht es nicht, zu warten – man muss die Sache selber anpacken.
«Was wünschst du dir fürs neue Jahr?», hatte Schreiber gefragt.
Hier meine Liste:
• oft barfuss zu gehen;
• mehr Sonnenaufgänge zu sehen;
• mich nicht mit unangenehmen Menschen abgeben zu müssen;
• viel Zeit mit den Kindern zu verbringen;
• dankbarer zu sein;
• weniger Ängste zu haben;
• den Lauf der Zeit bewusster wahrzunehmen.
Doch dann kommt es meist ganz anders, auch dies habe ich gelernt: Ich war etwa sieben Jahre jung und bekam zu meinem Geburtstag ein Kilo Orangen. Es war das Allerletzte, was ich mir damals gewünscht hatte – und dennoch ist es das einzige Geschenk, an das ich mich noch heute mit Begeisterung erinnere.

Sybil Schreiber: Wo ist dieses Jahr nur hin? Eben war doch noch Sommer, und schwups, sind schon wieder zwölf Monate vorbei. Unwiderruflich. Mir geht das alles viel zu schnell!
Schneider und ich spielen darum mal wieder: «Weisst-du-noch?»
Das geht so: «Wo waren wir letzten Dienstag?»
«Vor einem Monat?»
«Im Juli?»
Wir grübeln, rätseln, und dann tauchen sie langsam auf, die Bilder und Gefühle. «Vor einem Monat, war da nicht grad Weihnachtsmarkt? Als tatsächlich Schnee fiel?» Schneider lacht: «Und als später beim Raclette-Essen die Sicherung rausflog?»
Mir fällt unser Picknick am Rhein ein: «Das war doch der letzte warme Abend im August. Wir liessen uns alle vier im Fluss treiben, ich fühlte mich so frei.»
«Oder die Zirkusferien! Ich habe die Musik noch immer in den Ohren.»
Mir fallen auch belastende Situationen ein, Enttäuschungen, Ärger. Aber, und das ist wichtig: Die zarten, feinen Augenblicke sind stärker. Die kann mir niemand wegnehmen. Sie schenken mir Kraft. Ich schmiege mich an Schneider, der brummt ein wenig, ich schmunzle und spüre unendlich viel Dankbarkeit.
Hoffentlich erleben wir im kommenden Jahr vieles, woran ich mich gerne erinnern werde.

(Coopzeitung Nr. 01/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 27.12.2012, 15:11 Uhr

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