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Prall und schwer: Kürbisse brauchen starke Arme

In Rafz, zwischen Zürich und Schaffhausen, wachsen über 100 verschiedene Kürbissorten. Seit einigen Wochen läuft die Ernte auf Hochtouren.

Riesige orange Kürbisse, so weit das Auge reicht. Walter Pfister steht mitten in einem Feld voller leuchtender Halloween-Kürbisse. Die Blätter sind schon verwelkt, in den nächsten Wochen müssen die Kürbisse geschnitten und eingesammelt werden – sonst beginnen sie zu faulen. Hier in Rafz, nahe der deutschen Grenze, ist Pfister seit 11 Jahren Betriebsleiter der Jucker Farmart AG, die an drei Standorten landwirtschaftliche Produkte anbaut und Hofläden betreibt.

Ein paar Kilometer weiter ist die Ernte schon in vollem Gang. Die polnischen Erntehelfer schneiden die Kürbisse mit Scheren ab und stapeln sie auf mehreren Haufen zusammen. Dann fährt einer den Traktor mit dem Anhänger vor. Während die einen Männer die schweren Früchte nach oben wuchten, stehen die anderen auf dem Anhänger und nehmen die Kürbisse in Empfang – bei 6 bis 20 Kilogramm pro Kürbis ein echter Kraftakt. Frauen sind auf dem Feld keine zu sehen. Sie arbeiten eine Station weiter in den zwei  Hallen, wo die Kürbisse gewaschen, sortiert und etikettiert werden. «Die Frauen sind eigentlich überall flinker und schneller als die Männer – aber bei der Ernte zählt vor allem die Kraft», begründet Walter Pfister die traditionelle Aufgabenteilung. Von den 30 Erntehelfern ist Einsatz gefragt. «In der Hauptsaison kann es auch einmal eine 7-Tage-Woche geben», sagt Pfister. Schliesslich gilt es, Kürbisse auf einer Fläche von rund 40 Hektaren zu ernten. Etwa 200 Tonnen Kürbisse wandern so wöchentlich vom Feld in den Verkauf.

Der Kürbis ist nicht sehr anspruchsvoll und wächst fast überall. Wegen seines hohen Wassergehalts verträgt er Minustemperaturen aber sehr schlecht. Geerntet wird deshalb in der Regel bis etwa Mitte Oktober, beziehungsweise bis zum ersten Frost. Auch bei der Pflanzung spielt der Frost eine Rolle. Erst zwischen Anfang und Mitte Mai, wenn es keinen Frost mehr gibt, wird in Rafz der Kürbis angepflanzt. Was die Haltbarkeit angeht, ist er fast unverwüstlich. Am besten lagert man ihn zu Hause bei Zimmertemperatur, bei 15 bis 20 Grad. «Wichtig ist, dass Luft an den Kürbis kommt und dass es möglichst trocken ist», sagt Walter Pfister. So ist er problemlos 3 bis 4 Monate haltbar. Im Kühlschrank sollte man ihn nur verstauen, wenn er bereits angeschnitten ist.

Im Gegensatz zu den USA, wo Kürbisgerichte eine lange Tradition haben, blickt das Gemüse hierzulande auf eine relativ kurze Geschichte zurück. Vor zehn Jahren war der Kürbisanbau für die Jucker Farmart noch ein Experiment. In Rafz wurden bis dahin vor allem Spargeln, Erdbeeren und Himbeeren produziert. «Damals sagte man noch, das mit den Kürbissen sei nur so eine Modeerscheinung und werde rasch wieder verschwinden», sagt Walter Pfister. Doch dann konnte man die Menge von Jahr zu Jahr steigern, und die Speisekürbisse wurden immer beliebter. Und dies, obwohl viele Leute – mit Ausnahme von Suppe – nicht so recht wissen, was sie mit ihrem Kürbis in der Küche eigentlich anfangen sollen. Deshalb kleben die polnischen Arbeiterinnen in Rafz auf jeden Kürbis eine Etikette mit einem Rezept drauf.

Grundsätzlich wird zwischen Speisekürbissen und Zierkürbissen unterschieden. Reine Zierkürbisse enthalten Bitterstoffe, die ihr Fleisch ungeniessbar machen. Wer sich in der Gemüseabteilung einen Kürbis aussucht, muss aber keine Angst haben, einen falschen zu erwischen. Die Zierkürbisse liefert Jucker Farmart nämlich an die Blumenabteilung. Die «Promis» unter den Speisekürbissen sind der Butternuss sowie der Orange Knirps, den viele auch unter dem Namen Hokkaido kennen. Insgesamt bauen Walter Pfister und seine Leute über 100 verschiedene Sorten an – und testen laufend neue Sorten aus.

Neu im Sortiment bei Coop sind dieses Jahr Delicata und Acorn. Der Delicata eignet sich vor allem für Rohkost, etwa als Dipgemüse, wegen des grossen Rüstaufwands aber eher nicht für Suppe. Der zweite Neuzugang, Acorn, hat ein feines Haselnussaroma. Bei Walter Pfister steht derzeit fast täglich Kürbis auf dem Speiseplan. Am liebsten mag er den Butternuss-Kürbis – «er ist schnell gerüstet und hat viel Fruchtfleisch». Sehr lecker sei auch gefüllter Portionenkürbis. Doch bei aller Liebe zum vielseitigen Gemüse: «Gegen Ende des Herbstes habe ich es mit den Kürbissen meist langsam gesehen», schmunzelt Pfister.

Hier finden Sie zwei Kürbis-Rezepte zum Herunterladen und Ausdrucken.

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 19.09.2011, 17:38 Uhr

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