Einmal Himalaya und zurück

Hunde laufen ausgesprochen gerne. Doch der Dackel von Chantal Ritter scheint das nicht zu wissen: Er will lieber getragen werden.

Der Flat Coated wedelte freudig. Er war muskulös und steckte in einem glänzenden Fell. Ein prächtiger Vertreter seiner Rasse. Ich sprach den Besitzer auf die Bemuskelung seines Hundes an. «Gehen Sie mit ihm joggen?» Dieser lächelte: «Nein, wir gehen nur jährlich fünfmal auf den Himalaya und zurück! Zusätzlich noch zweimal nach Nepal und zurück.» Mir verschlug es für einen Moment die Sprache. Er freute sich über die gelungene Überraschung und erklärte mir, dass er gleich an einem Hügel wohne. Jeder Spaziergang begann mit einem steilen Aufstieg. Auf der Hügelkuppe angekommen, lief er in einer Schlaufe bergab wieder nach Hause. Zusammengezählt ergebe das die Höhenmeter auf den Himalaya und die Distanz nach Nepal.

Hunde sind Lauftiere. Laufen bewirkt einen Stress-abbau und ist die beste Gesundheitsvorsorge. Gerade Hunderassen, welche für Arbeiten gezüchtet wurden, sind sehr auf Bewegung und Beschäftigung angewiesen. Täglich mehrere Stunden Beschäftigung sind optimal für einen solchen Hund. Dieser dankt es seinem Besitzer auch mit einer guten Gesundheit und einem ausgeglichenen Wesen. Auch ist wohl klar, dass der Besitzer ebenfalls gesundheitlich davon profitiert. Am Abend lief mein kleiner, alter Dackel beim Spaziergang munter drauflos. Doch schon nach der ersten Kurve bockte er und lehnte sich in die Leine. Dann schaute er wehmütig zurück. Ich hielt an, sprach etwas mit ihm und lief wieder los. Dasselbe Spiel. Stehen bleiben, in die Leine liegen und zurückschauen. Nach dem dritten Versuch gab ich auf. Ich hob ihn hoch und trug ihn weiter. Nach geraumer Zeit taten meine Arme weh.

Mein Dackel genoss die Tour und betrachtete interessiert die Gegend. Dann zappelte er. Als ich ihn herunterliess, schnüffelte er herum, pinkelte und wollte dann wieder getragen werden. «Ich werde mit Dir wohl nie den Himalayarekord brechen. Dafür aber mache ich, glaube ich, gerade den Langstreckenrekord im Dackeltragen!», sagte ich genervt zu ihm. Das Hundetragen eignet sich vielleicht gut für das Training der Armmuskeln, sorgt aber wohl nicht für die geistige Ausgeglichenheit vom Hundebesitzer …

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 19.09.2011, 18:25 Uhr

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