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Betreibt im Jahr 2013 keine Parteipolitik mehr, sondern repräsentiert die Schweiz und das ganze Parlament: die neue Nationalratspräsidentin Maya Graf.


Maya Graf machts vor …

… und Chefredaktor Christian Degen darf dann auch mal. Aber eigentlich …

… macht er sich dann doch besser als Interviewer.

Maya Graf: «In der Sache kann ich hart sein»

Maya Graf ist die Nationalratspräsidentin 2013. Sie ist damit die erste Vertreterin der Grünen Schweiz, die das höchste Amt des Landes inne hat.

Coopzeitung: Erhält man als neue Nationalratspräsidentin eine Einführung?
Maya Graf: Das ist nicht nötig. Die Einführung erfolgt bereits mit dem Vizepräsidium. Vor einer Session bespricht man mit den Ratssekretären jedes einzelne Geschäft. Es gibt ein Drehbuch und Redezeiten, damit wir möglichst effizient vorwärtskommen.

Was ändert sich für Sie persönlich?
Meine politische Arbeit. Als Präsidentin mache ich keine Parteipolitik mehr, sondern repräsentiere den Nationalrat als Ganzes, leite die Sessionen und habe auch die Verantwortung, dass wir zu Resultaten kommen. Zudem darf ich an vielen Anlässen das Parlament und die Schweiz vertreten.

Entscheiden Sie selbst, an welchen Anlass Sie gehen?
Grundsätzlich schon, aber es gibt Pflichtanlässe wie das WEF in Davos, die Muba oder die Olma. Die vielen Anfragen werden mit dem Generalsekretär und dem Chef für Auslandfragen, Claudio Fischer, abgesprochen.

Sind Sie denn diplomatisch genug für das WEF?
Das müssen Sie mich nachher fragen. (lacht) Ich traue mir das natürlich zu, auch weil ich mich der Rolle als Repräsentantin des gesamten Parlaments sehr bewusst bin. Ich freue mich auf diese neue Herausforderung.

Wie viel Einfluss können Sie an einem solchen Anlass nehmen?
Der Einfluss ist eher gering. Es geht mehr darum, Beziehungen zu pflegen. Die Schweiz ist auf gute Beziehungen angewiesen. Sie wird als kompetente Partnerin und als Vermittlerin, die mit allen redet und allen zuhört, sehr respektiert.

Hilft Ihnen bei Ihrer Arbeit Ihre Ausbildung zur Sozialarbeiterin?
Die Ausbildung hat mir immer geholfen in der Politik. In der sozialen Arbeit ist es zentral, dass man sich auf andere einlassen kann, dass man gerne kommuniziert und mit Menschen arbeitet, dass man offen ist, ohne die eigenen Werte zu verlieren.

Sie wirken oft – auch jetzt – nett und verständig. Wo versteckt sich der Biss, den es als Politikerin braucht?
Ich versuche stets das Persönliche von der Sache zu trennen. Wenn es um die Sache geht, kann ich schon hart sein und weiss mich mit Argumenten zu wehren und durchzusetzen.

Sie sind seit rund 25 Jahren in der Politik. Wo steht die Schweizer Politik heute?
Ich glaube, wir haben eine  offene Situation im Moment, mehr Spielraum für Entscheide, die uns vorwärtsbringen. Wir hatten von 2003 bis 2011 starke Fronten im Parlament, das hat sich verändert. Nachhaltigkeitsthemen werden nach 25 Jahren endlich mehrheitsfähig. Das ist höchste Zeit, die Schweiz ist in Vielem in Rückstand geraten. Verändert hat sich  auch die Medienwelt. Früher wurde darüber berichtet, was in der Session entschieden worden ist, heute werden Geschichten gemacht. Es besteht die Gefahr, dass so die Politik zur Schaubühne wird und die Bürger nicht mehr umfassend informiert werden.

Wie halten Sie es mit den Neuen Medien?
Also statt Facebook mache ich Face-to-face. Es ist vielleicht ein Privileg meines Alters, dass ich mich hier nicht betätigen muss. Über meine Kinder – die sind 17 und 19 Jahre alt – bleibe ich aber auf dem Laufenden.

«

Statt Facebook mache ich Face-to-face»

Bleibt Ihnen überhaupt noch Zeit für die Familie und für Ihren Biohof?
Ich bin in diesem Jahr sicher mehr unterwegs, aber mein Mann und die Kinder werden mich unterstützen, wie bis anhin. Den Hof betreiben wir gemeinsam mit meinem Bruder und meiner Schwägerin. Sie werden nun die Verantwortung übernehmen. Dann hat mein Mann auch mal Zeit, mich zu begleiten.

Braucht es an offiziellen Anlässen stets eine Begleitung?
Da hat sich zum Glück viel geändert. Weil es heute viel mehr Frauen hat, ist das oft nicht mehr zwingend. Oder es steht heute auf der Einladung nicht mehr «Ehegatte», sondern schlicht «Begleitung». Zu einigen Anlässen werden mich deshalb vielleicht die Kinder begleiten.

Wollen die beiden auch in die Politik?
Im Moment nicht. Beide sind noch in Ausbildung. Mein Sohn interessiert sich dafür. Meine Tochter sagt immer, sie hätte daheim schon genug Politik. Das verstehe ich.

Was verstehen Sie selbst unter Politik?
Für mich heisst Politik, unsere Gesellschaft für die Zukunft gestalten.

Und Ihre Zukunftsvision ist?
Eine Gesellschaft, die nicht mehr natürliche Ressourcen verbraucht, als sie hat, und die immer auch die soziale Gerechtigkeit sucht, also den Ausgleich zwischen denjenigen, die viel, und denjenigen, die wenig haben. Wenn man das mit einer wirtschaftlichen Entwicklung koppeln kann, haben wir eine nachhaltige Entwicklung.

Und wo sehen Sie die Herausforderungen in naher Zukunft, im nächsten Jahr?
Die grösste Herausforderung ist klar die Energiewende, wo wir den Weg zeigen müssen, damit die Wirtschaft auch weiss, wo sie investieren kann. Dann die Steuergerechtigkeit und das Verhältnis der Schweiz zu Europa. Generell wird es uns in der Schweiz 2013 gut gehen, aber politisch sind wir gefordert.

Maya Graf

Geboren: 28. Februar 1962 in Sissach (BL)
Zivilstand: verheiratet mit Niggi Bärtschi, zwei Kinder, geboren 1993 und 1996
Beruf: dipl. Sozialarbeiterin HFSX, Biobäuerin, Poltikerin
Karriere: Mit 21 Mitglied der Kirchenpflege; 1988 Wahl in die Gemeindekommission von Sissach, 1995 für die Grünen Landrätin des Kantons Basel-Landschaft. Seit 2001 Nationalrätin und Mitglied der Bundeshausfraktion der Grünen, die sie 2009 bis 2010 präsidierte. Am 26. November 2012 wurde Maya Graf zur Nationalratspräsidentin.
Sonstige Engagements: Präsidentin der Schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie (SAG); Co-Präsidentin Hochstamm Suisse; Vize-Präsidentin des Nordwestschweizerischen Aktionskomitees «Nie wieder Atomkraftwerke» (NWA); Stiftungsrätin der Stiftung «Basel-Olsberg» für Menschen mit einer Behinderung; Stiftungsrätin Greina-Stiftung; Stiftungsrätin Swissaid.
Link: www.mayagraf.ch

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Christian Degen

Chefredaktor

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Sonntag 23.12.2012, 16:00 Uhr

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